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Top: Das Sprengel Museum am Maschsee ist ein Besuchermagnet.

Bilanz

Tops und Flops der Stadt-Kultur Hannover

Solide Besucherzahlen – aber nicht überall. Kulturdezernent Harald 
Härke hat die Bilanz der städtischen Kultureinrichtungen präsentiert und die Gründe für Gewinne und Verluste erklärt. Vera König berichtet.

Die Tops:

Hannover. Sprengel

„Rundum zufrieden“ ist Direktor Reinhard Spieler mit „seinem“ Sprengel Museum. Kein Wunder – die Besucherzahl ist von 108 124 auf 170 717 gestiegen, plus 58 Prozent. Mehr Gäste gab es in den zurückliegenden 15 Jahren nur zwei Mal: 2003 mit der Ausstellung „Klee im Norden“ und 2009 mit „Marc Macke Delauney“.
Das wachsende Interesse gilt vor allem dem Erweiterungsbau, den sich seit dem 18. September schon 91 500 Kulturinteressierte angeschaut haben. In der zweiten Jahreshälfte dürften die Zahlen noch mal deutlich in die Höhe schnellen, denn im Juni läuft die groß angelegte Sammlungspräsentation „130 Prozent Sprengel“ an. Für die, so kündigt Spieler an, werde bundesweit geworben. Die Ausstellungsräume im Altbau sind in der ersten Jahreshälfte geschlossen.

Freizeitheime

Freizeitheime, Kulturtreffs, Bürgerhäuser und Lernläden bilden die Infrastruktur des in den jeweiligen Stadtteilen Hannovers wichtigsten Kulturangebots. Die zehn städtischen und 13 mit einem Partner betriebenen Einrichtungen im Stadtgebiet haben im vergangenen Jahr 963 663 Menschen besucht. Das Gros (810 863) war bei der Stadt zu Gast. Die erheblich angestiegenen Zahlen (plus 65 622) begründet die Leiterin Sigrid Ortmann unter anderem auch mit den vielen Deutschkursen für Flüchtlinge, die dort laufen. Geplant ist für dieses Jahr eine Fortbildungsreihe für Kulturvereine. Außerdem steht auch noch ein Fachtag mit dem Thema „KulturMitWirkung“ am 12. April auf dem Programm.

August Kestner

Den Kostendeckungsgrad im August Kestner Museum macht Stadtkämmerer Marc Hansmann seit Jahren als Schwachstelle aus. Nur zwei Prozent der Ausgaben würden durch eigene Kraft gedeckt, rechnete er einst aus. Inzwischen dürfte sich das gebessert haben – ebenso wie das Interesse. 33 395 Menschen haben die Räume am Trammplatz besucht, 5763 mehr als im Jahr 2014. Härke meldet, die Attraktivität sei durch alternative Ausstellungskonzepte gestiegen – beispielsweise die Ausstellung „Macht und Ohnmacht“. Die diskutierte Verlegung des Eingangs zum Friedrichswall lehne er ab – „das bedeutet weniger Ausstellungsfläche“.

Kubus

9338 Besucher im Kubus – das ist eine leichte Steigerung. 2014 waren es 8650. „Erfreulich“, kommentiert das die Kulturverwaltung. Einen Beitrag hätten die Lunch-Konzerte geleistet, die mit einer Einführung zur jeweiligen Ausstellung verbunden sind. Für 2016 sind acht Ausstellungen geplant, die die ganze Bandbreite der städtischen Kunstszene spiegeln. Premiere war am vorigen Sonntag „Inge-Rose Lippok – Im Augenblick“ (läuft bis 7. Februar), eine Schau, die mit Lippoks Installationen aus zehn Jahren einen Erlebnisraum in der städtischen Galerie schafft.

Stadtarchiv

Immer mehr Menschen interessieren sich für die eigenen Wurzeln. Seitdem im Stadtarchiv Hannover die alten Standesamtunterlagen einzusehen sind, kommen Familienforscher in den Lesesaal – ebenso wie Erbenermittler. „Die Öffnungszeiten werden ausgedehnt“, verspricht die Stadt. Gezählt wurden 1668 Besucher (2014 waren es 1463), 8845 benutzte Archivalien (7233) sowie 1694 schriftliche Anfragen. Mit Vorträgen, Ausstellungen, aber auch Führungen hat das Team die Arbeit bekannter gemacht. Am 5. März ist ein Tag der Archive mit Einblick in die Restaurierungswerkstatt geplant, im Herbst die Präsentation der Stadtrechts-Urkunden.

