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ÜBERGABE: OB Stefan Schostok mit Vertretern der Erben – Isabella Reynolds, Jake Reynolds, Vernon Reynolds und dessen Nichte Vivien Minto.

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© Samantha Franson

NS-Zeit

Stadt gibt Raubkunst zurück

Es hat lange gedauert, bis die Zweifel an der Herkunft des Aquarells „Marschlandschaft mit rotem Windrad“ des expressionistischen Malers Karl Schmidt-Rottluff weitestgehend ausgeräumt werden konnten. Nach Ansicht der Limbach-Kommission gehörte es ursprünglich dem jüdischen Fabrikanten Max Rüdenberg. Jetzt wurde es den Erben zurückgegeben.

Hannover. Das Windrad rot, die Marschlandschaft blau und grün, dargestellt in verwaschenen Aquarellfarben – das 1922 entstandene Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff ist ein Klassiker des Expressionismus. Rund 40 Jahre war es Teil der Sammlung Sprengel und immer wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Und doch ist es auch ein Stück NS-Raubkunst.

Nun wurde „Marschlandschaft mit rotem Windrad“ offiziell den Erben des früheren Besitzers zurückgegeben, also restituiert, wie es korrekt heißt.

Denn vieles spricht dafür, dass das Bild ursprünglich dem Bettfedernfabrikanten Max Rüdenberg gehörte. „Die Familie Rüdenberg ist ein wichtiger Teil der hannoverschen Geschichte“, sagte OB Stefan Schostok bei der Übergabe. Der Fabrikant war zunächst Bürgervorsteher in Linden und blieb auch nach der Eingemeindung in der Stadt Hannover kommunalpolitisch aktiv. Als Kunstsammler gehörte er zu den Gründern der Kestner-Gesellschaft. Doch nach der Machtergreifung der Nazis verlor die Familie im Zuge der „Arisierung“ ihren gesamten Besitz. Max und seine Frau Margarethe Rüdenberg kamen im KZ Theresienstadt ums Leben, ihre Kinder hatten nach England in Sicherheit gebracht werden können.

Unter dem Druck der Verfolgung hatte sich Max Rüdenberg von Teilen seiner Sammlung trennen müssen – zu Schleuderpreisen. Vermutlich gelangte die „Marschlandschaft“ über den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt und den hannoverschen Zwischenhändler Erich Pfeiffer in den Besitz Bernhard Sprengels. Ein Vermerk Sprengels, ein Gemälde zu dem günstigen Preis von 180 Reichsmark erstanden zu haben, könnte sich auf das Aquarell von Schmidt-Rottluff beziehen. Könnte, muss es aber nicht.

Unsicherheiten wie diese waren für die Stadt offenbar Grund für die zögerliche Rückgabe. Zu vage schien die Herkunft des Kunstwerks. „Für die Zeit von 1922 bis zum Ende der 30er Jahre fehlen einschlägige Dokumente“, so Schostok. Während die Nachfahren Rüdenbergs, vertreten durch den Enkel Vernon Reynolds und dessen Sohn James, sich bereits seit 2008 um eine Rückgabe bemühten, kam die Angelegenheit bei der Stadt erst 2013 in Schwung, als sich der frisch gewählte Schostok mit dem Fall konfrontiert sah.

„Ich habe sofort mit der Familie Kontakt aufgenommen“, sagte er. Die Situation sei von beiden Seiten als verworren empfunden worden. Gemeinsam entschloss man sich, die Limbach-Kommission einzuschalten. Die kam zu dem Schluss, dass es sich bei dem Bild um Raubkunst handele, und empfahl die Restitution.

Schostok: „Für uns war es von Anfang an eine Selbstverständlichkeit, der Empfehlung folgen zu wollen.“ Dem schloss sich der Rat im März an. Über die Zukunft des Bildes hat die Erbengemeinschaft noch nicht entschieden. Schostok drückte seine Hoffnung aus, dass das Gemälde auch künftig öffentlich zu sehen sein wird.

Von Andreas Krasselt


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