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© Dariusz T. Oczkowicz

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Energie

Stromsparen ja, doch Licht darf kein Luxus sein

Caritas und Diakoniekämpfen für einkommensschwache Haushalte: Die steigenden Energiekosten bereiten ihnen Sorgen, dies spalte zusehends die Gesellschaft, da sich Energie langsam zum Luxusgut entwickle. Die Versorger seien oft zu rigide, die Härtefallregelung der Stadtwerke Hannover unzureichend. Sie fordern Änderungen.

Hannover. „Es zeigt sich, dass für immer mehr Menschen Energie zum Luxus wird“, sagt Martin Fischer vom Diakonischen Werk in Hannover. Allein in Niedersachsen dürften im vergangenen Jahr gut 70000 Haushalte von einer Stromsperre betroffen gewesen sein, legen Statistiken nahe. Stromschulden seien der häufigste Grund für Darlehen an Hartz IV-Bezieher. Allein in der Region Hannover bezögen etwa 100 000 Menschen Hilfeleistungen. Das Problem werde sich noch verschärfen, stehen doch zum 1. Januar etwa weitere Strompreiserhöhungen durch die erhöhte EEG-Umlage an. „Erhöhte Energiepreise dürfen nicht zur Spaltung der Gesellschaft führen“, sagt Fischer.

Hans-Jürgen Marcus, Direktor der Caritas, weist darauf hin, dass laut Mieterbund „seit 2005 die Strompreise um 44 Prozent“ gestiegen seien, „da bleiben die Regelsätze für Leistungsempfänger extrem hinter zurück!“ Der Regelsatz für einen Drei-Personen-Haushalt ist laut Diakonie im selben Zeitraum um lediglich 19 Prozent von 828 auf 962 Euro gestiegen. Ein durchschnittlicher solcher Haushalt werde wohl „250 bis 350 Euro“ höhere Stromkosten haben als vor sieben Jahren; allein die EEG-Umlage würde dabei gegenüber diesem Jahr 80 bis 100 Euro Mehrausgaben ausmachen. Zwar steigt der Regelsatz wohl um 20 Euro, doch die Experten der Diakonie sind sich sicher: „Knapp die Hälfte davon würde allein die Strompreiserhöhung verschlingen.“

Klaus Helke, Schuldnerberater der Diakonie, kritisiert die „rigide Sperrpraxis“ vieler Energieversorger und „fehlendes Fingerspitzengefühl“; sie kämen „ihrer Rolle als sozialpolitische Akteure“ häufig nicht nach. Ein Härtefonds wie von den Stadtwerken Hannover 2006 eingerichtet (Helke: „Dafür haben wir fünf Jahre gekämpft“) reiche nicht aus. So fordert er, dass man auch direkt oder durch Beratungsstellen Anträge an den Fonds stellen können sollte, nicht nur über Jobcenter und Sozialamt. Außerdem sollten die Energieversorger auch Ratenzahlungen über elf Monate hinaus und für Beträge unter 100 Euro zulassen. Auch könnte man anderen Städten folgen, wo etwa Zähler mit Münzeinwurf installiert werden - dann käme es auch nicht zu (weiteren) Nachzahlungen: „Die brechen den Menschen wirklich das Genick!“ Die Kriterien, die einen Härtefall ausmachen, sollten auch erweitert werden, etwa auf: „hat mehrere Kinder, ist arbeitslos“ - bislang helfe der Härtefonds nur alten Menschen, Haushalten mit Kleinkind oder wenn jemand lebensbedrohlich erkrankt ist. Die Jobcenter der Region hätten vergangenes Jahr rund 1500 Anträge auf Darlehen zur Begleichung der Stromrechnung bearbeitet - nur 50 Fälle seien als Härtefall eingestuft worden. Statt Darlehen sollten auch Zuschüsse möglich sein, fordern Caritas und Diakonie.

Stromsparen sei für sozial schwache Haushalte schwierig: Laut Caritas verbrauchten die ohnehin fast 23 Prozent weniger als andere Haushalte. Und sie haben nicht das Geld, sich neue, energiesparendere Geräte anzuschaffen. Die Aktion Stromsparcheck spart laut Caritas den beratenden Haushalten 86 Euro pro Jahr. Die kostenlose Beratungsaktion, bei der unter anderem abschaltbare Steckdosenleisten und Energiesparlampen verteilt werden, soll weitere drei Jahre laufen, in Hannover machen das AWO und Klimaschutzagentur gemeinsam. Caritas und Diakonie fordern, dass die Energieberatung solcher Haushalte quasi zur Pflicht wird.


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