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Meine Stadt Sturz im Bus – Üstra will nicht zahlen
Hannover Meine Stadt Sturz im Bus – Üstra will nicht zahlen
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00:17 01.02.2018
RECHTSSTREIT: Dagmar S. muss seit einem Unfall in einem Linienbus ein Korsett tragen,  Quelle: Foto: Behrens
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hannover

 Wie gut müssen sich Üstra-Fahrgäste vor Stürzen sichern? Diese Frage wird bald ein Gericht beantworten. Denn eine Bemeroderin (63) verklagt das hannoversche Verkehrsunternehmen auf 10 000 Euro Schmerzensgeld.

Dagmar S. hatte sich bei einem Sturz in einem Bus schwer verletzt, dessen Fahrer beim Abbiegen mit der Linie 200 einen Bordstein touchierte. Die Üstra lehnt jede Verantwortung ab.

Zu dem Vorfall, der das Leben von Dagmar S. schlagartig für immer veränderte, kam es am 21. November um 16.47 Uhr in der City. Rentnerin S. saß im besagten Bus. Kurz zuvor hatte die 63-Jährige einen Fünfjährigen, den sie im Rahmen eines Mini-Jobs stundenweise betreute, von der Internationalen Schule abgeholt. Die beiden waren unterwegs in die elterliche Wohnung des Jungen im Zooviertel. Die gelernte Bankkauffrau saß auf einem Zweier-Sitz hinten links am Gang, ihr Schützling am Fenster.

Zu dem folgenschweren Sturz sei es gekommen, als der Fahrer von der Georgstraße nach links in die Straße An der Börse eingebogen sei, erklärt S.s Anwalt Benjamin Schmidt (Kanzlei Willig, Koch und Kollegen, Laatzen). Dabei sei der Üstra-Fahrer in der engen Kurve mit seinem Bus über einen Bordstein gefahren. „Ich hatte das Gefühl, dass er zu schnell fuhr“, erinnert sich S. Sie hielt sich nach eigenen Angaben in diesem Moment mit der linken Hand am Vordersitz und mit der rechten an einer Haltestange fest.

„Dann bin ich aus dem Sitz geschleudert worden. Damit hätte ich nie gerechnet, weil ich ja gesessen habe.“ Die 63-Jährige weiter: „Ich wurde gegen die Stange geschleudert, habe dann auf dem Rücken im Gang gelegen. Zunächst konnte ich nicht aufstehen, hatte ganz starke Rückenschmerzen.“

Ein Fahrgast habe ihr geholfen und den Fahrer gerufen. Dessen Angebot, einen Rettungswagen zu alarmieren, habe sie abgelehnt; aber nur, „weil ich Sorge hatte, dass sich dann niemand um den Jungen kümmert“.

Unter starken Schmerzen habe sie sich bis zur Wohnung des von ihr betreuten Fünfjährigen gequält. Von dort aus habe sie ihr Ehemann ins Agnes-Karll-Krankenhaus gebracht. Diagnose: Lendenwirbelbruch. Abends erstattete ihr Mann bei der Polizei für die Schwerverletzte Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Üstra.

Sechs Tage musste die Rentnerin in der Laatzener Klinik bleiben. „Seit ihrer Entlassung hat meine Mandantin fast nur gelegen, muss nach dem Aufstehen stets ein Korsett tragen“, sagt Schmidt. Außerdem sei sie gezwungen, opiathaltige Schmerzmittel einzunehmen, die zu einer Abhängigkeit führten.

S. klagt: „Ich verstehe nicht, dass die Üstra kein Schmerzensgeld zahlen will, obwohl der Fall doch ganz klar ist: Der Fahrer ist zu schnell über den Bordstein gefahren.“

Üstra-Sprecher Udo Iwannek sieht das anders: „Nach Überprüfung aller uns zur Verfügung stehenden Informationen und der Befragung des Fahrers sind wir zu dem Schluss gekommen: Der Fahrer ist mit sehr niedriger Geschwindigkeit gefahren. Die Üstra trifft kein Verschulden. Der Fahrgast hat sich sicheren Halt zu verschaffen.“

Dazu Anwalt Schmidt: „Wenn die Üstra meint, meine Mandantin hat sich nicht ausreichend gesichert, dann muss das Verkehrsunternehmen Anschnallgurte installieren.“

Von Andreas Körlin

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