Navigation:

Teresa Enke.© Team zur Nieden

|
NP-Interview

Teresa Enke: "Wir denken jeden Tag an Robert"

Im großen NP-Interview spricht Teresa Enke (39) offen über Robert Enke und deren gemeinsame Adoptivtochter Leila (6). Teresa Enke wohnt mit Leila in Köln.

Das Thema unserer Serie heißt „Was bleibt?“. Ich frage Sie jetzt einfach mal: Was ist? Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut. Leila ist gerade in die Schule gekommen. Das ist ein neuer, aufregender Abschnitt. Aber ich merke schon, dass ich nicht mehr so flexibel bin, auch für Stiftungsarbeit. Aber wir haben einen guten Alltag, machen zusammen Hausaufgaben. Wir leben gut und sind als Familie sehr glücklich.

Spricht Leila über ihren Vater Robert Enke?

Leila spricht ganz oft über Robert und über ihre Schwester Lara. Lehrer oder Erzieher kamen auch schon bedröppelt zu mir und sagten: Leila hat erzählt, dass ihr Papa gestorben ist. Ich sage dann, dass man da offen mit umgehen kann. Sie weiß nicht, woran, aber sie weiß, dass er gestorben ist. Die gemeinsamen Bilder von uns hängen hier auch in der Wohnung. Leila malt auch öfter etwas für Lara.

Sie waren mit ihr am Grab?

Ganz oft. Sie sagt dann immer: Komm, wir besuchen Papa und Lara am Grab. Dann schreibt sie etwas auf das Herz und malt dort etwas. Damit ist sie leider auch aufgewachsen. Der Friedhof ist für sie nichts Befremdliches. Auch wenn Leila mal weint, sage ich ihr, dass es den beiden gut geht, dass beide jetzt glücklich sind. Das nimmt sie ganz gut auf.

Geblieben ist von Ihnen das Bild der starken Frau, die vor einem schwarzen Hintergrund auf einer Pressekonferenz erklärt, dass ihr Mann an Depression erkrankt und das der Grund für seinen Tod war. Erkennen Sie sich in dem Bild der starken Frau wieder?

Ich denke schon, dass ich eine starke Frau bin. Sonst hätte ich das alles nicht überstehen können. Aber hinter verschlossenen Türen war von der Stärke manchmal nicht allzu viel übrig. Im Großen und Ganzen habe ich das ganz gut gemeistert, mit der Unterstützung der Familie und Freunde. Aber eine gewisse Stärke gehörte bestimmt dazu.

Wie stark ist die Robert-Enke-Stiftung geworden und was hat sie als Erbe von Robert Enke bewirkt?

Die Stiftung hat vor allem die Stigmata aufgelöst und die Enttabuisierung vorangebracht. Man spricht offener über Schwächen und die Krankheit Depression. Eine Studie belegt, dass sich die Menschen seit dem November 2009 eher öffnen und Psychologen mehr Zulauf haben. Das Thema ist gesellschaftsfähiger geworden. Es gibt Sportler, die sich geöffnet haben und wieder zurückgekehrt sind, wie Markus Miller (96-Torwart bis 2014). Was mich freut, ist, dass diese Sportler an die Öffentlichkeit gegangen sind und gesagt haben: Ja, ich hab das! Es wurde nicht so ein Wirbel darum gemacht wie Robert es damals befürchtete. Robert dachte, es würde einen Riesenhype darum geben mit der Überschrift: Ein Torwart darf keine Depression haben. Da hat sich viel getan. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns.

Es gab viele Reden, von Theo Zwanziger oder Margot Käßmann. Was ist von den Appellen von damals geblieben?

Im Fußball hat sich viel verändert, was das Thema Depression in den Vereinen angeht. In der Öffentlichkeit gibt es oft die Meinung, im Fußball habe sich nichts verändert. Aber wir wollen den Fußball auch nicht verändern. Es geht um Leistungssport und viel Geld. Aber wir wollen, dass sich Vereine und Trainer öffnen, wenn jemand ein Problem hat. Wir möchten, dass dem Sportler geholfen wird. Wir möchten nicht, dass ihm gesagt wird: Wenn du aufgehört hast zu spinnen, dann kannst du wiederkommen. Dass man ein offenes Ohr hat, das wollen wir erreichen und das haben wir auch erreicht.

Hat Hannover 96 das gut hinbekommen?

