Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Straßennamen: Unfehlbarkeit kein guter Anspruch
Hannover Meine Stadt Straßennamen: Unfehlbarkeit kein guter Anspruch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 08.10.2015
Anzeige

Nicht jeder, der eine neue Adresse bekommt, ist auch wirklich umgezogen: Viele Hannoveraner dürften betroffen sein, weil die Stadt Namensgeber von Straßennamen auf eine saubere Vita überprüfen lässt. Das ist ehrenwert - aber eindeutig zu viel des Guten.

Mit Jasper Hanebuth gerät jetzt sogar ein Söldner aus dem Dreißigjährigen Krieg in den Blick, das ist fast 400 Jahre her. Einerseits ist die Frage berechtigt, ob man einem Mörder ein Denkmal schaffen musste - andererseits gibt es etwa im Gegensatz zu NS-Tätern keinen moralischen Bezug mehr zur Gegenwart, keine Opferangehörige, keine abgründige Ideologie. Wer Hanebuthwinkel sagt, denkt nicht an den Räuber aus der Eilenriede. Sondern an den Hanebuthwinkel. Das kann dann auch ruhig so bleiben.

Ein Problem ist, dass es keine befriedigende Antwort auf die Frage gibt, wo das aufhören soll. Martin Luther war nicht nur ein Kirchen-Reformer, sondern wetterte auch gegen Juden („verdammtes Volk“), Bismarck zettelte Kriege an, und der Antisemitismus von Wagner wird heute noch diskutiert. Alles Namensgeber von Hannovers Straßen. Das stellt keiner in Frage, weil ihre Lebensleistung die dunklen Flecken in der Biografie deutlich überstrahlt. Anders ausgedrückt: Hätte der Historiker Heinrich von Treitschke „Tristan und Isolde“ geschrieben, hätte man ihm dann den Satz „Die Juden sind unser Unglück“ verziehen? Die Treitschkestraße in Hainholz wackelt jedenfalls.

Moralisch eindeutig ist das Vorgehen nicht, eine geschickte Lösung gibt es wohl auch nicht. Generell ist Unfehlbarkeit ein Anspruch, der selten erfüllt werden kann, schon gar nicht nach heutigen Maßstäben. Vielleicht kann es ja nicht schaden, wenn man daran täglich erinnert wird.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Die Wagen werden schon aus der Ferne belächelt, die Fahrgäste fragen neugierig nach“, erzählt Taxifahrer Wolfgang Stahlhut. Er fährt eine der bald acht Taxen in Hannover, die ein Jahr lang im Werbeauftrag des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums für den Tierschutz unterwegs sind.

08.10.2015

Die Wohnungssuche beschäftigt weiter viele angehende Studenten in Hannover. Angehende Akademiker beschweren sich über Preiswucher - und die Anbieter über überzogene Vorstellungen.

05.10.2015

Ein wegen Übergriffen auf Flüchtlinge im Fokus stehender Bundespolizist aus Hannover muss jetzt eine Geldstrafe für ein pornografisches Foto von sich zahlen, das er einer Jugendlichen geschickt hat. 

05.10.2015
Anzeige