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Der dreijährige Paul hält am 06.06.2015 im Rahmen des Tages der Organspende in Hannover (Niedersachsen) ein Schild mit einer Drei, um zu zeigen, dass er schon drei Jahre mit einer Spenderleber lebt.

Der dreijährige Paul hält am 06.06.2015 im Rahmen des Tages der Organspende in Hannover (Niedersachsen) ein Schild mit einer Drei, um zu zeigen, dass er schon drei Jahre mit einer Spenderleber lebt.© Julian Stratenschulte / dpa

Gesundheit

Tag der Organspende: Angehörige mit Organspendeausweis entlasten

Die zentrale bundesweite Veranstaltung zum Tag der Organspende hat am Sonnabend mehrere Zehntausend Interessierte an den hannoverschen Kröpcke gelockt.

Hannover. Wenn ein Mensch stirbt, ist das für die Verwandten eine große Belastung. Sollen sie dann noch über eine Organspende entscheiden, sind viele heillos überfordert. Das kann man leicht verhindern. Die eigene Haltung zum Thema Organspende sollte man möglichst schriftlich festhalten. Dazu haben Politiker, Verbände und Prominente am Sonnabend in Hannover aufgerufen. Dort fand die zentrale Veranstaltung zum Tag der Organspende statt.

Der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zufolge waren Zehntausende Besucher zu Informationsständen und einem Bühnenprogramm in die Innenstadt gekommen. Auch Stars wie der Liedermacher Heinz Rudolf Kunze gaben am Kröpcke ein Gratiskonzert. Zudem waren Organempfänger dazu aufgerufen, sich auf der Bühne für die "geschenkten Jahre" zu bedanken. Die Zeit nach den Transplantationen habe zusammengezählt rund 642 Lebensjahre ergeben, sagte eine Sprecherin.

"Man sollte auch immer bedenken, dass man auch Angehörige entlastet", sagte Axel Rahmel, der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende (DSO). Ohne schriftliche Erklärung - beispielsweise auf einem Organspendeausweis - seien trauernde Verwandte nach dem Tod eines Menschen auch noch damit konfrontiert, ob Organe gespendet werden sollen. Rahmel wies darauf hin, dass sich unsichere Angehörige meist gegen eine Organspende entscheiden. Aber auch ein klares "Nein" zur Organspende sollte festgehalten werden.

Es sei wichtig, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, sagte die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Jeder Mensch könne ohne jede Vorwarnung schwer erkranken und auf ein überlebenswichtiges Spenderorgan angewiesen sein. Sie forderte die Menschen auf, sich einen Ausweis zu holen. "Schaffen Sie damit Klarheit für Ihre Angehörigen und für das medizinische Personal", sagte die Politikerin. In dem Ausweis könne zudem genau festgelegt werden, welche Organe gespendet werden sollten. In neun von zehn Fällen entschieden die Angehörigen über eine Organspende, weil die Verstorbenen ihre Entscheidung nicht mitgeteilt oder dokumentiert hätten.

Bei einem ökumenischen Dankgottesdienst in der Marktkirche rief die evangelische Regionalbischöfin Ingrid Spieckermann in ihrer Predigt dazu auf, sich gut informiert mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zwar sei die Zahl der Organspender wieder leicht gestiegen, dennoch warteten 944 Menschen allein in Niedersachsen auf ein Spenderorgan. Mit dem Thema seien oft mühsame Wege verbunden, die voller Ungewissheit, mit viel Mut und vielen Fragen gegangen würden.

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hatten 35 Prozent der Befragten zuletzt einen Organspendeausweis. 2013 waren es noch 28 Prozent. 80 Prozent der Befragten stehen einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber.

Nach Manipulationen an Wartelisten wie etwa 2012 in Göttingen war die Spendenbereitschaft deutlich zurückgegangen. In den ersten fünf Monaten 2015 war die Zahl der Organspender erstmals seit Jahren wieder gestiegen - bundesweit um fünf Prozent auf 375 (ohne Lebendspender). "Diese Zahlen bedeuten für die Menschen auf der Warteliste eine vorsichtige Hoffnung", sagte Rahmel.

Allerdings sei es noch zu früh, von einer "echten Trendwende" zu sprechen, mahnte Rahmel. Die Spenderzahlen seien schon immer von erheblichen monatlichen Schwankungen bestimmt. Mehr als 10.000 schwer kranke Menschen in Deutschland warten auf eine Transplantation, die meisten von ihnen auf eine neue Niere. In Niedersachsen warten 944 Menschen auf ein Spenderorgan.

"Niemand kann zufrieden sein", sagte Rahmel. Überall auf der Welt gebe es zu wenig Spenderorgane. "In Deutschland ist es natürlich eklatant." Mit einer Spende könne man bis zu sieben Menschen das Leben retten. "Was für eine unglaubliche Möglichkeit."

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 3000 Menschen in Deutschland durch Organspenden gerettet. Unter dem Motto "Richtig. Wichtig. Lebenswichtig." soll der bundesweite Tag der Organspende daran erinnern, dass es aber immer noch zu wenige Spender gibt.

Der "Tag der Organspende" findet jedes Jahr am ersten Sonnabend im Juni statt. Seit 2008 gibt es dazu zentrale Veranstaltungen in wechselnden Städten. Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte, dass die Veranstalter des Aktionstags nicht bereit seien, Probleme offen zu diskutieren und Lösungen anzubieten. Zuviel liege im Transplantationssystem noch im Argen. "Die Feststellung des Hirntodes macht in der Praxis immer wieder Probleme." Auch fehle ein Rechtsschutz für die Schwerkranken auf der Warteliste.

dpa


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