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Zoo Hannover

Staatsanwaltschaft: Keine Tierquälerei bei den Elefanten

Entlastung für den Zoo Hannover: Die Staatsanwaltschaft sieht keine Anhaltspunkte für Tierquälerei und hat das Verfahren eingestellt. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte im April Strafanzeige gestellt und ihre Vorwürfe mit heimlich gefilmten und umstrittenen Videomaterial untermauern wollen. Peta hat die Vorwürfe erneuert und Beschwerde gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft angekündigt.

Hannover. Zutraulich nähert sich der Elefant seinem Pfleger, lehnt sich an und lässt sich liebvoll über den Kopf streicheln. Im Hintergrund unterstreicht niedliche Musik das Zoo-Idyll. Szenen, zusammengeschnitten aus demselben Filmmaterial, das Peta der Staatsanwaltschaft zugestellt hatte, um die Misshandlung der Elefanten zu dokumentieren. Diesmal mit gegenteiliger Botschaft vom Zoo zusammengestellt, und von Zoochef Andreas Casdorff mit den Worten eingeleitet: „Jetzt will ich Sie mal manipulieren.“

Die Staatsanwaltschaft hat das von der Tierrechtsorganisation angestrengte Ermittlungsverfahren wegen Tierquälerei eingestellt. Doch die über Fernsehen und soziale Medien verbreiteten Bilder bleiben in vielen Köpfen hängen. „Peta hat bewusst manipuliert“, betont Casdorff und verweist auf ein Gutachten der Medienwissenschaftlerin Annika Schach (siehe Kasten).

Mit möglichen unbewussten Einflüssen des Peta-Videomaterials auf die Betrachter hat sich indes die Staatsanwaltschaft nicht befasst. Den Juristen wie den bestellten drei externen Sachverständigen ging es ausschließlich um die Frage, ob Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festzustellen waren. Und dies hat die Behörde nun klar verneint.

„Dagegen sprach insbesondere, dass die Tiere sowohl bei den Kontrollen durch die Veterinärbehörde als auch bei den Besuchen der Gutachter keine Anzeichen für Verhaltensstörungen, Fluchtverhalten oder Scheu vor Menschen zeigten, sondern stattdessen den Kontakt zu den Pflegern aktiv suchten“, heißt es in der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft.

Als Gutachter bestellt waren Prof. Hansjoachim Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der Osnabrücker Zoodirektor und ehemalige Zootierarzt in Hannover und Hodenhagen, Michael Böer sowie der frühere Hamburger Zoochef Stephan Hering-Hagenbeck. Alle drei hatte Peta zuvor als voreingenommen kritisiert. Jetzt aber will die Organisation sie als Zeugen vereinnahmen: Sowohl Hackbarth als auch Böer hätten erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden bei den Elefanten konstatiert, behauptet die Organisation und kündigte Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahren an. Hering-Hagenbeck habe zudem einen übertriebenen und unangemessenen Einsatz des Elefantenhakens bestätigt.

Diesen räumt auch Zoochef Casdorff ein, als er den Medien einige längere Filmsequenzen aus dem vollständigen Videomaterial vorspielte. Es ist eine alltägliche Trainingssituation mit dem Jungbullen Taru zu sehen. Mehrere Minuten lang ist das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Tier und Tierpfleger zu beobachten, immer wieder steckt der Mensch dem 800 Kilo schweren Elefanten Leckerli zu, als Belohnung. Einmal aber geht er ihn arg ruppig mit dem Haken am Hals an, man hört ein lautes Tröten, ob von Taru oder von einem anderen aus der Gruppe ist nicht festzustellen.

„Etwas mehr Ruhe wäre besser gewesen“, räumt Casdorff ein. „Aber 800 Kilo kann man nicht mit Handauflegen zum Setzen bringen.“ Peta zeigte nur Ausschnitte. Das vollständige Videomaterial entlaste den Zoo. Dies sei aber eine der Szenen, die zur Überprüfung eigener Abläufe gedient hätten.

„Wir haben selbstkritisch alles noch mal auf den Prüfstand gehoben und viele kleine Veränderungen umgesetzt oder angeschoben.“ Den Umbau der Elefantenanlage habe er bereits 2015 angekündigt. Die neue Anlage werde die Haltung im geschützten Kontakt ermöglichen. Zukünftig würden mit den Elefanten auch nur noch Übungen zu tiermedizinischen oder -pflegerischen Zwecken gemacht. „Übungen zur Beschäftigung, die möglicherweise zu Missverständnissen führen können, nicht mehr“, so Casdorff.

Die nun aber laut Peta von den Gutachtern attestierten „erheblichen Schmerzen und Leiden“ konnte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen – zumal das Materia von Peta bereits ein halbes Jahr alt gewesen sei, Verletzungen der Tiere also nicht mehr festzustellen gewesen seien. „Die Gutachter haben kurze Schmerzreize nicht ausgeschlossen“, so Sprecherin Kathrin Söfker, „aber das ist etwas anderes, als die länger anhaltenden oder sich wiederholenden, erheblichen Schmerzen im Sinne der Straf- und Bußgeldvorschriften des Tierschutzgesetzes.“

Rechtliche Schritte gegen Peta will der Zoo indes nicht einlegen. „Das ist eine Falle, in die wir nicht gehen“, sagt der Zoochef. Würde er eine Unterlassungserklärung anstrengen, könnte das Gericht die Kampagne jedoch als Meinungsäußerung statt als Tatsachenbehauptung werten – auf dem Papier ein juristischer Erfolg für Peta der medial als Bestätigung verwertet werden könnte. Casdorff: „Wir schalten diese Seite komplett ab und kümmern uns um unsere Tiere.“

So soll Peta mit Bildern manipuliert haben

Am 4. April berichtete das ARD-Magazin „Report Mainz“ über die Vorwürfe von Peta. Die Organisation hatte auf 14 Minuten Videomaterial dokumentieren wollen, dass Elefanten mit Elefantenhaken gequält würden, um Dressurakte für Tiershows einzustudieren.

Erst im Juni stellte die Organisation dann das vollständige Filmmaterial zur Verfügung. Zwei Wochen lang hatte Peta heimlich gefilmt, die Aufnahmen dann auf fünf Stunden verdichtet. Für ihre Kampagne wurde das Material auf 14 Minuten zusammengeschnitten und für den TV-Bericht noch einmal auf zwei Minuten komprimiert.

Laut Zoochef Andreas Casdorff hat die Medienwissenschaftlerin Annika Schach von der Hochschule Hannover das Video in einem 58-seitigen Gutachten analysiert. Dabei sei sie zu dem Schluss gekommen, dass ein unvoreingenommenes Wahrnehmen gar nicht möglich sei, der Zuschauer also durch die Macht der Bilder manipuliert werden sollte. Die Methoden dazu seien unter anderem Farbveränderungen und so genannte Jump-Cuts, kaum wahrnehmbare Aneinanderreihungen unterschiedlicher Szenen. Und durch Konvertierung der Aufnahmen von 30 auf 25 Bilder pro Sekunde seien Bewegungsabläufe beschleunigt worden. Hinzu kamen Texteinblendungen mit dominierender Appellfunktion und einer skandalisierenden Wortwahl.

Von Andreas Krasselt

Hannover, Zoo

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