Navigation:

DEBATTE: Die Plakatwerbung des Schauspiels am Kröpcke sorgte für Diskussionen.© Thomas

Schauspiel

Streit um Moscheebau als Theaterstück

Was steckt hinter der Angst der Menschen, die gegen einen Moscheebau kämpfen? Die Reaktionen von Nachbarn und Mitbürgern in Berlin hat Regisseur Robert Thalheim dazu bewegt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Mit Kolja Mensing interviewte Thalheim Gegner, aber auch Befürworter eines Moscheebaus im Berliner Bezirk Heinersdorf. Entstanden ist daraus das Theaterstück „MOSCHEE DE“,  das am Samstag Premiere im Schauspielhaus Hannover hatte.

HANNOVER. Das Publikum nahm das Stück positiv auf, ein paar Zuschauer würdigten die Leistung der fünf Schauspieler sogar mit stehenden Ovationen. Empörung, Widerstand und Aggression liegen gleich zu Beginn des Stücks in der Luft. Eine Videoeinspielung wird auf die Wand projiziert, die eine aufgebrachte Meute während einer Bürgerversammlung in einer Turnhalle zeigt. Es ist der Ausschnitt eines Fernsehbeitrags aus einem Protest von 2008. Es war eine „pogrommäßige Auseinandersetzung“, sagt Thalheim.     Die Rufe „Wir sind das Volk“ lässt die Stimmung in der Turnhalle in Berlin-Heinersdorf erst richtig aufkochen. Ganz offen bringen die Gegner ihre Ressentiments zutage. Mitten in dem Tumult befinden sich der Vorsitzende der Bürgerinitiative, ein Pfarrer, ein Konvertit, eine Zugezogene und der Imam der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde.

 

 

Im Theaterstück „MOSCHEE DE“ blicken die fiktiven Figuren auf die Ereignisse zurück. Sie stehen für Typen, die sich in jedem Streit wiederfinden und sich auf jede Stadt übertragen lassen, sagt der Dramaturg des Stückes, Aljoscha Begrich. Da ist zum Beispiel der Vorsitzende der Bürgerinitiative (Rainer Frank), der felsenfest der Meinung ist, wenn die Moschee steht, könnten die Moslems den Deutschen ihre Parkplätze wegschnappen. Insbesondere an Freitagen und Feiertagen. Aber das muslimische Gotteshaus könnte seiner Meinung nach noch weitreichendere Folgen für das Leben aller haben. „Die Kuppel könnte den Funkverkehr der Handys stören.“ Außerdem könnte es ein Stützpunkt für Terroristen sein. Ganz bewusst hätten sich die Gemeindemitglieder für das Grundstück in der Einflugschneise eines Berliner Flughafens entschieden. Dort können sie die Flugzeuge ja abschießen, so seine Meinung.

 

 

Dank des Moscheestreits hat der Busfahrer aber einen neuen Lebenssinn erfahren. Er hält Reden vor Tausenden von Menschen, die seine Worte mit Applaus huldigen. Er setzt sich intensiv mit dem Islam auseinander und kennt die Suren besser als manch ein Moslem. Davon ist auch der Imam (Sandro Tajouri) überzeugt. Der Vorsitzende ist immer gut vorbereitet und hat immer einen Aktenordner voller Unterlagen bei sich, meint der muslimische Geistliche.     „Zum ersten Mal hatte ich Angst um mein Leben in Deutschland“, sagt der Imam rückblickend auf den Streit. Er versucht, durch seine ruhige Haltung den Menschen klar zu machen, das der Islam freundlich gesinnt ist. Aber ihm ist eins bewusst: „Egal, wo wir bauen, wir werden nicht mit Blumen empfangen. Wir beten für Deutschland.“ In Deutschland gebe es eben drei Sachen, die man in der Nachbarschaft nicht haben wolle: Atomkraftwerk, Mülldeponie und eine Moschee. dpa


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Muss die Politik in der Abgas-Affäre härter gegen die Autoindustrie durchgreifen?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok