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Meine Stadt Stromhändler Eveen: Insolvenzverfahren
Hannover Meine Stadt Stromhändler Eveen: Insolvenzverfahren
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18:08 13.07.2018
Volker Römermann
HANNOVER

Die hannoversche Genossenschaft Eveen, ein Strom- und Gashändler mit mehr als 100 000 Kunden, hat Insolvenzantrag gestellt – und darf versuchen, sich selbst aus der Lage zu befreien.

Als vorläufiger Sachwalter ist vom Amtsgericht Hannover Insolvenzexperte Volker Römermann eingesetzt. Er schaut dem weiter geschäftsführenden Management um Vorstand Dieter Carstens sozusagen genau auf die Finger. Der hannoversche Rechtsanwalt, der seine Rolle als „aktiv, nicht zurückgelehnt abwartend“ begreift, ist zuversichtlich: „Eveen ist mit 100-Prozent Sicherheit zukunftsfähig – dafür spricht die hohe Kundenzahl, das große Interesse von Investoren und die Mitarbeiter, die alle noch dabei sind und uns unterstützen. Alle Parameter stehen dafür, dass wir die Sanierung hinkriegen. Das Unternehmen denkt auch nicht daran, Leute zu entlassen, eher wird es mit meiner Zustimmung noch welche einstellen.“

Die Gründe

Römermann erklärt, wie der Strom- und Gasanbieter in die verhängnisvolle Lage gekommen ist: Da gebe es externe und interne Gründe. Da seien etwa die Energiebezugspreise sehr stark gestiegen (worunter im Übrigen „alle Händler wie die Hunde leiden“) und man könne dies nicht an die Kunden weitergeben, da es mit denen laufende Verträge und fixierte Preise gebe. Das habe die Liquidität gedrückt. Der zweite Grund ist quasi hausgemacht: Einer der Genossen, einst wohl Mitgründer, jetzt im Ausland lebend, wolle sich seinen Ausstieg oder seine Zustimmung teuer bezahlen lassen – und blockiere zukunftsweisende Entscheidungen, da Einstimmigkeitsprinzip gilt. Und so hätten bisher alle Investoren abgewunken, die bereit wären, frisches Kapital einzubringen – aber eben in eine „normale“ Firma, etwa eine GmbH. Im Insolvenzverfahren gibt es laut Römermann aber mehr Gestaltungsmöglichkeiten und könne man diese Blockade wohl überwinden.

Eveen-Vorstand Dieter Carstens lässt mitteilen, dass ihm : „persönlich sehr am Herzen liegt, dass die Öffentlichkeit alle wesentlichen Informationen direkt von uns erfährt.“ – weswegen man die Sache auch publik gemacht habe, obwohl dass das Gericht nicht verlangt habe. Man sei „nun dabei, ein Konzept auszuarbeiten, und haben uns entschieden, unsere Restrukturierung in Form einer Eigenverwaltung anzugehen.“ An der Seite stehet neben Volker Römermann die Kanzlei des in Sanierungsfällen ebenfalls erfahrenen Rainer Eckert in Hannover.

Eveen wurde 2011 gegründet, gewann damals den Gründerwettbewerb „Plug & Work“ von Hannoverimpuls, hat derzeit etwa 50 Mitarbeiter und erzielte zuletzt mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz.

Wichtig für Kunden

Aus Eveen-Kundensicht bitter: Wer vor dem Insolvenzantragstag 9. Juli 2018 Forderungen (etwa ein Guthaben aus einem Stromabrechnungszeitraum) hat, wird nicht alles bekommen, was ihm theoretisch zusteht, sondern erst, wenn das Verfahren abgeschlossen und die sogenannte verwertbare Insolvenzmasse ermittelt und die Verteilquote an die Gläubiger ermittelt ist. Was in den meisten Fällen zu Ausgleichsquoten im einstelligen Prozentbereich führt. Allerdings ist Sachwalter Volker Römermann in diesem Fall überzeugt, dass „erkleckliches übrigbleibt“- schließlich habe Eveen „ja frühzeitig das Verfahren gestartet und nicht, wie in vielen anderen Fällen, wenn schon alles zu spät und nichts mehr rauszuholen war.“ Das sei „bedauerlich für die Kunden, aber ich hoffe, hier zu einer guten Quote zu kommen“.

Die Verbraucherzentrale (VZ) in Hannover weist darauf hin: Es bestehe bei einer Insolvenz wie der von Eveen kein Sonderkündigungsrecht, Kunden müssten die normalen Kündigungsfristen beachten. Und solange Gas oder Strom geliefert würden, liefen auch die Verträge weiter. Sollte nicht mehr geliefert werden, ist laut VZ wichtig, sofort alle Zahlungen zu stoppen. Ohne Energie steht man dann nicht da – es übernimmt automatisch der örtliche Grundversorger (solange, bis man sich wieder anders entscheidet). Hat etwa Eveen berechtigte Forderungen an einen Kunden, etwa aus gelieferten Strommengen, muss dieser sie begleichen.

Von Ralph Hübner

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