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Einblicke

Stiftungstag: Blattgold und Orgelspiel

Blattgold ist nicht nur hauchdünn, es wiegt auch fast gar nichts. Vorsichtig pustet, nein haucht Dorothee Schraeder das Blättchen auf eine vor Zug geschützte Arbeitsfläche. „Blattgold wird noch wie im Mittelalter mit einem Hammer von Hand geschlagen“, erzählt Maximilian von Boeselager, Leiter der Restaurierungswerkstatt der Klosterkammer.

Hannover. Die Klosterkammer ist eine der Stiftungen und Stiftungsverwaltungen, die gestern zum Europäischen Stiftungstag einen Blick hinter ihre Kulissen erlaubten. Dorothee Schraeder ist Praktikantin und will Restauratorin werden, ein anspruchsvolles Studium. Vor ihr liegen Befestigungsstangen von drei Kronleuchtern aus dem Kloster Ebstorf. Deren schmückende Kugeln sollen frisch vergoldet werden. Dafür hat Schraeder sie mit Leimöl vorbehandelt. Nun sind sie leicht klebrig. Schraeder legt das Goldblättchen auf und glättet die zahlreich entstandenen Fältchen mit einem Pinsel.

Die Klosterkammer verwaltet ehemals kirchliche Ländereien und Immobilien, die im Zuge der Reformation verstaatlicht wurden. Von Pacht- und Mieteinnahmen fließen jährlich drei Millionen Euro in soziale Projekte. Aber auch die 850 denkmalgeschützten Gebäude und 10 000 wertvollen Kunstschätze müssen erhalten werden.

Restaurierung war auch die Vision von Professor Andor Izsák, auch wenn das Gebäude, um das es ihm ging, nicht ganz so alt ist. Die Villa Seligmann an der Hohenzollernstraße war Anfang des 20. Jahrhunderts vom Conti-Gründer Siegmund Seligmann erbaut worden. Seit 2012 beherbergt sie neben der Siegmund-Seligmann-Stiftung das Europäische Zentrum für Jüdische Musik.

Launig führt Izsák die Besucher durch die riesigen Räume und erzählt die Geschichte ihrer früheren Bewohner, das Abenteuer der Restaurierung und vieles über die nun dort stehenden Orgeln und die jüdische Musik. Wobei sich der Klang der Synagogenorgeln stark von dem der klassischen Kirchenorgel unterscheidet. Davon überzeugen sich die Besucher, als Iszák nach einem wohlklingenden jüdischen Stück etwas von Bach spielt. Dafür ist das Instrument mit seiner Klangfarbe eher nicht geeignet.


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