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Meine Stadt Stadt zahlt an "Villenschreck"
Hannover Meine Stadt Stadt zahlt an "Villenschreck"
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00:16 28.07.2017
Das Waffenarsenal von Uwe G. war beachtlich.   Quelle: Archiv
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Die Stadt Hannover will einem Verbrecher rund 108 000 Euro zahlen. Auf diesen Vergleich einigten sich Vertreter der Stadt und der Anwalt von Uwe G. (73), Christian Neumann. Schmuck, Uhren und Münzen im geschätzten Wert von 750 000 Euro verblieben im Besitz der Stadt, so Verwaltungsrichter Michael Matthies.

Uwe G. sitzt noch bis Oktober im Gefängnis. Dort verbüßt er eine Haftstrafe wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Im November 2012 fand die Polizei in G.`s Wohnung ein Waffenarsenal, dass selbst Rambo zur Ehre gereichen würde. Darunter waren: eine Panzerfaust, zwei Kilo TNT, zwölf Handgranaten, 44 Maschinenpistolen, unzählige Pistolen, Gewehre und 17 638 Patronen. Dazu hortete der Waffennarr noch Schmuck, Uhren, Münzen und ein Barvermögen in sechsstelliger Höhe.

„Mein Mandant hat 90 000 Euro geerbt“, sagt sein Anwalt. Er habe das Geld geschickt angelegt und auch viel auf Haushaltsauflösungen gefunden. Seitens der Stadt wird das bezweifelt. Uwe G. galt in den 80er Jahren als „Villenschreck“. Der Berufsverbrecher wurde zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Wertgegenstände stammen aus Einbrüchen, heißt es bei der Stadt. Deshalb dürfe man die Dinge nicht herausgeben, um die Opfer vor dem Verlust zu schützen.

Auch bei dem Barvermögen war die Stadt zunächst nicht kompromissbereit. „Er kauft sich davon ja doch nur Waffen“, hieß es am Dienstag. Anwalt Neumann erwiderte: „Mein Mandant hat sich von seinen Taten distanziert. Seine Erkrankung und die Haft haben ihn so beeindruckt, dass er nicht mehr rückfällig wird.“ Laut Richter Matthies leidet Uwe G. unter Magenkrebs.

Mit seiner Zottelmähne und seinem Rauschebart gilt der 73-Jährige als rätselhafter Sonderling. Nach seiner Verurteilung in den 80er Jahren fiel er kaum noch auf. 2009 wurde er aber beim Diebstahl von Lebensmitteln im Penny-Markt erwischt. Zu diesem Zeitpunkt muss er aber schon die Reichtümer gehortet haben. Insgesamt saß er 27 Jahre in Haft.

Der Vergleich sieht vor: Die Hälfte des Barvermögens erhält Uwe G. Die Parteien haben jetzt bis 15. September Zeit, dieses Ergebnis zu akzeptieren. Bei der Stadt muss der Rat in der Sitzung am 24. August zustimmen. Selbst wenn das der Fall sein sollte, war es das noch nicht. Gestern wurde angekündigt, dass sich die Stadt die monatlich ausgezahlte Rente in Höhe von 200 Euro von Uwe G. wiederholen will.

Von Thomas Nagel

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