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00:21 30.05.2018
SCHAUT GENAU HIN: Harald Heinrich Ott sollte Opfer eines Trickbetrügers werden. Ott zeigte gesundes Misstrauen und fragte nach Details – da legte der Anrufer auf. Quelle: Foto: Behrens
hannover

Harald Heinrich Ott mag einen Namen haben, der möglicherweise auf einen gebrechlichen Senioren hinweisen könnte. Und der 66-Jährige ist tatsächlich Rentner. Aber veräppeln lässt sich Ott nicht. Und schon gar nicht einschüchtern oder betrügen – das aber konnte der Mann am anderen Ende der Telefonstrippe nicht ahnen.

Als Otts Telefon vergangenen Woche klingelte, erkannte der frühere Bankkaufmann die Telefonnummer, die auf dem Display stand. „0511/1090, das ist die Telefonnummer der Polizeidirektion.“ Dann habe der Mann, der sich als Polizeibeamter vorstellte, „in astreinem Deutsch“ Fragen zu seiner Identität gestellt, „ob ich Harald Heinrich Ott, Hildesheimer Straße“ wäre. „Er sagte, er müsse mit mir sprechen.“

Die Geschichte klang bedrohlich: Die Polizei habe eine rumänische Bande hochgenommen, dabei einen Rucksack sichergestellt, in dem Otts Adresse gewesen sei. „Er wollte mir Angst einjagen“, schloss Ott haarscharf und nahm da aber noch an, dass dieser Anruf mit seinem zu Pfingsten gestohlenen Portemonnaie zusammenhängen könnte. „Dann sagte er, dass er und seine Kollegen verdeckt gegen die rumänische Bande ermitteln würden.“ Diese hätte angeblich bereits einen Vermögensschaden von 320 Millionen angerichtet und würde mit Bankangestellten oder Bank-Azubis zusammenarbeiten, die ihnen dann die Kundendaten zuspielten. Spätestens hier wurde Harald Heinrich Ott klar, dass irgendetwas nicht stimmte. „Ich kenne viele Kriminalbeamte, die erzählen so was am Telefon nicht“, sagt er. Er habe von dem Anrufer dann den Namen und eine Durchwahl verlangt, „und schon legte der Mann auf“.

Ott rief sofort bei der – richtigen – Polizei an, die ihm bestätigte, dass Betrüger mit dieser Masche unterwegs seien. „Die schauen in die Telefonbücher, suchen sich Opfer mit älter klingenden Namen aus, um sie dann letztlich auszurauben oder zu betrügen.“

Polizeisprecher Andre Puiu bestätigt die Masche. Die nenne sich Spoofing (aus dem englischen für spoof: parodieren), „die senden eine vorgetäuschte Nummer mit. Das kann man programmieren, das ist gruselig“. Er rät, sich nicht von der Telefonnummer auf den Display blenden zu lassen. Und: „Wir fragen niemals nach Vermögenswerten. Wir fordern niemals dazu auf, Vermögenswerte irgendwo zu deponieren.“

Von petra rückerl

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