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Meine Stadt Todesschüsse am Steintor: Polizei sucht "Glatzen-Holger"
Hannover Meine Stadt Todesschüsse am Steintor: Polizei sucht "Glatzen-Holger"
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12:40 06.07.2010
Polizeieinsatz am Steintor: Die Bar ist abgesperrt. Das kleine Foto zeigt den Hauptverdächtigen Holger B., im Milieu als "Glatzen-Holger" bekannt. Quelle: Elsner
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Mit zittrigen Händen zieht die Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt an ihrer Zigarette. Nervös läuft sie an der Münzstraße auf und ab, zuppelt an ihrem Jeans-Overall. „Der hat ihnen einfach in den Kopf geschossen. Ohne mit der Wimper zu zucken.“

Die Frau hat gestern in der Steintor-Gaststätte Columbus mit angesehen, wie Holger B. – hier nennen ihn alle nur „Glatzen-Holger“ – Francesco S. (47) und seinem Freund Guiseppe „Pippo“ L. (47) in den Kopf geschossen hat. Erst hätten die drei friedlich gefeiert, sogar gemeinsam gesungen. „Plötzlich stritten sie sich“, so die Frau. Es sei um Sterne gegangen: Eines der späteren Opfer trägt ein Trikot der italienischen Fußballnationalmannschaft, vier Sterne zieren seine Brust. Viermal hatte seine Heimat-Elf bislang den WM-Titel geholt. Und das wollte „Glatzen-Holger“ offensichtlich nicht wahr haben.

Mit der Ankündigung, Geld holen zu wollen, verlässt er das Lokal, zu dessen Klientel zwielichtige Nachtschwärmer, Trinker oder Obdachlose gehören. Wenig später kommt „Glatzen-Holger“ zurück. In seiner Hand: eine Pistole. „Kommt mit raus“, soll er gesagt haben. Offenbar erkennen die Italiener den Ernst der Lage, versuchen den 42-Jährigen zu beruhigen. Vergeblich: „Glatzen-Holger“ drückt ab, trifft einen der Männer in den Kopf. Blutüberströmt bricht er zusammen. „Sein Freund bettelte auf Knien um sein Leben“, so die Blondine. „Bitte erschieß mich nicht“, gibt die Zeugin seine letzten Worte wieder. Auch auf ihn richtet B. die Waffe – und drückt ab.

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Tödliche Schüsse am Steintor am Montagmorgen: Nach einem Streit um die Fußball-WM zog ein Deutscher eine Waffe, streckte zwei Italiener durch Kopfschüsse nieder. Einer starb.

Dann rennt er aus dem Columbus und schmeißt die Pistole weg. Ein Zeuge: „Der ist in Richtung Arbeitsamt abgehauen. Vollidiot.“ Wenige Augenblicke später rasen Polizeiautos sowie Rettungsfahrzeuge zum Steintor: Sanitäter transportieren die Schwerverletzten ab. Die Spurensicherung der Kripo riegelt das Columbus ab. Noch vor der Tür befragen Fahnder Zeugen.

Bald ist klar: „Glatzen-Holger“ ist der Täter. Offenbar war er tatsächlich wenige Minuten vor der Tat in einer Bank. Ein Beamter hält Überwachungsbilder aus dem Geldinstitut in der Hand – sie zeigen B. Mit dieser Vorlage fahnden Polizisten nach ihm. Möglicherweise wegen Mordes, denn: Francesco S. überlebt die Schüsse nicht, er stirbt im Krankenhaus.

Am Mittag im gegenüberliegenden Restaurant „Little Italy“: Die Bedienung weist Gäste, die Mittag essen wollen, ab: „Wir haben geschlossen.“ Francesco S. war hier als Pizzabäcker tätig, „ein beliebter und geselliger Mann“, beschreibt ihn Geschäftsführer Fabio. Das Team wolle Geld für die Familien der Opfer sammeln, sich möglicherweise auch um die Beerdigung kümmern. Francesco S. hinterlässt eine minderjährige Tochter, sein Freund „Pippo“, der im Restaurant „Mama Raffaele“ in Linden als Koch angestellt war, schwebt in Lebensgefahr – er hat einen erwachsenen Sohn und eine volljährige Tochter.

Steintor-Größe Frank Hanebuth ist auch da: „Das ist tragisch, kann aber überall passieren“, sagt er. Vor „Durchgeknallten“ könne man nirgends sicher sein. „Mit den Läden am Steintor hat diese Tat nichts zu tun.“

Hinweise an die Polizei unter der Telefonnummer 0511/109-5555.

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