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Meine Stadt Telekom muss Werbung in Hannover entfernen
Hannover Meine Stadt Telekom muss Werbung in Hannover entfernen
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00:16 08.06.2017
NICHT ERLAUBT: Werbung auf Steinblock am Opernhaus.  Quelle: Foto: Florian Petrow
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HANNOVER

Das scheint erstmal eine clevere Idee der Werbebranche zu sein: Einfach einen Stein oder eine Wand im öffentlichen Raum als Werbefläche nutzen, indem man schlicht per Schablone die entscheidenden Stellen vom Dreck säubert und - während drumrum der Dreck bleibt - so die eigene Botschaft, den gewünschten Werbespruch sichtbar macht (Streetbranding mit Reverse Graffiti, siehe Info).

In Hannover hat das jetzt die Telekom - oder eine in ihrem Auftrag arbeitende Agentur - an zentraler Stelle probiert: Mitten in der Stadt, direkt neben dem Opernhaus etwa, prangt jetzt ein Werbespruch für eines ihrer Mobilfunkprodukte auf einem großen Stein – der saubere Schriftzug sticht geradezu ins Auge. Auf Nachfrage erklärt die Stadtverwaltung: Das ist nicht genehmigt, es wurde auch kein entsprechende Genehmigung beantragt – und das würde erstmal nicht genehmigt werden, weil die Stadt für den öffentlichen Raum mit dem Unternehmen Deutsche Städte-Medien (DSM) der Ströer-Gruppe zusammenarbeite.

Aus Stadtsicht stellt diese Werbung eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet werden könne. Nachdem man von der NP von der Sache erfahren habe, sei die Telekom laut Stadtsprecher Alexis Demos aufgefordert worden, die Werbung „unverzüglich entfernen zu lassen“. Durch die Methode mit dem Wasserstrahl werde wohl mutmaßlich kein Eigentum beschädigt, gesteht die Stadt zu. Auch handele es sich nicht um verbotenes „Bemalen, Beschmieren oder Bekleben städtischen Eigentums“, doch sei es eine „Form von Zweckentfremdung“ des öffentlichen Raums, für die es einer Genehmigung bedürfe.

Ob es bei einer Verwarnung bleibe oder zu einer Buße komme, hänge davon ab „wie die Telekom unserer Aufforderung nachkommt“. Also wenn der Telekommunikations-Konzern den ganzen Stein reinigt – und weil er sonst herausstechen würde auch noch die benachbarten – hätte man im Rathaus wohl nichts dagegen. Auf jeden Fall wolle man sich „den Zustand jetzt und das Ergebnis genau anschauen“. Die zeitgleich von der NP angefragte Telekom hatte sich bis Reaktionsschluss nicht geäußert.

Streetbranding

Die Fachbegriffe im Zusammenhang mit dem geschilderten Fall lauten: Streetbranding (wegen der Ähnlichkeit derartiger Schriftbilder mit Brandzeichen für Tiere) und Reverse Graffiti (umgekehrtes Graffiti).

Mit einem Hochdruck-Wasserstrahl wird die Botschaft oder das Bild mittels Schablone auf dem gewählten Untergrund erzeugt – indem dort Dreck weggespült wird. Es gibt längst Werbeagenturen, die das professionell für Marketingzwecke („Guerilla Marketing“, also abseits des Gewohnten) anbieten und behaupten: Nicht strafbar, weil nichts beschädigt wird und die Botschaft nicht auf Dauer, sondern vielleicht ein nur paar Wochen oder Monate bleibt, dabei langsam „verblasst“ (eher: verdreckt). Zudem sei es „umweltfreundlich und genehmigungsfrei“, man müsse nicht aufwendig und kostenpflichtig eine Genehmigung bei Behörden einholen.
 

Von Ralph Hübner

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