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ISLAMISMUS

Terror: Meldete ihre Oma die junge Safia bei der Polizei?

Immer neue Details im Fall Safia S. Schon Monate, bevor die 15-Jährige einen Bundespolizisten (34) Ende Februar im Hauptbahnhof niedergestochen hat (NP berichtete), könnte es Anhaltspunkte für eine Radikalisierung der Gymnasiastin gegeben haben.

Hannover. Nach Informationen
der NP soll ihre Großmutter einen entsprechenden Hinweis an die
Polizei gegeben haben – im November 2015. Zudem wurden jetzt Einzelheiten bekannt, wie es S. Ende Januar geschafft hat, heimlich in die Türkei zu fliegen. Es besteht der Verdacht, dass sie von dort nach Syrien wollte, um sich der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen.

Es soll die Oma väterlicherseits gewesen sein, die sich vergangenen Herbst bei der Polizei gemeldet hat. Die Rentnerin will damals Veränderungen an der 15-Jährigen festgestellt haben. Vor allem soll es dabei um das äußerliche
 Erscheinungsbild von Safia ge-gangen sein, das die Großmutter beunruhigt habe und angeblich einen islamistischen Hintergrund vermuten ließ.

Was die Polizei mit dieser Information machte, ist bislang unklar. Gab es daraufhin eine Ansprache der 15-Jährigen? Schalteten die Ermittler etwa andere Behörden ein? Oder wurde die Beratungsstelle zur Prävention neosalafistischer Radikalisierung, kurz „beRATen“, informiert? Die Polizei äußert sich selbst nicht und verweist an die Staatsanwaltschaft, die wegen der Messerattacke im Bahnhof ein Verfahren gegen die Schülerin wegen Mordverdachts führt. Die Anklagebehörde prüft laut Sprecherin Kathrin Söfker noch, ob sie sich in dem Fall zum jetzigen Zeitpunkt zu Details äußern kann.

Neue Informationen gibt es inzwischen auch über die Türkei-Reise der 15-Jährigen. Demnach soll sie Ende Januar in ein hannoversches Reisebüro gegangen sein und problemlos einen Flug nach Istanbul gebucht haben. Am Morgen des 21. Januar soll sie da gewesen sein und am Nachmittag bereits in einer Maschine Richtung Bosporus gesessen haben. Im Reisebüro soll sie eine Kopie des Personalausweises ihres Vaters vorgelegt und behauptet haben, er sei mit dem Trip einverstanden. Nach NP-Informationen haben sich die Mitarbeiter aufgrund der Kürze der Zeit bis zum Abflug die Angaben vom Vater nicht bestätigen lassen. Weitere Kontrollmechanismen sollen in dem Fall ebenfalls außer Acht gelassen worden sein.

Bezahlt habe S. den Flug in bar. An das Geld soll sie durch den Verkauf eines Handys gekommen sein. In Istanbul mietete sich die Jugendliche angeblich auch problemlos in einem Hotel ein. Die Kaution zahlte sie ebenfalls bar. Nach zwei Tagen Aufenthalt habe die Mutter, die der Gymnasiastin hinterhergereist war, sie wieder nach Deutschland geholt.

Nach ihrer Rückkehr wurde die 15-Jährige zu ihrer Istanbul-Reise von der Polizei befragt. Die Mutter, die wenige Tage zuvor ihre Tochter als vermisst gemeldet und den Beamten erklärt hatte, sie vermute bei Safia eine Radikalisierung, habe plötzlich von einem IS-Hintergrund nichts mehr wissen wollen.

Die beiden Mobiltelefone, die die Jugendliche in der Türkei dabeigehabt hatte, wurden angeblich von der Polizei sichergestellt. Bislang soll aber nur eines ausgewertet worden sein. Beim zweiten Handy soll es Schwierigkeiten geben – möglicherweise technischer Natur. So soll es den Ermittlern bislang nicht möglich gewesen sein, den Sicherheitscode des Telefons zu knacken. Wissen die Behörden deshalb nur wenig über mögliche Verbindungen der 15-Jährigen in radikalislamische Kreise? Fragen über Fragen – und bislang nur wenige belastbare Antworten im Fall Safia S.

von Britta Mahrholz


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