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KÜHNE PLÄNE: Marcel Gleitz möchte vom Schlosserberuf auslangfristig ins gehobene Management – er sieht seine Zukunft im kaufmännischen Bereich.

KÜHNE PLÄNE: Marcel Gleitz möchte vom Schlosserberuf auslangfristig ins gehobene Management – er sieht seine Zukunft im kaufmännischen Bereich.© Nancy Heusel

Studium

Trial in Hannover: Der Alles-in-einem-Studiengang

Ausbildung, Bachelorabschluss und Meister in viereinhalb Jahren. Das bietet der triale Bachelor-Studiengang.

Hannover. Milena Mordfeld (21)  ist die unternehmerische Tradition ihrer Familie wichtig. Ihre Eltern haben eine Bäckerei in Barsinghausen. „Für mich war schon immer klar, dass ich später die Firma meines Vaters übernehmen möchte“, sagt sie. Zunächst plante sie, die Ausbildung, das Studium und die Meisterprüfung nacheinander zu absolvieren: „Aber dann habe ich eine Info-Mail von unserer Koordinatorin in der Schule gelesen und fand das triale Studium spannend.“ Heute ist Mordfeld eine von 39 Studenten des trialen Studiengangs Handwerksmanagement an der Fachhochschule des Mittelstands in Hannover.
Ihre Ausbildung hat sie bei Bä­cker Göing abgeschlossen und ist nun in der Vollzeitstudienphase: „Nebenbei arbeite ich jetzt bei meinem Vater in den Hünerberg-Bäckereien.“ Die Ausbildung wollte sie nicht im Familienunternehmen ma­chen: „Ich glaube, das wäre irgendwie komisch gewesen.“

Im ersten Jahrgang hat sie 2014 mit sechs anderen Studenten be­gonnen. In den beiden folgenden Jahren verdoppelte sich die Zahl der Anfänger jeweils. Während der Ausbildung verdiente sie Geld und zog zu Hause aus. Allerdings:  In der Vollzeitstudienphase „kann ich nur auf Minijobbasis nebenbei arbeiten“. Deswegen musste sie erst mal wieder zu ihren Eltern ziehen. Manchmal hat sie sogar ein paar Tipps für ihren Vater: „Ich sage ihm gelegentlich ein paar Sachen, die ich gelernt habe. Besonders im digitalen Bereich und bei Social-Media-Angelegenheiten ist das ganz praktisch.“

Der fehlende Praxisbezug hat Konsequenzen: Die Vollzeitphase gibt es für die anderen Jahrgänge nicht mehr. „Wir haben im ersten Jahrgang festgestellt, dass die Module auch neben der Tätigkeit im Beruf absolviert werden können und so der Praxisbezug eher gegeben ist“, erläutert Anika Sander, Organisatorische Leiterin der Fachhochschule des Mittelstands.

Marcel Gleitz (22) hat im gleichen Jahrgang wie Milena Mordfeld begonnen und ist im Schlossergewerk tätig: „Ich bin aber als Kaufmann angestellt. Das heißt, dass ich keinen Meister, sondern einen Master-Abschluss machen werde.“ Ihm macht das Kaufmännische Spaß. „Und ich mag es, mit Menschen zu arbeiten“, so der 22-Jährige. Er betreut Langzeitkunden und erstellt Angebote für sie: „Ich war aber auch schon in der Werkstatt und der Montageplanung tätig.“

