Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Todesraser zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt
Hannover Meine Stadt Todesraser zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 12.04.2013
Unfallstelle: Das Fahrrad des getöteten Alexander. Quelle: Christian Elsner
Anzeige
Burgwedel

Die Eltern leiden still. Kein Vorwurf, kein einziger wütender Blick fiel gestern beim Prozess auf Adalbert G. (27), der am 8. August ihren Sohn Alexander (14) an der Landstraße vor der Rossmann-Zentrale in Burgwedel zu Tode fuhr. So blieb es auch, als Richter Wolfgang Geffers dem Angeklagten mörderische Fahrweise vorwarf, mit der er ein junges Leben ausgelöscht habe.

18 Monate Haft auf Bewährung wegen Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Tötung lautete das Urteil für den Mann, der Tempo 120 fuhr, wo nur 70 erlaubt sind, der trotz Überholverbots vor einer Verkehrsinsel überholte, vor einem anderen Fahrzeug nicht mehr bremsen konnte, die Kontrolle über seinen roten VW GTI verlor und den 14-Jährigen auf dem Radweg erfasste. Das Gericht entzog dem Fahrer für 16 Monate die Fahrerlaubnis und gab ihm auf, 2?000 Euro Geldbuße an den Kinderschutzbund zu zahlen.

Der schwerverletzte Alexander war drei Tage nach dem Unfall in der MHH gestorben. Sein ein Jahr älterer Bruder, der auch auf dem Radweg fuhr, erlebte alles mit. Er kämpfte gestern mit den Tränen. Staatsanwältin Samantha Zohri hatte nicht nur Adalbert G. angeklagt, sondern auch eine junge Frau (18), die kurz vor dem Unfall mit ihrem VW Lupo von der Rossmann-Zentrale nach links auf die Landstraße abgebogen war. Der Todesfahrer hatte nach dem Unfall angegeben, er habe dem Lupo ausweichen müssen, sei deshalb von der Fahrbahn abgekommen. Gegen die Mitarbeiterin der Drogeriekette, die den Unfall nach ihrer Aussage nicht mitbekommen hatte, wurde das Verfahren nach zwei Stunden eingestellt. Wenn G. vorschriftsmäßig 70 gefahren wäre, hätte er nicht einmal vor dem Lupo bremsen müssen, sagte ein DEKRA-Sachverständiger. Selbst bei fast Tempo 100 hätte er noch bremsen können. Er sei aber 120 bis 130 Stundenkilometer schnell gewesen. Unfallursache sei überhöhte Geschwindigkeit und der Versuch, noch rechts an dem Lupo vorbeizusteuern.

Der Fahrer räumte sein Fehlverhalten ein. Er habe einen Motorradfahrer noch vor der Verkehrsinsel überholen wollen, sagte er. Dieser Motorradfahrer erklärte gestern als Zeuge, schon vor dem Überholen habe der GTI-Fahrer hinter ihm gedrängelt und dann Gas gegeben, „so dass der Motor heulte.“

„Keine Strafe kann das Leid aufwiegen, dass ihnen zugefügt wurde, wandte sich die Staatsanwältin an die Familie des Opfers. Sie war mit Anwalt Matthias Waldraff Nebenkläger im Prozess. Der Fall dieses Verkehrsrowdys sei ein Beispiel für den „alltäglichen Wahnsinn auf den Straßen“, sagte Waldraff. Die Familie sei schwer getroffen und in psychotherapeutischer Behandlung.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige