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Jugendliche konsumieren mehr Pornos als früher - mehr Sex haben sie deswegen aber nicht.

Jugendliche konsumieren mehr Pornos als früher - mehr Sex haben sie deswegen aber nicht.

Sexualforschung

Studie: Kein Rezept gegen die "Generation Porno"

Viele Jugendliche klicken im Internet Pornos an, bei denen ihre Eltern im Jugendalter noch rot vor Scham geworden wären - und sie sind dennoch konservativer eingestellt als die ältere Generation.

Von Michael Evers

Hannover. Wie eine Studie der Niedersächsischen Landesmedienanstalt ergeben hat, prägt der Konsum der Pornofilme nämlich ein altmodisches Frauen- und Männerbild.

Während viele Sexualkontakte bei Jungen als cool gelten, würden Mädchen dafür als Schlampen abqualifiziert, heißt es in der am Mittwoch in Hannover vorgestellten Befragung junger Menschen. Für viele von ihnen gehören die kostenlos zugänglichen Sex-Filme auf Computer oder Handy zwar zum Alltag - tatsächlich haben sie aber eher weniger Sex als Jugendliche früher.

Die von der Stuttgarter Medienforscherin Prof. Petra Grimm geleitete Studie kommt zu dem Schluss, dass der vor allem bei Jungen verbreitete Konsum von Internet-Pornos negative Folgen haben kann. Jungen sähen sich beim Sex unter Leistungsdruck, während junge Frauen einem übertriebenen Schönheitsideal nacheiferten.

Pornos könnten die Vorstellung junger Menschen von Sex sowie ihr Wertverständnis beeinflussen, stellt die Studie fest. Möglicherweise werden bestimmte sexuelle Muster durch die ständige Wiederholung in den Filmen auch im Gehirn programmiert. Für die Entwicklung eigener sexueller Fantasien ist bei jungen Menschen mitunter kaum noch Raum - die Drehbücher der Pornos dienen ihnen als Vorbild, wie die Studie ausführt.

Wie die Befragung der Jugendlichen ergeben hat, dienen Pornos außer der Erregung vor allem zum Angeben und zum Lernen über Sexualität. Jungen finden das Anschauen der Filme oft normal und begründen dies mit männlichen Trieben. Mädchen halten die Jungen indes für „notgeil“ und die Filme schnell für eklig. Sie gestehen Jungs zwar das heimliche Anschauen von Sexfilmen zu, während einer Beziehung heißt es aber „No Porno“ - beide Seiten würden dies als Zeichen der Untreue sehen. Auf einhellige Ablehnung stoßen bei den Befragten Filme mit extremer Pornografie und auch Kinderpornografie.

Ein aus den USA herübergeschwapptes Phänomen ist der Trend, dass Jugendliche selbst Pornovideos drehen. Manche Filme landen zur Selbstdarstellung auf Plattformen - oft aber stellt nach dem Bruch einer Beziehung einer der Partner das kompromittierende Material ins Netz oder lässt es per Handy zirkulieren. Über die drohenden negativen Folgen gehen Jugendliche nach Einschätzung befragter Experten leichtfertig hinweg. Pornosperre schwer umsetzbar

Gegen problematischen Pornokonsum von Jugendlichen gibt es nach Einschätzung von Grimm kein Patentrezept. Eine Laissez-faire-Haltung hält die Medienforscherin für falsch, ein generelles Verbot für wenig praktikabel. Um zu verhindern, dass Kinder ungewollt im Netz auf pornografische Bilder stoßen, sei eine Verbesserung bestehender Filtersysteme allerdings wünschenswert. Die Sexualerziehung in der Schule könne dazu mit der Medienpädagogik verknüpft werden. So könnten Jugendliche vor den Gefahren der Veröffentlichung intimer Bilder im Internet gewarnt werden - und gleichzeitig vor den Strafen, wenn sie heimlich Nacktszenen anderer Menschen ins Netz schleusen.


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