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Meine Stadt Szenen einer gescheiterten Ehe
Hannover Meine Stadt Szenen einer gescheiterten Ehe
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00:17 30.03.2015
Doris Schröder-Köpf mit Gerhard Schröder - ein Bild aus 2009.
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Hannover

Es hätte so schön sein können. Wie an jenem Abend im Februar dieses Jahres, als im Herrenhäuser Schloss der Niedersächsische Staatspreis verliehen wurde. An Hannovers international renommierten Mädchenchor und die weltberühmte Rockband Scorpions. Heimlicher Star der feierlichen Preisverleihung aber war Gerhard Schröder. Der Altkanzler der Bundesrepublik Deutschland hielt in seiner Heimatstadt die Laudatio auf die verdienten Musiker. Und er lief dabei als Redner zu Höchstform auf. Witzig, ironisch, geistreich, rhetorisch brillant und ganz Elder Statesman - so begeisterte er sein Publikum. Ministerpräsident Stephan Weil freute sich als Gastgeber, einen Laudator mit der nötigen „Kragenweite“ für die Veranstaltung gefunden zu haben. Die anwesende Lokalprominenz sonnte sich im Glanz des berühmtesten Bürgers der Stadt. Und ganz vorne in der ersten Reihe saß Doris Schröder-Köpf und applaudierte ihrem Mann.

Sie haben an diesem Abend sogar noch für die Fotografen posiert, die Schröders. Er - ein trotz seiner bald 71 Lebensjahre immer noch attraktiver Mann, der seine grauen Haare akzeptiert. Sie - blond, Anfang fünfzig und von immer noch jugendlicher Zierlichkeit. Beide lächeln in die Kamera und demonstrieren Zweisamkeit, obwohl ihre Ehe wohl auch zu diesem Zeitpunkt schon in einer schweren Krise steckt. Längst waren gemeinsame Auftritte die Ausnahme geworden. Und die Momente, da Doris Schröder-Köpf ihrem Mann bedingungslos Beifall zollte, waren noch seltener geworden.

Dabei war es am Anfang so schön gewesen. Im Januar 1996 hatte der damalige Ministerpräsident die junge „Focus“-Redakteurin kennengelernt. Bilder von einer norwegischen Bohrinsel sind unvergessen. Er ein vitaler Machertyp im besten Alter, sie jung, verliebt und offensichtlich fasziniert von der Aura dieses Mannes. Schröder trennte sich damals abrupt von seiner dritten Ehefrau Hiltrud, zog für längere Zeit bei seinem früheren Freund Götz von Fromberg ein und durfte wieder Currywurst essen, so viel er wollte.

Was folgte, steht zu großen Teilen in den Geschichtsbüchern. Ein Jahr nach der Hochzeit mit Doris Köpf wurde Gerhard Schröder zum Kanzler gewählt. Von 1998 bis 2005 regierte er, bescherte Deutschland mit der Agenda 2010 die wichtigste Sozialreform der vergangenen Jahrzehnte und hatte während dieser Zeit mit seiner klugen Ehefrau stets eine wichtige Beraterin an seiner Seite.

„Doris hat gesacht“, war das geflügelte Wort während der rot-grünen Regierungszeit. Und angeblich hat Doris sogar der Agenda 2010 ihren Namen verliehen.

Schon damals war offenkundig, dass sich die gelernte Journalistin Schröder-Köpf nicht dauerhaft mit der Rolle als Frau eines starken Mannes zufriedengeben wollte. Sie mischte sich ein und wurde letztlich zum weiblichen Korrektiv eines Kanzlers, der Frauen- und Familienpolitik in seiner Anfangszeit schon mal als „Gedöns“ abtat.

Anfangs, so darf man getrost unterstellen, hat Gerhard Schröder seine Doris als selbstbewusste und kritische Partnerin durchaus genossen. Was schert es einen Weltenlenker, wenn es zu Hause auch mal Feuer gibt? Aber irgendwann muss die Stimmung im Hause Schröder dann doch gekippt sein.

Vielleicht, weil sie ein paar seiner alten Kumpel sehr kritisch bewertete. Vielleicht auch, weil sie einen ziemlich strengen Verhaltenskodex von ihrem Gerd einforderte. Verspätete Heimkehr unter erhöhtem Alkoholeinfluss, erzählen Insider, war dabei nur sehr begrenzt toleriert. Entscheidend für die allmähliche Entfremdung aber dürfte gewesen sein, dass sich die Rollenverteilung bei den Schröders irgendwann komplett änderte.

Er zog sich erst aus der Politik und dann zu großen Teilen auch aus der Öffentlichkeit zurück. Sie drängte ihrerseits auf eine eigene politische Karriere und zog 2013 in den niedersächsischen Landtag ein. Spätestens danach durfte man sich fragen, ob Gerhard Schröder in dem gediegenen Haus in Waldhausen wirklich immer glücklich war.

„Mein Mann erledigt jetzt viel von dem, was ich früher gemacht habe - Hausaufgaben betreuen, Transportdienste für die Kinder, Gassi gehen mit Holly“, erzählte Schröder-Köpf über den neuen Alltag der gemeinsamen Ehe in einem Interview. Tatsächlich versuchte sich Schröder redlich in der Rolle des Hausmanns. Er betreute die beiden adoptierten Kinder, drehte beim Schulfest als guter Vater die Bratwürste am Grill und ging auch gern mal mit dem Hund Gassi. Vor allem, wenn es auf der Runde auch noch ein Getränk gab.

Aber jeder, der ihn dabei sah, spürte, wie Schröder mit diesem Leben fremdelte.

Hausmann statt Elder Statesman? Da war ein politischer Star, der eben noch die ganz große Weltbühne beherrschte, offensichtlich im falschen Film gelandet. Und die Frau, die einst stolz zu ihm aufsah, hatte sich längst auf den Weg gemacht, ihr eigenes Leben zu gestalten.

Irgendwo auf diesem Weg müssen sich die Schröders aus den Augen verloren haben. Er wird dem Vernehmen nach demnächst eine eigene Wohnung im Osten Hannovers beziehen. Sie bleibt in Waldhausen. Und vielleicht findet er dann bei aller Tragik dieser gescheiterten Beziehung wenigstens einen Trost darin, dass Trennung auch eine Befreiung sein kann.

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