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Taxis warten in Hannover.© Dröse

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Verkehr

Taxis teurer: Parteien treten auf die Tarif-Bremse

Zum 1. Januar wünscht sich Hannovers Taxigewerbe höhere Preise - schon jetzt zeichnet sich in der Ratspolitik ab, dass die Vorschläge teilweise durchfallen dürften. Der Aufschlag von 20 bis 25 Prozent soll auch mit einem neuen Zeitfaktor erreicht werden.

Hannover. Details sind noch unklar, eine Fahrt im Berufsverkehr wäre dann aber künftig teurer als dieselbe Strecke an einem ruhigen Nachmittag. Ralf Borchers, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion: „Das lehne ich ab, für den Fahrgast geht die Kalkulierbarkeit so völlig verloren.“ Außerdem müsse das Gewerbe ausführlich darstellen, welche Auswirkungen der neue Mindestlohn tatsächlich habe, bevor über eine Erhöhung beschlossen werde.

Die Finanzexpertin der Grünen, Renee Steinhoff, erteilte der Forderung nach einem Zeitfaktor ebenfalls eine Abfuhr. Der Kunde könne das nicht nachvollziehen. Außerdem verstehe sie die inhaltliche Verknüpfung mit dem Mindestlohn nicht: „Das ist nicht in Ordnung.“ Steinhoff sagte aber auch, die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro im Taxigewerbe sei korrekt: „Wenn deshalb die Preise steigen, dann ist das richtig.“

Auch Jens Seidel, Fraktionschef der CDU, sieht es kritisch, für dieselbe Strecke unterschiedliche Preise zu nehmen. Die Forderung von 20 bis 25 Prozent mehr könne die Politik nicht hinnehmen: „Es ist schwierig, diese Zahlen den Hannoveranern zu vermitteln.“ Eine solche Erhöhung „macht mir auch Sorge für den Messestandort Hannover“, sagte Seidel mit Blick auf auswärtige Gäste. Unabhängig von der Frage der Taxipreise müsse die Stadt aber endlich darangehen, die Ampelschaltungen auf Hauptverkehrsstraßen zu verbessern.

„Gaga“ nannte FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke den Vorschlag, einen Zeitfaktor beim Preis zu berücksichtigen: „Davon halte ich gar nichts. Der Kunde muss sich vorher ungefähr ausrechnen können, welche Kosten auf ihn zukommen, so kann er das nicht kalkulieren.“ Er habe auch wegen der gestiegenen Energiepreise Verständnis für eine Erhöhung, „aber nicht für solche Spielereien“.

Bei einer NP-Umfrage vorm Hauptbahnhof hatten am Dienstag auch Kunden und Fahrer skeptisch auf einen Zeitfaktor reagiert.

Der Vorsitzende des Allgemeinen Taxifahrervereins Hannover, Peter Größer, übte gestern deutliche Kritik an den Taxenunternehmern. Die Einführung des Mindestlohns sei seit Jahren bekannt, das Gewebe wisse, dass zu viele Wagen in Hannover unterwegs seien, reagiert worden sei aber nicht: „Es wäre genug Zeit gewesen, mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag abzuschließen oder die Zahl der Wagen zu verringern. Die Probleme, die jetzt da sind, haben sich Unternehmer zum großen Teil selbst eingebrockt.“ Größer bemängelt aber auch, dass Stadt und Region den Überkapazitäten seit Jahren tatenlos zusehen würden.

In Hannover gibt es laut Landeshauptstadt derzeit Taxikonzessionen für 647 Wagen. Ob die Politik wirklich zum 1. Januar neue Preise beschließt, scheint fraglich. Vom Zeitablauf der Beratungen her wäre dies nur möglich, wenn es keine Verzögerungen gibt. Bislang haben sich die Verfahren aber stets länger hingezogen.


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