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Meine Stadt Südlink-Trasse soll westlich an Hannover vorbeiführen
Hannover Meine Stadt Südlink-Trasse soll westlich an Hannover vorbeiführen
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16:56 21.02.2019
In diesen Rohren sollen Erdkabel verlegt werden. Quelle: dpa
Hannover

Der voraussichtliche Verlauf der Stromtrasse Suedlink wird konkreter und soll in Niedersachsen westlich an Hannover, Hildesheim und Göttingen vorbeiführen. Für die geplante „Stromautobahn“ nach Süddeutschland waren zuletzt für die Region zwei Trassenkorridore des sogenannten „Südlinks“ in der Diskussion: Einerseits die nun von den Netzbetreibern „Tennet“ und „Transnet BW“ bevorzugte Westvariante von Neustadt über Garbsen, Seelze, Gehrden, Ronnenberg und Wennigsen bis Springe. Andererseits die nun von den Unternehmen quasi verworfene,  über Burgdorfer und Uetzer Gebiet laufende Ostversion.

Die über 700 Kilometer lange Stromleitung soll Windstrom vom Norden in die Industriezentren im Süden bringen. Tennet und Transnet BW haben ihren favorisierten Trassenverlauf am Donnerstag vorgestellt. In den nächsten Wochen sollen die Bürger vor Ort über die Gründe der Streckenwahl informiert werden. Die Planungen sollen 2021 beendet sein, als Bauzeit sind die Jahre bis 2025 vorgesehen – das wird wohl nur gelingen, wenn es keine Verzögerung etwa durch Klagen geben wird.

Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens erklärt, dass die West-Trasse erst durch aufwändige Untersuchungen zum Favoriten geworden sei: „Das ist jetzt unser Vorzugskorridor, weil er aus unserer Sicht für Mensch und Umwelt am geeignetsten ist“. Dennoch ist die Ost-Trasse nicht völlig außen vor: Auch sie werde der Bundesnetzagentur vorgelegt – und die entscheidet am Ende, welche Trasse sie für die geeignetste hält.

Die Netzbetreiber hatten 2017 ihre möglichen Korridore - rund 2000 Kilometer - vorgestellt und diese seither nach eigenen Angaben anhand von etwa 150 Kriterien detailliert untersucht und bewertet. So wurden Schutzgebiete (Natur, Wasser, Vögel), besondere Kulturlandschaften, Bodenverhältnisse, Rohstoffvorkommen, Raumordnungsaspekte und einiges mehr berücksichtigt.
Die West-Variante selbst wurde auch etwas exakter festgelegt: Ein Stück der Trassenvariante verlief bislang zwischen Luthe und Schloß Ricklingen auch auf Wunstorfer Gebiet. Nun soll der Südlink über Horst (Garbsen), Lohnde (Seelze), Kirchwehren und Everloh (Gehrden) verlaufen.

Bundesnetzagentur entscheidet „frei“

Laut Fiete Wulff, Sprecher der Bundesnetzagentur, wird seine Behörde die Pläne kommende Woche erhalten. Danach soll umgehend die umfangreiche Beteiligung der Öffentlichkeit starten – mit Auslegung der Pläne, Anhörungs- und Erörterungsterminen, wo Betroffene auch Stellungnahmen abgeben können. Ab Ende 2019 wird dann entschieden, danach komme das Planfeststellungsverfahren, indem festgelegt wird, wo genau im Korridor die Leitungen laufen sollen. Ob die Favoriten-Varianten sich in jedem Fall durchsetzen, sei nicht vorhersagbar, sagt Wulff: „Wir gehen davon aus, dass die Netzbetreiber die Trassen detailliert gemäß unseren Anforderungen untersucht und unsere Vorgaben berücksichtigt haben. Ansonsten sind wir frei in der Entscheidung, nicht an die favorisierten Vorschläge gebunden.“

Umweltminister: Genau ansehen – dann Stellungnahme

Olaf Lies, Umweltminister in Niedersachsen, freut es, „dass wir endlich einen Schritt weiter sind“. Es herrsche ja wohl Grundkonsens: Man wolle die Energiewende – und darum brauche man den Netzausbau. Nun gehe es darum, „dass im niedersächsischen Verlauf weiterhin möglichst alle Belange berücksichtigt und Konflikte möglichst vermieden werden.“ Er forderte, dass „Möglichkeiten zur Verbesserung der Akzeptanz und der Verfahrensbeschleunigung (…) auch weiterhin genutzt werden.“ Die Netzbetreiber hätten „jetzt die Pflicht, ihre Pläne genau der Öffentlichkeit zu erläutern und alle Informationen zugänglich machen. Wir werden uns jetzt die Pläne sehr genau ansehen und bis Juni eine Stellungnahme abgeben.“

