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Meine Stadt Torso-Mörder scheitert vor Gericht
Hannover Meine Stadt Torso-Mörder scheitert vor Gericht
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15:09 21.08.2014
Ermittler suchten 2012 im Maschsee nach weiteren Leichenteilen im "Torso-Mord". Quelle: Elsner
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Karlsruhe/Hannover

Im Prozess um den grausigen Maschseemord bleibt der Justiz in Niedersachsen eine zweite Runde erspart. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe wies am Donnerstag die Eingaben der beiden Prozessparteien gegen das Urteil des Landgerichts Hannover zurück. Damit bleibt es beim Richterspruch von vor zehn Monaten. Der damals 25-Jährige muss nach einer Haft von zwölf Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden.

Der Täter hatte nach Überzeugung des Landgerichts eine Prostituierte erstochen, zerstückelt und in den Maschsee von Hannover geworfen. Wegen einer Persönlichkeitsstörung, Alkohol- und Drogenmissbrauchs wurde der Mann als erheblich vermindert schuldfähig eingestuft. Gegen das Urteil vom 23. Oktober 2013 hatten beide Seiten Revision eingelegt. Ihre Anwälte begründeten dies am Donnerstag vor dem 3. Strafsenat des BGH. In einem Revisionsverfahren geht es nur um die Prüfung, ob es in einer Urteilsfindung Rechtsfehler gegeben hat; der Fall selbst wird nur unter diesen Gesichtspunkten betrachtet. Die Verteidigung machte vor allem Verfahrensfehler im Prozess geltend. Die Staatsanwaltschaft hingegen bemängelte, dass das Landgericht Umstände, die auf eine höhere Schuld des Täters hindeuteten, nicht ausreichend berücksichtigt habe. So habe sich der Angeklagte nach der Bluttat noch an der Leiche vergangen und sie danach zerstückelt.

So kamen am Donnerstag in Karlsruhe noch einmal die Gewalt- und Tötungsfantasien des Mannes zur Sprache. Dieser hatte sein 44 Jahre altes Opfer nach Überzeugung der Hannoveraner Richter zufällig im Rotlichtviertel kennengelernt und im Herbst 2012 in seiner Wohnung erstochen. Danach zerstückelte er die aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen stammende Frau und warf sie in den Maschsee, der ein beliebtes Ausflugsziel in der Innenstadt von Hannover ist. Ein Spaziergänger hatte die Leichenteile entdeckt. Doch erst Wochen später kam die Polizei dem Täter auf die Spur: Zunächst gingen die Ermittler Bildern einer Überwachungskamera nach, auf denen eine 36-Jährige zu sehen war, die mit der EC-Karte der Toten Geld abhob. Zwei Wochen später wurde dann der Täter gefasst, der die 36-Jährige einige Monate zuvor kennengelernt hatte.

Im Verhör bei der Polizei stritt er die Tat zunächst ab, sprach darüber aber später mit einem Mitgefangenen während der Untersuchungshaft. Im Prozess beschuldigte er dann seine Freundin, nachdem diese zuvor Vorwürfe gegen den damals 25-Jährigen erhoben hatte. Zum Abschluss der Verhandlung in Hannover hatte die Verteidigung einen Freispruch aus Mangel an Beweisen, die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft wegen Mordes gefordert. Der Gang vor den BGH ist mit Kosten verbunden gewesen, die nun beide Seiten jeweils selbst tragen müssen.

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