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Meine Stadt Staatspreis für „Hafven“
Hannover Meine Stadt Staatspreis für „Hafven“
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00:17 17.06.2018
Fällt auf: Der „Hafven“ an der Kopernikusstraße in der Nordstadt. Rund 1000 Mitglieder hat dieser bereits, die darin arbeiten und experimentieren. Das Gebäude besteht zu großen Teilen aus rauem Beton, wie er auch im Tunnelbau verwendet wird. Quelle: Fotos: Wilde
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Hannover

Oft, wenn Bauherren bei einem Projekt sparen müssen, sieht man das dem Endergebnis an. Das kommt dann weniger schick, vielleicht sogar ein bisschen billig daher. Es sei denn, man macht aus dem Zwang zum Verzicht ein Thema und gleicht begrenzte finanzielle Spielräume mit Kreativität aus. Dann kann man sogar hochkarätig abräumen. So wie der „Hafven“ in der Nordstadt, am Donnerstag mit dem Niedersächsischen Staatspreis für Architektur ausgezeichnet.

„Hafven“ – das ist nicht nur ein ungewöhnlicher Name. Das ist auch ein ungewöhnlicher Ort, an dem Menschen anders arbeiten, als es die meisten Bundesbürger zurzeit noch gewohnt sein werden. „Coworking und Makerspace“ nennt sich das Projekt. Zu deutsch: Büroarbeit – allerdings ohne festen Arbeitsplatz – und Handwerk unter einem Dach.

Die Mitglieder des als Club organisierten „Hafven“ teilen sich Arbeitsräume und Maschinen. Sogar einen 3-D-Drucker gibt es, der direkt ausspuckt, was am Computer entworfen wird.

Als Kreativschmiede gilt der „Hafven“. Anca Timofticiuc hatte den Auftrag, den Rahmen dafür zu schaffen. Mit viel rauem Beton kommt das Gebäude daher. Der sieht in diesem Fall nicht nur gut und genauso gewollt aus. Er ist auch viel billiger als die fein geschliffene Edelvariante des Baustoffs, der am Erweiterungsbau des Sprengel Museums verwendet wurde. „Unser Beton kommt eigentlich im Tunnelbau zum Einsatz“, erklärt die Architektin. Und die Innenwände seien eigentlich Kellerwände.

Die riesigen Betonplatten zur Straße hin setzen klotzig spannende Kontraste. Sind aber eben auch günstig, weil sie so groß sind und oft bestellt werden konnten. Estrich wurde nicht verlegt. „Das ist alles Industriestandard. Wir wollten Räume schaffen, die auch provozieren. Die Menschen, die sie nutzen, müssen sie mit Leben füllen“.

Jürgen Pleteit ist der Bauherr des „Hafven“. Sechs Millionen Euro hat er investiert. Das ist natürlich viel Geld – und doch wenig für das, was er dafür bekommen hat. Sein Konzept scheint aufzugehen. 1000 Mitglieder hat der Club bereits. Auch große Unternehmen wie die Continental AG sind dabei, schicken Mitarbeiter dorthin, um sich bei ihrer Ideenfindung beflügeln zu lassen. „Förmlich explodiert“ sei die Kreativität dadurch, dass er „Coworking“ und „Makerspace“ unter einem Dach vereint habe, berichtet Pleteit. Auch der Bauherr selbst tobt sich in dem Gebäude aus. Sein neuestes Projekt: Bienenzucht. Den Nektar dafür gibt es gleich auf dem wildwiesengrün bepflanzten Dach des „Hafven“.

Das alles überzeugte auch die Preis-Jury. Deren Vorsitzender Michael Schumacher lobte den „Mut zu sowohl inhaltlich als auch formal neuer und eigenwilliger Agentur“. Billig? Von wegen.

Von Christian Bohnenkamp

Von C. Bohnenkamp

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