Beide finden eines besonders gut: „Wir haben schon mit 22 oder 23 einen Ausbildungsberuf plus Studium. Das ist schon etwas Tolles“, findet Mordfeld. Und das Ganze sei auch nicht so stressig, wie es klingt: „Ich habe nicht so viel lernen müssen, wie ich vorher dachte. Vieles kennen wir schon aus dem Betrieb. Und dann festigt sich alles durch die Vorlesungen“, erklärt Gleitz. „Und man weiß ja auch, worauf man sich einlässt“, ergänzt Mordfeld. Gibt es denn auch etwas Negatives am trialen Studium? „Es gab am Anfang kleine Anlaufschwierigkeiten, da wir der erste Jahrgang in Hannover waren. Aber das ist nun nicht mehr der Fall“, so Mordfeld. Die Intensivphase hat im Juni begonnen und geht bis Ende September. Im Januar beginnt dann die Bachelor-Arbeitsphase. Ein weiterer Vorteil des Studiums: Man lernt viele Leute aus unterschiedlichen Bereichen des Handwerks kennen. „Wenn ich also mal ein neues Bad brauche, dann weiß ich, wen ich fragen kann“, sagt sie.

Das triale Studium würden beide unbedingt weiterempfehlen: „Man muss aber Lust darauf haben und sich bewusst sein, dass es auch mal anstrengender ist und man sich seine Zeit aufteilen muss“, so Mordfeld. Gleitz ergänzt: „Und man muss immer mit Fleiß dabei sein.“

Und wo sehen sich die beiden in zehn Jahren? Milena weiß das schon ganz genau: „Ich hoffe, dass ich dann im Betrieb meiner Eltern angekommen bin.“ Und auch Marcel hat große Pläne: „Ich würde gerne noch meinen Master machen und sehe mich dann im gehobenen Management.“

Info: Triales Studium

In dem trialen Studiengang „Handwerksmanagement“ werden Gesellenbrief, Bachelor-Abschluss und Meisterbrief in rund viereinhalb Jahren absolviert.
Voraussetzung für das Studium ist das Abitur oder die Fachhochschulreife. Die Bewerber werden in einem hochschuleigenen Auswahlverfahren ausgewählt. Allerdings ist das Studium nicht ganz günstig. Da es sich um eine private Hochschule handelt, fallen Studiengebühren in Höhe von 398 Euro im Monat an. Dazu kommen Kosten für Meistervorbereitungskurse. „Teilweise zahlen die Unternehmen die Gebühren. Das ist aber nicht immer der Fall“, erklärt Anika Sander, Organisatorische Leiterin der Fachhochschule. Es gibt auch die Möglichkeit der Finanzierung über einen Kfw-Studienkredit oder eine Ausbildungsbeihilfe.
Weitere Informationen zum trialen Studium finden sich im Internet unter www.fh-mittelstand.de

Das sagen die Expertinnen: Eine begehrte Kombination

Den Studiengang Handwerksmangement gibt es in Hannover an der Fachhochschule des Mittelstands seit 2014. „Ziel ist es, gut ausgebildete junge Menschen für das Handwerk zu finden“, erklärt Nadine Grün, Beauftragte für Handwerk und Hochschule der Handwerkskammer Hannover.

Das Studium ist in verschiedene Phasen unterteilt. „In der ersten Phase machen die Studenten ihre Ausbildung und haben parallel dazu Vorlesungen an der Hochschule und in Form von E-Learning-Einheiten“, erklärt Anika Sander, Organisatorische Leiterin der Fachhochschule. Diese Phase endet mit der Gesellenprüfung. Anschließend folgt der Bachelor-Abschluss. „Währenddessen steht es den Studierenden frei, bereits Teile des Meisters zu absolvieren oder diese nach der Bachelor-Prüfung zu machen“, so Grün.

In rund 80 handwerklichen Berufen kann der Ausbildungsabschluss gemacht werden. In der Fachhochschule kommen dann alle Studenten zusammen: „Dort haben sie betriebswirtschaftliche Fächer, wie zum Beispiel Rechnungswesen, Marketing und Wirtschaftsrecht."

Seit 2010 gibt es den Studiengang bereits am Standort  Köln, die  Absolventen dort sind gefragt.  „Sie werden sehr gerne genommen, weil sie die handwerkliche Basis mitbringen. Durch die Kombination mit dem Studium sind sie besonders begehrt“, weiß Grün.

Von Cecelia Fischer


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