Die wichtigsten Fakten:

WO ES LANGGEHT: Suedlink soll vom südlichen Schleswig-Holstein westlich an Hannover und Göttingen vorbei über Nordhessen und Südthüringen bis Grafenrheinfeld in Unterfranken und zum Umspannwerk Großgartach bei Heilbronn führen. Vor allem der Verlauf zwischen Hessen und Thüringen war umstritten. Die Thüringer Landesregierung hatte im Januar sogar Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht, damit der Alternativvorschlag zur Trassenführung auch durch Osthessen gleichrangig geprüft wird. Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) teilte mit, man werde an der Klage festhalten. Hessens Regierung kündigte ihrerseits an, den neuen Vorschlag „intensiv“ zu prüfen.

WARUM ES DA LANGGEHT: Die Netzbetreiber betonten, sie hätten sich bei der Auswahl an sachlichen Kriterien wie Wasser-, Natur- und Artenschutz oder auch Baugebieten orientiert, nicht an politischen Wünschen. Insgesamt wurden demnach 150 Kriterien in Betracht gezogen. Menschen, Tiere und Pflanzen sollen möglichst wenig beeinträchtigt werden, etwa indem man nicht in Schutzgebieten oder Mooren buddelt. Aber auch Autobahnen und Schienen sollen vermieden werden - solche Verkehrswege zu kreuzen, ist kompliziert und teuer.

WIE ES WEITERGEHT: Vom 28. Februar an legen die Unternehmen ihre Pläne der Bundesnetzagentur vor. Parallel wollen Tennet und TransnetBW die Bürger vor Ort über Hintergründe ihrer Streckenauswahl informieren. Es folgt eine Konsultation, während der die Bundesnetzagentur noch einmal Hinweise von Politik und Bürgern entgegennimmt. Über einen ersten Abschnitt eines 1000 Meter breiten Korridors will die Behörde voraussichtlich Ende 2019 entscheiden, wie ein Sprecher sagte. Der konkrete, 30 Meter breite Korridor werde dann in einem Planfeststellungsverfahren bis 2021 festgelegt, 2025 soll Suedlink fertig sein und in Betrieb gehen. Ob das klappt, ist nach Einschätzung der Unternehmen aber alles andere als sicher. Das sei das „Best-Case-Szenario“ ohne Verzögerungen etwa durch Gerichtsverfahren. Es wird also spannend, ob Bürgerinitiativen und Politik sich mit den Plänen abfinden - oder ob es viele Klagen und Proteste gibt.

WAS GENAU PASSIERT: Nach jetzigem Stand der Technik werden die Unternehmen acht Kabel, die 10 bis 15 Zentimeter dick sind, in etwa 1,80 Meter Tiefe vergraben, dafür braucht es einen Korridor, einen sogenannten Schutzstreifen, von etwa 30 Metern Breite. Während der Bauarbeiten muss der Korridor zum Baggern 40 bis 50 Meter breit sein. Hauptsächlich dürften die Kabel dann unter Feldern verlaufen, bei Heilbronn zum Beispiel aber auch durch Schächte der Südwestdeutschen Salzwerke. Tennet und TransnetBW hoffen, rechtzeitig auf eine neue Technologie umsteigen zu können, mit der nur noch vier Kabel notwendig wären - dann wäre der Korridor nur noch halb so breit.

WAS DAS KOSTET: Tennet und TransnetBW rechnen nach eigenen Angaben „konservativ“ mit zehn Milliarden Euro für Suedlink. Ursprünglich waren mal drei Milliarden geplant, denn eigentlich sollten die Trassen als Freileitungen mit Masten gebaut werden. Dann gab es Bürgerproteste, die Bundesregierung lenkte ein, die Leitungen werden nun größtenteils unterirdisch verlegt. Das hat seinen Preis.

WARUM ÜBERHAUPT: Notwendig sind „Stromautobahnen“ wie Suedlink und Suedostlink, weil Deutschland aus der Atomkraft und der Kohle aussteigt. Der Ökostromanteil von heute mehr als einem Drittel soll bis 2030 auf 65 Prozent steigen. Damit im Süden nicht die Lichter ausgehen, muss der an Nord- und Ostsee erzeugte Windstrom dorthin fließen. Außerdem sollen die Supertrassen den Stromhandel mit Skandinavien und Osteuropa verstärken.

Von dpa

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