Stadtbibliothek

Mehr Besucher, mehr Ausleihen – die Stadtbibliothek Hannover und die Stadtteilbüchereien sind auf Wachstumskurs. 1,55 Millionen Mal haben die Hannoveraner ihr Angebot genutzt (plus 0,7 Prozent), sich 4,27 Millionen Bücher, CDs oder DVDs ausgeliehen.
Neben dem klassischen Buchangebot wird im Sortiment das elektronische Angebot immer wichtiger. Über einen Online-Zugang lassen sich die E-Medien herunterladen und das Benutzerkonto von zu Hause verwalten. Seit November gibt es auch einen Musik-Streaming-Dienst. Ziel ist, alle Zweigstellen mit WLAN-Zugängen auszustatten.

Die Flops

Schlossmuseum

Ein Rückgang des Interesses wurde nach dem Eröffnungsjahr 2013 und der Ausstellung zur Personalunion 2014 erwartet. Aber 35,3 Prozent weniger? Die Besucherzahl ist von 96 579 auf 62 489 gesunken. Kulturdezernent Härke vermutet, dass sich nur wenige die Schlossräume ein zweites Mal ansehen. Er fordert Innovation und Interaktion. So müsse es möglich sein, sich drinnen einen Zeichenblock zu schnappen, wieder raus zu gehen und das Schloss zu zeichnen. 2016 sind Sonderausstellungen geplant, die Werbung soll verbessert werden. Zur Saisoneröffnung werden künstlerische Ostereier gezeigt.

Historisches Museum

25 Jahre ist die Dauerausstellung im Historischen Museum alt. „Veraltet“, kommentiert das Thomas Schwark. Für ihn ist das ein wesentlicher Grund am nachlassenden Interesse. Die Besucherzahl ist um fast 31 Prozent auf 54  337 gerutscht. Auch die Entscheidung, weniger Fremdveranstaltungen zu machen und in Arbeitsteilung mit dem Museum August Kestner nur zwei Ausstellung pro Jahr zu planen, wirke sich nicht positiv aus. Kulturdezernent Harald Härke rät dazu, unbekannte Schätze besser zu nutzen, nennt die Dachterrasse und den Innenhof. Für 2018 ist eine Neukonzeption in Sicht.

Kommunales Kino

Das Kinder- und Jugendfestival „Sehpferdchen“ bringt Zulauf – findet im Kommunalen Kino allerdings nur jedes zweites Jahr statt. Demzufolge ist die Besucherzahl nach unten gerutscht. Von 29 000 auf 26 596. Sorgen macht das nicht; für 2016 seien 30 000 Gäste möglich heißt es. Neben dem „Sehpferdchen“ sollen Filmformate wie „Soundtrax – Musik im Kino & Lounge“ neue Akzente setzen. Die Tonspur wird dabei Teil der filmischen Erzählung. Filme entfalten ihre Emotionen auf den Wellen des Sounds. Großes Handicap im Künstlerhaus: Kino-Brunch-Veranstaltungen fallen derzeit aus.

Ausgeglichen

Musikschule

Weniger Schüler, aber länger dauernde Kurse, mehr Teilnehmer an einmaligen Veranstaltungen, weniger Fluktuation: die Musikschule Hannover hat sich ein Stück weit neu aufgestellt. Leiterin Verena Tschira ist froh darüber. Gezählt wurden 4297 Schüler (minus 335) und 31 640 Tagesgäste (plus 5630). Für dieses Jahr geplant sind neue Angebote für Erwachsene und Angebote für Flüchtlinge. Am Tanzjahr in Hannover wird sich die Musikschule mit Projekten und Workshops beteiligen, außerdem bei den Oster-Tanztagen des Opernhauses und am Welt-Tanztag (29. April) im Kulturbüro mitmachen.


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Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok