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© Jan Woitas

Verhnadlungen in Hotel

Toter Internet-Millionär hat Kreditbetrug 
in Hannover 
eingefädelt

Der in der vergangenen Woche bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Internetmillionär Thomas Wagner († 38), Chef des Internetkonzerns Unister (ab-in-den-urlaub.de, fluege.de) und sein Firmenmitgründer Oliver Schilling († 39) sind Opfer eines millionenschweren Betruges geworden – der offenbar in Hannover angebahnt worden war.

Hannover. Die Leipziger Manager wollten in Venedig frisches Geld für den angeschlagenen Online-Riesen besorgen. Wie E-Mails offenbaren, ging es um ein Kreditgeschäft, in das ein israelischer Diamantenhändler und mehrere Finanzvermittler involviert waren.

Mit eingefädelt wurde der Deal nach Informationen der „Leipziger Volkszeitung“ von Karsten-D. K., einem ehemaligen Bankfilialleiter aus Leipzig, der heute bei Hannover lebt. Am letzten Mittwoch im Juni hatte er sich laut „Spiegel online“ in einem hannoverschen Luxus-Hotel mit zwei Finanzvermittlern aus NRW sowie einem vierten Mann getroffen, um über Finanzhilfen für Unister zu beraten. Einer der Vermittler hatte Kontakt zu dem Israeli Levy V. in Venedig, der ein Darlehen über zehn Millionen Euro in Aussicht stellte.

Am Mittwoch vergangener Woche flogen Wagner und Kompagnon Schilling mit dem Finanzvermittler Heinz Horst B. nach Venedig. Doch statt wie vereinbart einen Koffer voller Schweizer Franken zu erhalten, fielen die Unister-Chefs auf Falschgeld herein. Der Israeli Levy V. übergab ihnen offenbar nur einen geringen Betrag mit sauberen Banknoten, darunter waren Blüten versteckt. Wagner hatte dem Israeli zuvor als Sicherheit eine Million Euro in bar übergeben.

Auf dem Rückflug stürzte ihr Flugzeug ab. Wagner, Schilling, der Vermittler und ihr Pilot starben. Auch der Ex-Banker aus dem Raum Hannover war in Venedig dabei gewesen. Er reiste jedoch mit dem Auto zurück. Inzwischen ist er auf Tauchstation.

Konstantin Korosides (42), der sechs Jahre lang als Unister-Sprecher an Wagners Seite gearbeitet hat, meint, es habe sich wohl um einen „geprüften, rechtlich ordentlichen Darlehensvertrag“ gehandelt, der jedoch „hochkriminell organisiert“ worden sei.

Ab in den Absturz – Wagners Finanzkrimi

Er wollte sein Lebenswerk retten. Internet-Millionär Thomas Wagner, finanziell und durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unter Druck, suchte eine starke
Finanzspritze für seine Reiseportale wie ab-in-den-urlaub.de und fluege.de*. Für einen Kredit – ausgehandelt in Hannover – flog der Leipziger nach Venedig
und wurde Opfer eines Millionenbetrugs. Er starb mit Begleitern und Pilot bei einem Absturz auf dem Rückflug. Seitdem rutscht sein Unister-Imperium in die Pleite.

Die Geschichte von Thomas Wagners letzter Reise liest sich wie ein Finanz-Thriller. Am Ende sind der Chef des Internet-Konzerns Unister (ab-in-den-urlaub.de, fluege.de) und drei weitere Männer tot, abgestürzt mit einem Kleinflugzeug vom Typ Piper PA-32R über den Wäldern Westsloweniens. Vertrauliche Dokumente, die der „Leipziger Volkszeitung“ vorliegen, offenbaren nun die mysteriösen Hintergründe der Venedig-Reise des Unister-Gründers. Im Mittelpunkt: ein millionenschweres Geldgeschäft mit einem israelischen Diamantenhändler und mehreren Finanzvermittlern.

Den Kreditdeal bahnt Wagner Ende Juni an. Hilfe bekommt der Geschäftsführer und Gründer des Internet-Riesen von einem ehemaligen Bankfi-lialleiter aus Leipzig, der heute in der Nähe von Hannover lebt. „Ich übersende Ihnen den besprochenen Mustervertrag, der maßgeblich wäre für eine Privatfinanzierung von bis zu 15 Millionen Euro an Sie“, schreibt Karsten-D. K. am 28. Juni per E-Mail an Wagner. Der 38-Jährige antwortet prompt. Keine Viertelstunde nach Eingang bittet er um ein Telefonat mit K. Am nächsten Tag folgt eine zweite E-Mail mit den Details über die Abwicklung, die an diesem Tag in einem hannoverschen Luxus-Hotel ausgehandelt wurde.

