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Geladen:Wolfgang Köppe sorgt sich wie viele andere Anwohner um die Kosten der Straßensanierung. Dabei ist die Springer Straße (kleines Foto) noch nicht unbedingt

Geladen:Wolfgang Köppe sorgt sich wie viele andere Anwohner um die Kosten der Straßensanierung. Dabei ist die Springer Straße (kleines Foto) noch nicht unbedingt

Bauarbeiten in Oberricklingen

Straßen-Wahnsinn: Ist Sanierung überflüssig?

In Oberricklingen wird demnächst die Springer Straße saniert. Das geschieht auf Wunsch der CDU, die wahrscheinlich Politiker von Rot-Grün ärgern wollte.

Hannover. Baken und Bauwagen stehen schon. Bald beginnt die Sanierung der Springer Straße in Ober­ricklingen. Ob das notwendig ist, scheint mehr als strittig. Der Ärger ging los, als klar wurde, dass die Verwaltung die Kosten mit auf die Anwohner umlegt. Die sind nun sauer. Holger Grasdorf beispielsweise soll 12 000 Euro zahlen und findet das eine Unverschämtheit: „Die Straße ist gar nicht in einem schlimmen Zustand.“

Auf Antrag der CDU-Bezirksratsfraktion war die Springer Straße in das Millionen-Programm der Stadt aufgenommen worden. Bekanntlich hatte OB Stefan Schostok zu seinem Amtsantritt grundlegende Straßensanierungen versprochen.

An der Springer Straße trifft es nun auch gleich drei Politiker. Bezirksbürgermeister Andreas Markurth (SPD) wohnt dort, ebenso die Erste Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette und ihr Mann Michael Dette, Vize-Bezirksbürgermeister. Was die CDU, die eigentlich Straßenausbaubeiträge rigoros ablehnt, zu dem 930 000 Euro teuren Antrag getrieben hatte, lässt sich nicht sagen. Am Ende hat sie der eigenen Forderung nicht zugestimmt. Dank rot-grüner Mehrheit aber werden also in Oberricklingen sechs Straßen saniert, die Springer Straße inklusive.

Es gebe Straßen, die dringender einer Erneuerung be­dürften, so Bernhard Zentgraf vom Bund der Steuerzahler: „Entscheiden sollte man sachlich nach Kriterien, nicht wegen Scharmützeln.“

Der ganz normale Straßen-Wahnsinn

Was kann man nicht alles mit fast einer Million Euro anfangen? Bedürftigen Kindern und Familien helfen, das Geld in ein Freizeitheim oder in Stadtteilkulturarbeit stecken, einen Nachbarschaftstreff finanzieren ... In diesem Fall aber werden 930 000 Euro für eine neue Fahrbahn an der Springer Straße verwendet. Wirklich sinnvoll?

Sanierungsbedürftig sei die Straße sicherlich, räumt Bernd Zentgraf vom Steuerzahlerbund Niedersachsen ein. Als Experte weiß er, wie viel Streit es um die Straßenausbaubeitragssatzung gibt. Die Kommunen versichern, sie könnten das nicht aus eigener Kraft stemmen. Das Heranziehen der Anwohner stößt allerdings vielfach auf Widerstände. „Die Finanzierung ist strittig“, sagt Zentgraf, „deshalb müssen die Arbeiten auf das Notwendige beschränkt werden.“

Weil die Fachverwaltung nach dem CDU-Antrag auf Sanierung (der dann mit rot-grüner Mehrheit ohne die CDU beschlossen wurde) die Fahrbahn in Oberricklingen begutachtet und für erneuerungsbedürftig gehalten hat, bleiben die großen Proteste aus. Auch wenn Bezirksbürgermeister Andreas Markurth (SPD) sagt: „Es gibt schlimmere Straßen.“ Viele, die in schlechterem Zustand sind als die vor der eignen Haustür. Als Beispiel nennt er die Barsinghäuser Straße.

Saniert werden in dem Quartier sechs Straßen. In der Munzeler haben die Arbeiten bereits begonnen, in der Springer sollen sie in Kürze anfangen. Dazwischen liegen zwei weitere Straßen. Warum die Stadt nicht abschnittsweise vorgeht, wundert viele. Die Erklärung, die Markurth bekam: Woanders stünden noch Leitungsarbeiten an; man wolle keine Zeit verstreichen lassen. Und: Man werde Vorsicht walten lassen, damit die demnächst erneuerte Springer Straße nicht durch Bauwagen be­schädigt würde, die zum Erledigen der anderen Arbeiten anrollen.

Etwa sieben Monate werde die Sanierung dauern, heißt es. Wie viel von den Kosten exakt auf die Anwohner der Straße umgelegt wird, kann derzeit noch niemand sagen. Wahrscheinlich werde es jeden Haus- und Wohnungseigentümer mit ein paar tausend Euro treffen, je nach Grundstücksgröße, vermutet die Politik.

Von Vera König

Beim Antrag zu kurz gedacht - Ein Kommentar von Vera König

„Kindergarten.“ Das war das erste Wort, das einem prominenten hannoverschen Christdemokraten zur Sanierung der Springer Straße einfiel. Da wollten die eigenen Parteifreunde im Stadtbezirksrat offenbar drei Politiker von Rot-Grün treffen, beantragten eine Sanierung – und hatten dann nicht mal den Anstand, die Forderung bis zum Ende durchzuziehen.

Wahrscheinlich war die CDU in Ricklingen von rot-grünem Protest ausgegangen. Dann hätte sie behaupten können, es sei von der Mehrheit „unanständig“, eine Sanierung abzulehnen. Passiert sei das nur, weil an der Springer Straße prominente Vertreter von SPD und Grünen wohnten. Die aber haben sich aus dem ganzen Scharmützel rausgehalten und die Fachverwaltung begutachten und entscheiden lassen.

Jetzt also läuft die Sanierung an. Sie kostet fast eine Million Euro. Ziemlich viel für eine Straße, die nur ein paar Risse in der Fahrbahn aufweist. Es gibt dutzendfach schlimmere Holperstrecken in der Stadt, auch in Oberricklingen.
Alle Anwohner können sich bei der CDU bedanken. Wahrscheinlich muss jeder ein paar tausend Euro zahlen. Und spätestens bei dieser Betrachtung passt der Begriff „Kindergarten“ gar nicht mehr. Was an der Springer Straße passiert, ist irrwitzig und schlicht bescheuert.


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