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Meine Stadt Stöcken: Zwei Kirchen vor Abriss
Hannover Meine Stadt Stöcken: Zwei Kirchen vor Abriss
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18:04 17.01.2019
Die Christopheruskirche am Stöckener Markt wird ab Freitagabend kein Gotteshaus sein – und wird bald abgerissen werden. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Wenn der katholische Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger am Freitagabend (18 Uhr) Gottesdienst in der Christophoruskirche am Stöckener Markt feiert, wird das für viele Mitglieder der Gemeinde mit einem schmerzhaften Abschiednehmen verbunden sein. Es wird nämlich der letzte sein in diesem Gotteshaus. Die Amtshandlung, für die Schwerdtfeger kommt, ist die Profanierung der Kirche. Sie wird danach keine mehr sein.

Schon 2009 hatte das Bistum Hildesheim beschlossen, dass die Kirche abgerissen werden soll. Die Gemeinde jedoch kämpfte jahrelang für den Erhalt. Als dann auch noch Verhandlungen mit der evangelischen Nachbargemeinde Ledeburg-Stöcken über eine gemeinsame Nutzung scheiterten, war das Schicksal des im Dezember 1963 geweihten Gotteshauses jedoch besiegelt. Es soll abgerissen werden. Die Wohnungsgenossenschaft Heimatwerk Hannover hat das gut 3500 Quadratmeter große Kirchengrundstück gekauft, um dort soziale und barrierefreie Wohnungen zu errichten.

„Die Aufgabe einer Kirche ist ein tiefer Einschnitt, für viele Menschen verschwindet ein Stück Heimat“, sagt Bernd Langer, Pfarrer der Gemeinde St. Maria, zu der St. Christophorus gehörte. Zwar habe diese mit dem Heimatwerk den richtigen Partner gefunden, weil die Genossenschaft katholische Wurzeln habe und katholischen Grundsätzen folge. Rund um St. Christophorus überwiege allerdings die Trauer.

Langer hofft, „dass die Gemeinschaft, die ich in St. Christophorus erleben durfte, nun nicht verloren geht, sondern in den anderen Kirchorten aufgehoben werden kann“. Zu St. Maria gehören auch die Kirchen St. Hedwig in Vinnhorst und St. Adalbert in Herrenhausen.

Wie tiefe Wunden der Abschied von einer Kirche reißen kann, lässt sich auch in der benachbarten evangelischen Gemeinde beobachten. Ledeburg und Stöcken waren 2006 fusioniert worden. Seitdem stritten die beiden Teile darum, welche der beiden Kirchen erhalten werden soll. Corvinus in Stöcken? Oder die Bodelschwinghkirche in Ledeburg?

Keine von beiden – so hieß zumindest zwischenzeitlich die salomonische Lösung. Beide Gemeinden wollten ein neues Zuhause in St. Christophorus am Stöckener Markt finden. Die Option platzte jedoch mit dem Scheitern der Verhandlungen mit der katholischen Gemeinde. Für viele im Stadtteil kaum verständlich, dass sich kein Kompromiss fand. Denn für die Katholiken hieß das, dass sie nun ganz ohne Kirche in Stöcken da stünden. Und für die evangelische Gemeinde nahm die Achterbahnfahrt der Hoffnungen und Enttäuschungen nun erst richtig Tempo auf.

Aufgabe der Bodelschwinghkirche in Ledeburg und Abriss und Neubau eines kleineren Gemeindezentrums mit Kirchraum anstelle der Corvinuskirche in Stöcken war nun der Plan.

Den allerdings das Landesamt für Denkmalpflege durchkreuzte. Vor Gericht setzte es gegen den Willen der Kirche durch, dass Corvinus zum Denkmal erklärt werden durfte. Wieder alles auf Anfang. Ein Ideenwettbewerb wurde ausgerufen. Der allerdings brachte keine Lösung, die sich die Gemeinde hätte leisten können. „Auch eine energetisch sanierte Corvinuskirche wäre im Unterhalt zu teuer für uns geworden“, erklärt Pastor Gerd Peter.

Land und Kirche einigten sich 2017 daraufhin, dass die Corvinuskirche trotz Denkmalschutz abgerissen werden darf. Sie soll nun also doch durch ein kleineres Gemeindezentrum ersetzt werden. Im Frühjahr soll der Architektenwettbewerb starten. 2020 könnten dann Abriss und Neubau starten. Pastor Peter hofft, dass dann auch Wunden in seiner Gemeinde heilen werden. „So lange noch nichts sichtbar ist, ist es schwierig, die Gemeinde zu begeistern“, sagt er. Peter geht davon aus, dass „auch noch ein Stück Trauerarbeit zu leisten sein wird“.

Von C. Bohnenkamp

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