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Energie

Stadtwerke Hannover: Preise bleiben stabil

Gute Nachricht für alle Energieverbraucher in der Region: Die Stadtwerke Hannover werden dieses Jahr wohl nicht an der Preisschraube drehen.

Hannover. Vorstandschef Michael Feist sagte auf der Bilanzpressekonferenz Mittwochnachmittag, dass die Preise für Strom, Gas, Wasser und Fernwärme voraussichtlich bis Jahresende bleiben werden, wie sie sind, sofern „nichts Unvorhergesehenes“ passieren wird, was von so großer Bedeutung sei, dass die Stadtwerke reagieren müssten. Zuletzt hat „enercity" Anfang 2014 den Strompreis um 3,5 Prozent erhöht, Fernwärme im Oktober um 3,7 Prozent.

Der Jahresgewinn von 98,1 Millionen Euro viel erwartungsgemäß niedriger aus als 2013 (106,6 Millionen Euro, minus acht Prozent). Damit bleibt auch für die Stadtkasse weniger übrig: unterm Strich fließen 88,9 Millionen Euro an die Anteilseigner (im Vorjahr waren es 97,1 Millionen). Samt Konzessionsabgabe von 40,9 Millionen Euro und Gewerbesteuer in Höhe von 4,6 Millionen Euro landeten bei den Kämmerern laut Feist 117,2 Millionen Euro – weit über 90 Prozent davon  im Neuen Rathaus. Gespart wurde auch: 5,5 Millionen Euro weniger Sachkosten (zehn Prozent), davon 1,5 bis zwei Millionen beim Sponsoring und Marketing. Die Mitarbeiterzahl lag mit 2540 zum Jahresende um 51 niedriger als ein Jahr zuvor.

Einige der Gründe für den von 2,45 auf 2,37 Milliarden Euro leicht gesunkenen Jahresumsatz und den Gewinnrückgang sind niedrigere Preise an der Strombörse, gesunkener Absatz von Strom und Gas, gesunkener Stromverbrauch sowie ein um 20 Prozent eingebrochener Fernwärmeabsatz. Feist: „Das war ein Rekordwarmjahr – 2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881.“ Deutschlandweit sank der Stromverbrauch erneut um vier Prozent. Dennoch sei der eigene Stromabsatz nahezu gleich geblieben. Das bedeute – „in einem schrumpfenden Markt mit härter werdendem Wettbewerb, weil es ein Verdrängungswettbewerb ist“ – faktisch: „Wir haben unseren Marktanteil erhöht.“

Das Aus für das alte Kohlkraftwerk in Hannover-Herrenhausen scheint besiegelt: Laut Technikvorstand Harald Noske gibt es „Signale von der Bundesnetzagentur, dass das Kraftwerk nicht systemrelevant ist“ – und demnach wie von den Stadtwerken gewünscht „spätestens Ende März 2016“ ganz stillgelegt werden kann. Schon jetzt habe man viele Schritte in Richtung Stilllegung unternommen. Zudem werde das Kraftwerk Mehrum bei Peine so gefahren, dass es „ab 2020 in jedem Jahr abgeschaltet werden kann“. Bis dahin werden  jährlich gut 20 Millionen Euro Wertberichtigung die Bilanz trüben. Unschön aus Stadtwerkesicht sind die Einflüsse der Energiewende auf die Gaskraftwerke: Die laufen kaum noch wirtschaftlich, weil zu viel geförderter Wind- und Sonnenstrom auf dem Markt ist und die älteren Kohlekraftwerke auf Hochtouren gefahren werden, da sie viel Profit abwerfen (weil ihre Kosten auch längst abgeschrieben sind). Enercity-Chef Feist nennt es daher „einen Treppenwitz der Geschichte, dass die modernsten, effizientesten Kraftwerke nicht eingesetzt werden können.“ Dafür hätte sein Unternehmen „die Investition von 155 Millionen Euro in eine neue Gasturbine fürs Kraftwerk Linden („Die drei warmen Brüder“) nicht gebraucht.“ Die dort im vergangenen Jahr erzeugte Strommenge „schafft die alte Turbine alleine“ – weswegen die neue kaum eingesetzt werde. Der gute Nebeneffekt fürs Klima: „Wir decken 80 Prozent des Bedarfs unserer Haushaltskunden in Hannover mit Ökostrom“ – im Vorjahr waren es noch 64 Prozent. Das Ziel „100 Prozent“ soll schon 2016/17 erreicht werden statt erst im Jahr 2020.

