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Meine Stadt Streit um Schulgrenzbezirke in Hannover überhitzt
Hannover Meine Stadt Streit um Schulgrenzbezirke in Hannover überhitzt
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00:16 14.03.2016
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Hannover

„Eine inakzeptable Gefährdung der Kinder, vor allem der Schulanfänger“, sagt Jens Hundertmark. Der Vater hat zwei Töchter, ein achtjähriges Mädchen, das die dritte Klasse der Grundschule Tiefenriede besucht. Die jüngere Tochter ist fünf, sie soll ab 2017 nach Döhren zur Olbersschule. Mit Andreas Hüsig organisiert Jens Hundertmark seit Bekanntgabe der Pläne den Elternprotest aus den beiden Stadtteilen, versucht zu vermitteln, die Stadt zu überzeugen – bisher vergeblich. Auch Andreas Hüsig, Schulelternratsvorsitzender an der Grundschule Tiefenriede, ist von den geplanten Grenzverschiebungen persönlich betroffen: Die jüngste Tochter soll ebenfalls 2017 zur Olbersschule gehen, während die beiden größeren Geschwister weiter die Grundschule Tiefenriede besuchen dürfen.

Die Väter haben der NP den neuen Schulweg nach Döhren aufgezeigt – mit gleich drei Verkehrsgefahren. Zum einen die Zeißstraße, eine Trogstrecke, die die Kinder ungesichert queren müssen, und bei der Tempo 70 statt der erlaubten 50 „an der Tagesordnung ist“, wie Jens Hundertmark sagt. Gefahrenpunkt zwei ist die so genannte „Zitterbrücke“ – ein Metallplattenweg über den Südschnellweg direkt an Eisenbahngleisen entlang – die Züge kann man hier im Vorbeifahren beinahe mit ausgestreckten Hand berühren. Schließlich – die Olbersschule ist schon in Sichtweite – gibt es noch einen etwa 600 Meter langen Fußweg am Bahndamm entlang, der durchgängig unbeleuchtet ist – eine Zumutung in der dunklen Jahreszeit. Als die NP an den Bahngleisen ist, hält eine Radfahrerin an. „Gehts um den neuen Schulweg?“, fragt sie. „Schreiben Sie, dass das ein Unding ist, die Kinder hier entlangzuschicken. Ich selber traue mich ja kaum, den Weg zu benutzen. Zum einen wegen der Bahn, zum anderen wegen der Typen, die hier ab und zu herumhängen“, sagt Beatrice Sigrist, die in Döhren lebt und deren Tochter einst diesen Weg zur Schule auch gehen musste – „natürlich nie unbeaufsichtigt“ .

Jens Hundertmark und Andreas Hüsig kritisieren nicht nur diesen gefahrvollen Schulweg nach Döhren, sie ärgern sich auch über die Folgen, die der Wechsel nach sich zieht. „Gewachsene soziale Strukturen werden auseinandergerissen. Funktionierende Elternhilfen durch Elterntaxis ersetzt. Diesen unsäglichen Trend wollen wir Eltern nicht mitmachen.“ Aber auch die Prognosezahlen bei der Schulauslastung verärgert die Väter maßlos. Im kommenden Schuljahr würden zwar etwa 24 Erstklässler aus Waldheim und Waldhausen eingeschult , „doch danach sinkt die Schülerzahl deutlich ab“, sagt Andreas Hüsig. In den kommenden Jahren kämen aus beiden Stadtteilen „maximal drei bis vier Kinder“ pro Schuljahr. „Der Generationenwechsel hat längst stattgefunden.“

Auf den Weg gebracht haben die beiden eine Unterschriftenaktion gegen die neuen Grenzen – mehr als 800 Unterzeichner aus Waldheim und Waldhausen haben Hundertmark, Hüsig und ihre Mitstreiter bis jetzt zusammen bekommen. Inzwischen hat die Stadt alle Einwände und Anregungen der vergangenen Wochen überprüft, Ergebnisse und Empfehlungen will sie kommenden Mittwoch im Schulausschuss darlegen, in dem die Schulgrenzen dann final beschlossen werden.

Hoffnung für die Eltern: Der Bezirksrat Döhren-Wülfel hat am Donnerstag einen interfraktionellen Antrag verabschiedet, wonach Kinder aus Waldheim und Waldhausen nicht zwangsweise zur Olbersschule müssen, sondern weiterhin die Grundschule Tiefenriede besuchen dürfen – wegen der Verkehrsgefahren. An diesen Beschluss ist der Schulausschuss allerdings nicht gebunden. Jens Hundertmark hofft trotzdem auf die überraschende Wende: „Die Situation in unseren Stadtteilen ist inzwischen überhitzt.“

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