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Meine Stadt Teure E-Autos als Dienstwagen der Ex-Üstra-Chefs
Hannover Meine Stadt Teure E-Autos als Dienstwagen der Ex-Üstra-Chefs
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17:55 02.03.2018
Die Ex-Üstra-Chefs Wilhelm Lindenberg (links) und André Neiß.
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Hannover

Auf seiner Facebook-Seite hat Ex-Üstra-Chef André Neiß „Forrest Gump“ und der Gruselthriller „Das Schweigen der Lämmer“ als Lieblingsfilme eingetragen. Sicher ein Horror für den Manager, dass ihm im Dezember 2017 vom Üstra-Gesellschafter, der Region Hannover, der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde, fristlos und ohne Abfindung. Doch ist er auch ein „Forrest Gump“? Das könnte man annehmen, schaut man auf die Dienstwagen-Posse.

Neiß und sein ebenfalls fristlos gekündigter Vorstandskollege, Wilhelm Lindenberg, sollen sich auch viel zu teure Gefährte geleistet haben. Beide fuhren einen Tesla. An sich ist es eine gute Idee für Manager im ÖPNV-Sektor, klimafreundlich unterwegs zu sein. Doch im Aufsichtsrat sorgten die teuren Wagen für dicke Luft.

„In den Verträgen mit den Üstra-Vorständen waren Dienstfahrzeuge der gehobenen Mittelklasse vereinbart“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Ulf-Birger Franz. Darunter seien zum Beispiel ein Audi A 6 oder ein 5er BMW zu verstehen. Die Leasing-Rate für solche Fahrzeuge liege bei etwa 600 Euro im Monat. Doch im Sommer 2017 bestellten sich Neiß und Lindenberg jeweils einen Tesla. Laut Franz lag die Leasing-Rate bei je 1800 Euro im Monat.

Nun gut, mag man denken, angesichts 1,85 Millionen Euro verloren gegangener Subvention für Hybrid-Busse fallen die Leasing-Raten kaum ins Gewicht (siehe Info). Aber es geht um fristlose Kündigungen und die daraus resultierenden rechtlichen Konsequenzen. Inwieweit die zu teuren Dienstwagen eine Kündigung rechtfertigen, wollte der Aufsichtsratsvorsitzende nicht sagen – mit Blick auf kommende Prozesse. Die NP fragte bei einem Arbeitsrechtler nach. Ergebnis: Aller Voraussicht nach handle es sich bei den Dienstwagen-Posse um eine „erhebliche Vertragsverletzung“.

Gegenüber der NP räumte Neiß ein, einen Tesla gefahren zu haben. Anscheinend hat er kein Problem damit: „Selbstverständlich werde ich gerichtlich gegen die Kündigung vorgehen.“ Der Gesellschafter lässt jetzt prüfen, ob man die Ex-Vorstände in die Haftung nehmen kann.

Wilhelm Lindenberg war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Thomas Nagel

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