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KEIN NAZI-BEZUG? Die Stadt wertet Georg Kolbes „Menschenpaar“ als „übermenschlich“.Der Aufstellungsort auf der Bastion verleiheeinen „heroischen Charakter“.

KEIN NAZI-BEZUG? Die Stadt wertet Georg Kolbes „Menschenpaar“ als „übermenschlich“. Der Aufstellungsort auf der Bastion verleihe einen „heroischen Charakter“.© Rainer Droese

Nationalsozialismus

Steht doch keine Nazi-Kunst am Maschsee?

Über drei Jahre wurde über eine neue Infotafel über den Fackelträger und die anderen Kunstwerke aus der Zeit bis 1945 am Maschsee diskutiert. „Unstreitig ... aus dem Staatskunstverständnis der NS-Diktatur hervorgegangen“, ist dort erst seit dem Frühjahr zu lesen. Unnötig?

Hannover. Es geht um den Fackelträger in fast 20 Meter Höhe, den Löwen des umstrittenen Bildhauers Arno Breker oder Georg Kolbes „Menschenpaar“. Forscher eben des Georg-Kolbe-Museums in Berlin versuchen den Verdacht zu entkräften. „Wir haben keine Nazi-Verstrickungen der Bildhauer finden können“, sagt Ursel Berger, die bald in den Ruhestand tretende Direktorin des Hauses. Dort ist gerade eine kleine Archivausstellung zu den Maschsee-Figuren zu sehen.

Der Kunsthistoriker Thomas Pavel hat Wettbewerbsunterlagen, Entwürfe und Korrespondenzen studiert und plant eine Publikation zu den Skulpturen. „Die damals von Künstlern eingereichten Vorschläge nehmen deutlich Bezug zu Hannovers Stadtwappen oder zum Niedersachsenross“, sagt er.

Eine Präferenz für solide bürgerlich-konservative Ästhetik meint man dem damaligen hannoverschen Oberbürgermeister Arthur Menge, dessen Herzensangelegenheit der Maschsee war, anzusehen. Zur Seeeröffnung am Himmelfahrtstag 1936 erschien er mit Gehrock und Zylinder und bildete einen Kontrast zu den vielen Uniformträgern.

Auf den ersten drei Plätzen für die Geibelbastion waren zwei Pferdestandbilder. Ausgewählt wurde schließlich das „Menschenpaar“ von Georg Kolbe, für das übrigens jüdische Geschwister aus Berlin Modell standen,

In der heutigen „Löwenbastion“ waren ausdrücklich Wappentiere verlangt, „nicht-naturalistische“ Tierdarstellungen. Dass Arno Breker sich mit seinen Raubkatzen auf den mittelalterlichen Braunschweiger Burglöwen bezog, bemerkten schon die Zeitgenossen. „Nicht einmal die Breker-Löwen sind eindeutig Nazi-Ästhetik“, sagt Museums-Chefin Ursel Berger, „es ist ein bisschen vergröberter Expressionismus. Solche stilisierten Figuren gab es schon in den zwanziger Jahren.“

Eine witzige Alternative schlug der hannoversche Bildhauer Peter Schumacher vor: zwei kräftige Krokodile rechts und links auf den Treppenwangen.

Mit der Krönungsfigur der sogenannten „Schmucksäule“ am Nordufer gab man sich besonders viel Mühe. Nicht Monumentalität sei ausschlaggebend gewesen, sondern das „Setzen eines architektonischen Akzentes nach dem Vorbild der Hamburger Barlach-Säule zwischen Alster und Rathaus“, sagt Pavel. Der einst golden strahlende Fackelträger des hannoverschen Bildhauers Hermann Scheuernstuhl wurde nach Probeaufstellungen um 60 Zentimeter auf 4,50 Meter Größe verkleinert. Die brennende Fackel deutete der Bildhauer selbst als Lebensflamme. Die von manchen als angedeuteter Hitler-Gruß interpretierte Geste des rechten Arms sei bei antiken Figuren vorgezeichnet.

Historiker Karljosef Kreter, bei der Stadt verantwortlich auch für die Hinweistafeln am Maschsee, war selbst bei der Ausstellungseröffnung in Berlin. Er habe dort interessante neue Details gehört, es bleibe aber dabei, dass am Maschsee „die hannoversche Variante von Nazi-Kunst“ zu sehen sei. Die Schau belege „Verschärfungen“ der Kunstauswahl. Es seien keine Krokodile gewählt worden, sondern ein Löwe. Statt einem Pferd stehe am See nun ein „Herrenmenschen-Paar“, so Kreter über das Kolbe-Werk. Und mit Blick auf sein Museum: „Es ist verständlich, dass das Haus versuchen möchte, seinen Gründungsvater zu entnazifizieren.“

Johanna di Blasi, Dirk Altwig


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