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Meine Stadt Trickdiebe müssen ins Gefängnis
Hannover Meine Stadt Trickdiebe müssen ins Gefängnis
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00:18 16.06.2018
Quelle: dpa
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hannover

Anna L. (34) hat ein Kind in der Haft bekommen. Im Februar 2017 kam sie wieder frei. Der Vater, Daniel G. (35), ihrer vier Kinder wurde einen Monat später aus dem Gefängnis entlassen.

Das hinderte die schrecklich nette Familie nicht, am 21. April 2017 mit ihrer zehnjährigen Tochter wieder auf Beutezug zu gehen. In einem Wohnstift in Groß-Buchholz „besuchten“ sie ein Ehepaar (83 und 84 Jahre alt). Mit einem Waschlappen und Handcreme als „Gastgeschenk“ verschafften sie sich Zutritt zur Wohnung. Am Ende fehlten drei Ringe und ein goldenes Collier (Gesamtwert mindestens 2600 Euro).

Dafür wurde das Paar am Mittwoch zu je 18 Monaten Haft verurteilt. Amtsrichter Michael Siegfried fand im Urteil deutliche Worte: „Sie haben sich auf perfide Art und Weise in die Wohnung eingeschlichen.“ Die Tat sei so ziemlich das Schlimmste an Trickdiebstahl, was er in den vergangenen 20 Jahren als Richter erlebt habe.

Anna L. hat elf Vorstrafen, ihr Mann 16. Viele der Vorstrafen sind einschlägig. Eigentlich sollte die Verhandlung im März stattfinden. Doch da war Anna L. hochschwanger. Ihr Anwalt meinte: „Es kann nicht im Sinne der Justiz sein, eine Familie kaputt zu machen.“ Richter Siegfried konnte allerdings mit dieser Form der Familienpolitik wenig anfangen. „Wieso soll ich Rücksicht auf Ihre Familienplanung nehmen?“ Auch zuvor hätten die Angeklagten drei Kinder gehabt, was sie nicht von Straftaten abgehalten habe. Derzeit lebt die Familie von Hartz IV und dem geringen Einkommen der Frau als Verkäuferin.

Im Urteil bezeichnete Richter Siegfried das Vorgehen des Paares als „dreist“. Fünf Tage nach dem Beutezug tauchten sie wieder in dem Wohnstift auf. Sie hatten bereits ein neues Opfer im Visier. Doch das Personal war gewarnt. Die Polizei nahm das Gangster-Paar fest. Der bestohlene Senior (84) erkannte bei der Polizei Daniel G. „hundertprozentig“ wieder. Bei Anna L. war er sich zu „70 bis 80 Prozent“ sicher. Die Angeklagten hatten kein Geständnis abgelegt.

Staatsanwalt Stephan Dach meinte: „Niemand würde verstehen, wenn jemand mit 16 Vorstrafen eine Bewährungsstrafe erhält.“ Daniel G. muss darüber hinaus weitere 14 Monate Gefängnis aus einer anderen Verurteilung absitzen. Am Mittwoch fuhr das Paar erst mal im Mercedes nach Hause – zu seinen Kindern.

Von Thomas Nagel

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