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Meine Stadt Stephanusvilla wird zur Luxuswohnung
Hannover Meine Stadt Stephanusvilla wird zur Luxuswohnung
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00:21 30.04.2014
ANLAUF: BU im Foto linksbündigBU Quelle: Frank Wilde
Hannover

Es ist ein richtiges Juwel in Linden - die alte Villa Stephanus mit der Hausnummer 14 in der Gartenallee. Jahrelang wurde das Gebäude von der Polizei genutzt, jetzt kommt wieder Leben in die Bude - die Villa wird wieder zum Wohnhaus. Die Bauherrengemeinschaft ist mit hohen Kosten und viel Mühe dabei, das Gebäude umzubauen. Der Behördenmief muss raus, luxuriöse Wohnungen sollen rein.

Zunächst musste das Gebäu-de komplett entkernt werden. Stehengeblieben sind nur die Schätze des Hauses - das alte Treppenhaus im Eingangsbereich mit reich verziertem Holzgeländer. An den Sockeln finden sich die gleichen Ornamente wie im Portal um die Hauseingangstür. In einem Saal im Erdgeschoss ist die Decke in einem Rundbogen mit dunklem Holz verkleidet. Durch das riesige Rundbogenfenster schaut man in den Hof. „Die Wohnung ist schon weg“, sagt Immobilienwirt Franz Holzlehner. Elf Wohnungen sollen in der Villa entstehen. Fünf sind bereits vergriffen. „Für die freien suchen wir noch Menschen, die Linden lieben und besonders engagiert sind - auch finanziell“, sagt Holzlehner. Er scherzt sogar über den „Opfertod“, den sie bringen müssen für das Haus.

Die Wohnungen sind teuer, sogar sehr teuer. Der Quadratmeterpreis liegt bei etwa 3800 Euro. Insgesamt müssen die neuen Eigentümer gemeinsam einen zweistelligen Millionenbetrag investieren. „Was haben wir denn hier? Hohe Auflagen vom Denkmalschutz und eine Ruine“, sagt Holzlehner und erklärt weiter: „Das ganze Behördenzeug muss raus, der ganze Grundriss muss anders, alle Leitungen und Böden müssen gemacht werden.“ Wenn das Haus ein Wohnhaus geblieben wäre, hätten sie nicht die gleichen Schwierigkeiten, aber es wurde eben über Jahrzehnte nicht entsprechend instand gehalten.

Größter Kostenfaktor ist der Aufbau eines originalgetreuen Dachs, das allein über zwei Stockwerke hoch ist. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach durch ein Flachdach ersetzt. Holzlehner dazu: „Im Grunde müssen wir einen kompletten Neubau machen.“ Darin befindet sich dann etwa das noch freie Penthouse mit einer Grundfläche von 160 Quadratmetern für 1,2 Millionen Euro - inklusive hochwertiger Ausstattung. Käufer können aber auch den Rohbau verlangen.

Erbaut wurde die Villa von Hermann Heinrich Stephanus. Der Ziegeleibesitzer hatte zuvor bereits ein Haus direkt am Lindener Markt bauen lassen. Der Familie mit fünf Kindern wurde das jedoch zu klein und sie zog in die Gartenallee. In der Wirtschaftskrise mussten Stephanus’ verkaufen. Der dunkle Teil der Vergangenheit liegt in der NS-Zeit, damals bezog die SA das Gebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus kurz von britischen Besatzungsmächten genutzt - bis die Polizeiinspektion West in dem Bau unterkam. Erst 2008 zog sie wieder aus.

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