Beteiligt sein sollen als Vermittler neben K. ein Herr Sch. aus Unna und Heinz Horst B. (65) aus dem Sauerland, der später mit Wagner beim Absturz ums Leben kommt. Im Detail geht es um zehn Millionen Euro, wie aus den internen Papieren hervorgeht. Das Geld will der israelische Geschäftsmann Levy V. zur Verfügung stellen.

Zwischenhändler Sch. und der potenzielle Geldgeber aus dem Nahen Osten sollen sich seit 17 Jahren aus dem Diamantenhandel kennen. „Er hat immer gute Geschäfte mit ihm gemacht und hat auch nie Negatives über ihn gehört“, schreibt Karsten-D. K. an Wagner über die Erfahrungen von Sch. Im Internet sei über den Israeli nichts zu finden, was angesichts der Diskretion seiner Geschäfte nicht verwundere.

Wagner soll den Kredit in Schweizer Franken erhalten, das Geschäft in einem Hotel oder einer Kanzlei in Venedig abgewickelt werden. Voraussetzung: Der Unister-Chef bringt selbst einen mit einer Million Euro gefüllten Geldkoffer mit. Die Summe diene als Sicherheit. Damit solle im Wesentlichen eine Kreditausfallversicherung bezahlt werden. K. bietet zudem an, mit nach Venedig zu fahren. Er wolle die Abwicklung überwachen. Der ehemalige Banker drängelt: „Ab dem 20. Juli beginnen in Italien die großen Ferien, dann wird Herr V. – wie ich hörte – für zwei Monate abwesend sein.“

Wagner kommt ein schneller Vertragsabschluss gelegen. Die Eckdaten scheinen zu passen. Das Darlehen soll er innerhalb von zehn Jahren zurückzahlen. In den ersten beiden Jahren werden keine Zinsen fällig, danach 2,75 Prozent. In Venedig soll der Unister-Manager einen Geldkoffer mit 2,5 Millionen Euro in Schweizer Franken erhalten, der Rest von 7,5 Millionen Euro werde nach Geschäftsabschluss überwiesen. Eine halbe Million Schweizer Franken sollen K., Sch. und B. als Provision erhalten, fünf Prozent der Gesamtsumme.

Am Mittwoch vergangener Woche holen Heinz Horst B. sowie der Fluglehrer und Pilot Kurt E. (73) mit ihrem Kleinflugzeug Wagner und dessen Mitgesellschafter Oliver Schilling in Leipzig ab. Banker K. reist mit dem Auto in Venedig an. Was dort in einer Hotellobby genau abläuft, ist nicht erwiesen. Die wahrscheinlichste Variante: Wagner und Levy V. tauschen ihre Geldkoffer aus und besiegeln damit ihr Geschäft. Später wollen sie sich noch einmal in einer Bank treffen, Levy V. erscheint aber nicht.

Wagner und Schilling werden nun misstrauisch und untersuchen die Frankenscheine. Unter einer Lage sauberer Noten finden sie Falschgeld. Es ist der größere Teil des Betrages. Der Unister-Chef geht in Venedig zur Polizei und erstattet Anzeige.

Wegen der Verzögerungen können die vier Deutschen erst am nächsten Donnerstagmorgen wieder in Richtung Leipzig starten. Doch kurz hinter der italienisch-slowenischen Grenze gerät das Kleinflugzeug in Turbulenzen – vermutlich wegen Vereisung. Die Piper PA-32R verschwindet gegen 10.51 Uhr, etwa eine halbe Stunde nach dem Start, in einer Höhe von rund 3200 Metern vom Radar und stürzt in ein Waldgebiet. Die beiden Unister-Chefs, der Finanz-Vermittler B. und ihr Pilot sterben.

Nach dem Absturz wird nur ein Teil des Geldes aus Venedig – etwa 10 000 Franken – bei Wagner gefunden, laut Informationen der slowenischen Zeitung Primorske Novice in einem Rucksack. „Daneben verschiedene Dokumente, die belegen, dass der 38-Jährige in Italien um eine größere Summe Geld betrogen wurde”, bestätigte Dean Božnik, Sprecher der Polizei in Nova Goriza.

Von Matthias Roth
und Robert Nössler


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