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Meine Stadt Streit um Standort für geplante Gandhi-Büste
Hannover Meine Stadt Streit um Standort für geplante Gandhi-Büste
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09:47 13.03.2015
Kommt hier eine Gandhi-Büste hin: Um den Standort an der Culemannstraße wird heftig gestritten. Foto: Heusel
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VON ANDREAS VOIGT
Hannover.  Es geht um eine Gandhi-Büste, die am Clara-Zetkin-Weg, einen Katzensprung vom Rathaus entfernt, aufgestellt werden soll und die die Stadt 30 000 Euro für den Sockel und jährlich 2000 Euro Unterhaltung kostet. Zur Einweihung der Büste am 12. April hat sich sogar der indische Premierminister Narendra Modi angekündigt, und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel soll kommen, hieß es gestern offiziell im Rathaus.

Trotzdem gab es Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Gandhi-Büste in Hannover, etwa von Gunda Pollok-Jabbi (Linke) – der Auftakt zu einer Redeschlacht: „Die Büste bringt uns in eine komische Position. Wenn jedes Gastland einer Messe eine Büste als Geschenk mitbringt, kann das komisch werden.“ FDP-Ratsherr Wilfried Engel-ke störten die hohen Anschaffungskosten von 30 000 Euro für den Sockel, da dieses Geld an anderer Stelle fehle. „Wir haben stinkende Toiletten an Schulen wie an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Die lassen sie weiter stinken, wollen aber 30 000 Euro für einen Sockel ausgeben. Ein kleiner Briefbeschwerer für den Oberbürgermeister hätte es auch getan“, wetterte er in Richtung rot-grüne Ratsfraktion, die  den Beschluss von SPD und Grünen im Stadtbezirksrat Mitte von Ende 2014 gestern in den Rat der Stadt eingebracht hatte.  

 
Die Idee zu einer Gandhi-Büste war vom Indischen Verein Hannover gekommen, einem Zusammenschluss von 300 Indern, vor allem aus dem studentischen und wissenschaftlichen Umfeld von Leibniz-Uni und Medizinischer Hochschule. Einige Mitglieder dieses Vereins stehen der SPD nahe. „Bei dieser Vorgeschichte geht mir auch der Kamm in der Hose auf“, sagte CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Aus diplomatischen Gründen wolle man dennoch für die Büste stimmen, denn: „Welche Wirkung erzielen wir nach außen, wenn wir ein Geschenk eines Staates nicht annehmen? Der Wert dieses Schadens wäre sicher größer als die 30 000 Euro.“

 
Der Ratsvorsitzende und Bürgermeister Thomas Hermann (SPD) sah sich zwischenzeitlich sogar genötigt, das Wort zu ergreifen: „Was soll denn der indische Premierminister oder die Kanzlerin von einer Stadt halten, die international auftreten will, wenn sie von diesen Äußerungen hören?“, fragte er erbost. „Beschämend“ sei es, so Lars Kelich (SPD), dass Ratsherr Wilfried Engelke eine Verbindung zwischen Mahatma Gandhi und stinkenden Toiletten hergestellt habe, wobei dieser ja nur den Sockel in Frage gestellt hatte, nicht den Freiheitskämpfer an sich.
Die Büste wird trotzdem kommen: mit 54 Ja-Stimmen – und nur vier Ablehnungen von Linken und FDP.

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