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Meine Stadt Stadtwerke heißen jetzt Enercity
Hannover Meine Stadt Stadtwerke heißen jetzt Enercity
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00:19 05.03.2018
ZUFRIEDEN: Enercity-Chefin Susanna Zapreva und Vorstandskollege Marc Hansmann. Quelle: Foto: Wilde
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HANNOVER

„Das ist nicht nur eine Namensänderung, das ist Teil der Transformation unseres Unternehmens“ erläuterte Vorstandschefin Susanna Zapreva den Namenswechsel. Man sei ja nicht mehr nur lokaler Energieversorger, sondern erschließe sich neue Geschäftsfelder wie die Elektromobilität und trete bundesweit als Anbieter von Energie und Energiedienstleistungen an. Die wohl wichtigste Nachricht für die Kunden in Hannover: „Für 2018 haben wir keine Preismaßnahme geplant“ – sprich: passiert nichts Außergewöhnliches, bleiben die Strom- und Gaspreise von Enercity, wie sie sind. Strom wurde zuletzt zum 1. Januar 2016 teurer, seither gab es keine Änderung mehr. Der Gaspreis wurde zuletzt im Oktober 2012 erhöht, danach blieb er stabil, wurde zum 1. Januar 2016 gar gesenkt und ist seither unverändert.

Das vergangene Jahr lief vom Ergebnis her ähnlich wie das Jahr zuvor – für Finanzvorstand Marc Hansmann, ehemals Kämmerer der Landeshauptstadt, war es jedoch „ein fast schon erstaunlich gutes Jahr“, da man etwa für die Trennung vom Kraftwerk Mehrum 40 Millionen Euro abgeschrieben habe (das Kohlekraftwerk wurde quasi zu einem symbolischen Preis verkauft). Auch wurde im eigenen Netzgebiet etwas weniger Strom und Gas verkauft, das gilt ebenso für Fernwärme und Wasser und sei wesentlich witterungsbedingt beeinflusst. Mit 77,6 Millionen Euro Gewinn nach Steuern liege man dennoch nahezu auf Vorjahreshöhe (78,2), daher sei man „sehr zufrieden mit diesem Jahr“. Der Gewinn beruht zu einem großen Teil nicht auf eigener Leistung: etwa ein Viertel, also gut 25 Millionen Euro, stammen aus der Gewinnausschüttung des Energieversorgers Thüga, zu deren Gesellschafterkreis (kommunale Unternehmen) die Stadtwerke Hannover – und nun Enercity – zählen (und die selbst wiederum 24 Prozent an den Hannoveranern halten). Vom Gewinn fließen 49 Millionen Euro an die VVG, welche damit wiederum die Verluste der Nahverkehrsgesellschaft Üstra auszugleichen hilft (siehe unten). Direkt in die Stadtkasse Hannovers fließt mit 40 Millionen Euro der weit überwiegende Teil der 43,5 Millionen Euro an Konzessionsabgaben, den Enercity dafür zahlen muss, dass der Energieversorger seine Leitungen durch das Gebiet einer Kommune ziehen darf.

Ausblick: Tempo halten

Zapreva will in diesem Jahr „das Tempo beibehalten“ – und am Ende ein Ergebnisplus von etwas über 25 Prozent erreichen, so dass „wir wieder auf einen Jahresüberschuss von über 100 Millionen Euro kommen werden“. Das dürfte man im Rathaus gerne hören, landet doch der Löwenanteil quasi in der Stadtkasse. Der Umsatz wuchs um 5,3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro (in den Vorjahren hatte es mehrmals hintereinander einen Rückgang gegeben).

Zum Erfolg zählt der Vorstand, dass das Unternehmen „erstmals seit Marktöffnung“ (das war 1998) mehr Stromkunden gewonnen als verloren habe, Schwerpunkt sei die Region Hannover gewesen. Das ist laut Zapreva „die Trendwende“ auf dem Weg für das ausgegebene Ziel „Verdoppelung der Kundenzahl bis im Jahr 2035. Um das zu erreichen, bietet Enercity künftig Strom den Privatkunden auch wieder bundesweit an

Elektromobilität für Privatkunden

Ab sofort bietet Enercity auch ein Ladestation-Paket für Elektrofahrzeugnutzer an: Wer so eine Station bestellt und den Strom gleich dazu, zahlt für die Station 589 Euro (plus je nach Gegebenheit Kosten für die Anschlussarbeiten vor Ort); wer mieten will, muss mit monatlichen Kosten von etwa 85 Euro rechnen. Die Station sei günstig, versichert Zapreva, denn „der Wettbewerb verlangt mehr als 1000 Euro“. Das Standardgerät für die Wandmontage wird ähnlich angeschlossen wie ein Herd (400 Volt), leistet aber gut das doppelte (Ladestrom bis 32 Ampere). Von Juni an soll es auch eine „Flatrate“ geben, bei der man eine Pauschale zahlt und dafür „europaweit an allen Ladesäulen“ seine Fahrzeugbatterie aufladen kann.

Investitionen

Auf dem Weg in die Energiezukunft hat Enercity auch viel Geld investiert: Rund 134 Millionen Euro, während es im Vorjahr knapp 90 Millionen Euro waren. Das meiste Geld ging in Finanzinvestitionen, drei Mal so viel wie 2016, floss dabei in Beteiligungen an Unternehmen (Aufstockung beim Wärmedienstleister Danpower) oder auch in Windparks. Auch hier soll es so weitergehen: Zapreva hat vor, die Investitionen im laufenden Jahr „um 30 bis 40 Prozent“ zu erhöhen.

Heizkraftwerk Linden

Überraschend gut gelaufen ist auch das Sorgenkind Heizkraftwerk Linden: Die dort installierte gasbetriebene Turbine stand in den Vorjahren nach Modernisierung des Kraftwerks (2008 bis 2013, Kosten: 155 Millionen Euro) überwiegend still – die Stromerzeugung damit war zu teuer. Im vergangenen Jahr jedoch lief die Gasturbine in den „Drei warmen Brüdern“ laut Hansmann „fast rund um die Uhr“ – Gas war im Vergleich zur Kohle im vergangenen Jahr günstiger geworden.

Die Zahl der Mitarbeiter im Enercity-Konzern ist weiter verkleinert worden: Zum Jahresende gab es noch 2352 Beschäftigte, 65 weniger als ein Jahr zuvor. Im Jahr Ende 2012 waren es noch 241 mehr, also 2593.

Erneuerbare Energieen

Die von Enercity im vergangenen Jahr erzeugte Strommenge war etwas geringer als im Vorjahr (4947 Gigawattstunden, minus 118 GWh). Der Anteil aus erneuerbaren Energiequellen (vor allem Windkraft) betrug 18,4 Prozent – durch den Kauf des Windparkbetreibers von Ventotec und die Trennung vom Kohlemeiler Mehrum vergangenen Herbst soll der „EEG“-Anteil im laufenden Jahr rund 37 Prozent erreichen. Ziel ist ein Anteil von 50 Prozent

Der Gewinner: VVG

Der größte Teil des Enercity-Gewinns fließt an die Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover mbH (VVG). Das ist eine Holding-Firma, deren Anteile zu 80,49 Prozent von der Landeshauptstadt Hannover und zu 19,51 Prozent von der Region Hannover gehalten werden. Die VVG ist mit einem Anteil von 75,09 Prozent an der Stadtwerke Hannover AG (jetzt: Enercity AG), mit 98,38 Prozent an der Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG und mit 100 Prozent an der Infra Infrastrukturgesellschaft Region Hannover GmbH beteiligt (Quelle: Hannover.de)

Von Ralph Hübner

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