Überhaupt sind die eigenen Kraftwerke die Sorgenkinder: „Wir segeln mit unseren Kraftwerken wirtschaftlich unter Wasser“, erklärt Technikvorstand Noske. Nur das Gemeinschaftskraftwerk Stöcken liefere noch Gewinn, „alle anderen segeln 30 Millionen unter Wasser“. Nur dank dem Profit aus Stöcken bleibe das Minus bei knapp 19 Millionen Euro (Vorjahr: zehn Millionen Euro).

In den kommenden zehn Jahren werden die Stadtwerke laut Noske  rund 40 Millionen investieren müssen: 20 Millionen in die Modernisierung des Netzes, damit es den Anforderungen der Energiewende gewachsen sein wir und etwa die vielen Zu- und Abschaltungen der Erneuerbaren Energie-Quellen verkraftet. Parallel soll die gleiche Summe in Schaltanlagen und -stationen fließen, um sie für die künftigen Anforderungen zu rüsten.

Derzeit erstellten die Stadtwerke auch ein sogenanntes „virtuelles Kraftwerk“, investiere man zwei Millionen Euro in das Projekt. Vereinfacht gesagt soll mit Computerhilfe eigene Energieerzeugung und die am Netz angeschlossenen Einspeiser (Wind-, Solar-, Biogasanlagen) zusammengefasst und gesteuert werden, damit das Netz im Gleichgewicht bleibt. Das soll nahezu sekündlich abgestimmt werden und alle 15 Minuten das Angebot  am Strommarkt aktualisieren. Dafür würden zehn Mitarbeiter benötigt, wovon sieben tagtäglich rund um die Uhr das System am Laufen halten sollen.

Seit Jahresanfang  bieten die Stadtwerke ihre Produkte nicht mehr nur in Hannover, Laatzen, Langenhagen, Hemmingen, Ronnenberg und Seelze an, sondern auch im Rest der Region –  eigentlich das Gebiet von Eon Avacon, Man wolle da nichts überstürzen, sagt Feist: „Wir kaufen keine Marktanteile. Wir werden sehr robust vorgehen, mit Service punkten“. Man habe schon Kunden gewonnen, in der Größenordnung „eine sehr, sehr niedrige Zahl größer als 100“, am Jahresende aber „soll es schon vierstellig werden“.

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Die Preisvergleichsfrage:

Die Stadtwerke Hannover werben damit, dass sie günstige Strom- und Gaspreise böten: „Energie aus einer Hand – günstig, von hier“ heißt es da, oder „Sichern Sie sich Gas online zum besten Preis pro Kilowattstunde“. Wer freilich Vergleichsportale im Internet nutzt, stellt fest: Beim Strom kann ein Wechsel im schlechtesten Fall 140 Euro sparen, im besten Fall gar 300 Euro (Jahresverbrauch 3500 kWh, durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt). Bei Gas (Verbrauch: 12000 kWh) sind es 255 bis 375 Euro.

Enercity-Chef Feist erklärt das damit, dass „wir unsere Kunden seit 100 Jahren versorgen und das auch die nächsten 100 Jahre noch tun werden. Das kann man nicht von allen Anbietern sagen … da sind teils auch Glücksritter dabei. Außerdem sind wir Teil des örtlichen Wirtschaftskreislaufs – wir geben der Region etwas zurück an Wirtschaftskraft, schaffen Jobs.  Und wir haben Grundversorgerstatus: Nicht jeder Kunde bekommt bei Verivox ein Angebot – wir haben die Verpflichtung, jeden Kunden zu übernehmen. Dafür müssen wir auch vorbereitet sein und die entsprechende Versorgungsmenge vorhalten.“ Wie in dem Fall der Insolvenz von Teldafax, wo plötzlich tausende ohne Versorger dagestanden hätten ­ gäbe es die Grundversorger wie die Stadtwerke nicht. „Dadurch haben wir auch höhere Kosten“, sagt Feist.


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Hannover in Zahlen

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  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
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