Sie gehen damit sehr gut um. Das ist der Verein, der das aufgrund der Vergangenheit am besten umsetzt. Aber auch in anderen Verein wird unsere Hilfe in Anspruch genommen. Wir sind da gut vernetzt. Ich bin auch sicher: Auch wenn Robert sich geöffnet hätte damals, wäre Hannover 96 gut damit umgegangen. Das glaube ich zu wissen.

Sind alte 96-Freunde geblieben?

Jörg Schmadtke gratuliert mir regelmäßig zum Geburtstag, darüber freue ich mich. Alte Freunde sind geblieben: Hanno Balitsch zum Beispiel, Altin Lala oder Steven Cherundolo, da gibt es noch Kontakt.

Robert Enkes Biograph Ronald Reng hat vor kurzem in dieser Zeitung kommentiert, dass Enkes Name missbraucht wird. Und zwar immer, wenn es den Reflex gibt: „Ihr habt nichts aus dem Fall Robert Enke gelernt.“ Wie sehen Sie das?

Ich mag das auch nicht. Ich finde es unangebracht, Roberts Tod auf andere Dinge zu übertragen. Da hat Ronni recht. Roberts Tod hat viel verändert, aber man darf das Krankheitsbild und den Tod nicht auf alles anwenden. Das liest sich natürlich schön und es hat eine gewisse Tragik. Das lässt die Leute aufhorchen. Aber so etwas wollen wir nicht und das hätte Robert auch nicht gewollt. Depression ist eine Krankheit, die nichts zu tun hat mit unfairem Spiel oder Homosexualität.

Wie gedenken Sie Robert Enke. Was bleibt bei Ihnen?

Es bleibt, dass ich mit einem wundervollen Menschen verheiratet war, der mich viel gelehrt hat an Demut, Großzügigkeit und Nächstenliebe. Er war ein wundervoller Vater, der in unserem Leben immer integriert ist. Robert ist immer da. Es ist natürlich nicht so, dass ich jede Sekunde an ihn denke. Dann würde ich meinen Alltag nicht bewältigen. Aber wir denken jeden Tag mindestens einmal an ihn, ich allein oder mit Leila. Ich weiß, was er denken würde, ich weiß, was er gesagt hätte. Viele fragen mich, ob ich wütend bin oder Groll hege. Das tue ich nicht. Ich weiß, er ist gegangen, weil er krank war. Er hat uns geliebt und er hätte das nie gemacht, wenn diese Krankheit nicht so übermächtig gewesen wäre.

Wie sollte man Robert gedenken?

Man sollte ihn als Menschen sehen. Oft ist es bei Profis so: Erst sieht man den Fußballer und dann den Menschen. Für ihn war das so: Mensch, Familienvater, Ehemann und irgendwann Fußballer. Nächstenliebe und Empathie haben ihn ausgezeichnet.

Wie wird es in der Zukunft sein mit dem Bild von Robert Enke? Was wird?

Das ist auch das Schwierige bei Angehörigen, dass man das Gefühl hat, es wird weniger. Aber Robert hat immer noch eine wahnsinnige Präsenz. Aber es wird weniger werden. Die Kinder kennen ihn heute schon nicht mehr so. Es ist meine und unsere Aufgabe, dass die Stiftung vor allem weiterlebt. Aber auch die Erinnerung an ihn als Person wird weiterleben, nur nicht mehr mit der Intensität, wie es mal war. Menschen sind Gott sei Dank so geraten, auch wenn es mal schmerzhaft ist. Erst trauert man, aber irgendwann wird es weniger. Damit muss man zurechtkommen. Ich habe großes Glück, dass Robert so viele Menschen berührt hat und dass es jetzt nicht so schnell passiert. Es wäre traurig, wenn man nicht mehr wüsste, was für ein toller Mensch er war.

Reden Sie gerne über Robert?

Ja. Das tue ich. Ich bin stolz darauf, was wir erreicht haben, auch mit der Stiftung. Ich hätte es manchmal gerne nicht erreicht. Dann wäre er noch da. Aber das ist jetzt so. So kann ich etwas tun mit der Stiftung, das hätte Robert auch gefallen. Ich kann gut darüber reden und deshalb ist es auch gut für Leila, darüber zu sprechen. Leila sagt immer: Papa war der beste Torwart der Welt.

Da hat Leila recht.

Ich berichtige sie da und sage: Papa hat auch ein paar Bälle reingelassen. Aber solche Gespräche sind sehr schön. Ich denke, wenn sie älter wird, wird sie sich noch einmal anders mit dem Thema beschäftigen.


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok