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 © Frank Wilde

Prozess

Streit an der Ampel: Kurierfahrer sticht zu

Der alltägliche Wahnsinn auf Hannovers Straßen: Zuerst bedrängte Patrick C. (23) einen Familienvater im Straßenverkehr. Dann versuchte der Angeklagte, seinen Kontrahenten von der Straße zu drängen. Anschließend stach er mit dem Messer zu. Und dabei hatte der Angeklagte noch Glück, dass er nicht vor der Schwurgerichtskammer landete.

hannover. Ugur Senozan (30) sah seine Frau und seine Kinder in Gefahr. Am 5. Mai 2017 fuhr er mit seinem Ford Fiesta auf der Bornumer Straße (Bornum) Richtung Wettbergen. Plötzlich drängelte ein Kurierfahrer mit seinem Transporter von hinten. „Er überholte mich rechts und versuchte mich dann von der Straße zu drängen“, sagte der Maler am Montag vor Gericht aus.

An der nächsten Ampel stellte Senozan seinen Kontrahenten zur Rede. Das hätte er besser lassen sollen. Patrick C. (23) stieg aus und holte plötzlich mit seinem Klappmesser aus. Nur weil Ugur Senozan eine Abwehrhaltung einnahm, wurde er lediglich am Oberarm erwischt. Dafür wurde der Angeklagte gestern zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er muss zudem noch mindestens zehn Monate auf seinen Führerschein verzichten. Amtsrichter Lars Stanull formulierte salopp: „Wir sind doch hier nicht im Wilden Westen, wo man sich vom Pferd schießen kann.“

Der Angeklagte hatte seine Messerattacke als Notwehr hingestellt. Er sei zuerst von dem kräftigen Maler geschlagen worden und habe sich dann nur gewehrt. Doch die Ehefrau (31) sagte unter Tränen aus. „Der Angeklagte stieg aus und stach sofort zu.“ Auch eine Autofahrerin bestätigte diese Darstellung.

Außerdem zeigte das Opfer keinerlei Belastungstendenzen. Der Richter meinte zu dem Mann: „Der Angeklagte sagte, dass der erste Schlag von Ihnen ausgegangen sei.“ Antwort des Familienvaters: „Leider nicht.“

So trug der Maler eine sechs Zentimeter tiefe und drei Zentimeter breite Verletzung davon. Die Wunde blutete stark. Noch heute hat er Schwierigkeiten, seinen Beruf auszuüben. „Ich habe bei der Arbeit noch Schmerzen. Ich muss jetzt zum Neurologen“, sagte er im Amtsgericht.

Ob das Urteil rechtskräftig wird, war gestern unklar. Der Angeklagte hatte keinen Anwalt. Bis zur Rechtskraft des Urteils darf er weiter als Kurier fahren.

Sollte es bei dem Urteil bleiben, muss er mindestens zehn Monate auf seinen Führerschein verzichten. Für Ugur Senozan ist das Urteil fast noch zu milde: „Wer so etwas macht, braucht mal einen Schuss vor den Bug.“ Und meint damit Gefängnis.

Von Thomas Nagel


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