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Meine Stadt Tragisches Leben sorgt für Bewährung
Hannover Meine Stadt Tragisches Leben sorgt für Bewährung
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14:09 07.12.2018
Symbolbild.
HANNOVER

Die dünnen Haare hat Ilona M. (53) zu einem Pferdeschwanz gebunden. Die Blondierung ist fast raus. Ihre Wangen sind eingefallen. Das Leben hat die Mutter einer Tochter (12) gezeichnet. Wieder mal sitzt sie vor Schöffenrichter Guido Janke. Und da Justitia wirklich blind ist, blieb Ilona M. am Freitag eine längere Gefängnisstrafe erspart.

Das hat sie einem guten Anwalt und ein bisschen Glück in ihrem tragischen Leben zu verdanken. Im Oktober 2017 hatte die Angeklagte in einer Physiotherapie-Praxis in Hannover eine Handtasche gestohlen. Darin befand sich auch eine EC-Karte und ein Notizbuch samt Pin-Nummer. Also hob sie sechs Mal innerhalb einer Woche Geld ab. Schaden: 3281 Euro. Ein typischer Fall von Beschaffungskriminalität. Der Gesetzgeber nennt das Diebstahl und Computerbetrug.

Eigentlich hätte die vielfach wegen Drogen- und Betrugsdelikten vorbestrafte einfahren müssen. Doch selbst der Staatsanwalt meinte: „Ich halte eine Bewährungsstrafe für angemessen, allerdings muss ich da beide Augen zudrücken.“ Anwalt Christoph Rautenstengel erwiderte: „Ich finde das gut, dass Sie da so sehen wie ich.“ Mit zugedrückten Augen sieht man besser. Richter Janke verurteilte die Frau zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Sie kündigt eine Therapie an

Darin ist auch eine noch nicht rechtskräftige Verurteilung von 15 Monaten auf Bewährung enthalten. Ilona M. war mal wieder mal mit Kokain aufgegriffen worden – in nicht geringer Menge. Die Gesamtstrafe ist ein Geschenk, aber dem tragischen Leben der Ilona M. geschuldet. Ein schwerer Verkehrsunfall machte sie zur Schmerzpatientin, zudem leidet sie unter schwerem Rheuma. Sie ist zu 80 Prozent schwer behindert und hat Pflegegrad II. Irgendwann ließ die Wirkung der schweren Medikamente nach. Sie griff zu illegalen Drogen. „Unter Kokain bin ich absolut schmerzfrei“, sagte sie im Amtsgericht. Vor Monaten habe sie nach der Einnahme eines Medikaments einen Atemstillstand gehabt, sei reanimiert worden, sagte ihr Anwalt.

„Ich will eine Therapie machen“, bekundete die Angeklagte. Einen Entgiftungsplatz habe sie bereits, danach schließe sich eine Psychotherapie in einer Tagesklinik an. Insofern gab ihr Richter Janke noch eine letzte Chance. Und Anwalt Rautenstengel zog die Berufung wegen der Drogen-Verurteilung zurück. Die Gesamtstrafe ist rechtskräftig.

Von Thomas Nagel

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