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Meine Stadt Sprachhistoriker: Hannoveraner sprechen Sächsisch
Hannover Meine Stadt Sprachhistoriker: Hannoveraner sprechen Sächsisch
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19:40 17.07.2010
Die Hannoveraner sprechen gar nicht so reines Hochdeutsch, wie sie bisher dachten. Quelle: Frank Wilde, NP
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HANNOVER / HILDESHEIM. „Im Mittelalter wurde überall in Norddeutschland Plattdeutsch gesprochen. Bei der Reformation haben die Hannoveraner die religiösen Texte von Luther und Melanchthon auf dem Papier gesehen und versucht, dies nachzusprechen“, sagte der Sprachwissenschaftler Ulrich Knoop in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. „Das heutige Hochdeutsch basiert also auf der Sprache der Reformatoren, allerdings in niederdeutscher Lautung“, sagte Knoop.

Die Sachsen wiederum hätten ihr Hochdeutsch von den Schwaben gelernt. Denn „hoch“ ist laut Knoop ursprünglich geografisch gemeint gewesen und wurde im Hochland und den Hochgebirgen im Süden Deutschlands entwickelt. „Wenn die Baden-Württemberger heute werben: 'Wir können alles außer Hochdeutsch', dann ist das grundfalsch. Sie wissen nicht mehr, was sie können“, sagte der 69-Jährige.

Erst vor 200 Jahren hätten die Deutschen vermehrt eine gemeinsame deutsche Sprache gesprochen. An der flächendeckenden Verbreitung der deutschen Hochsprache im 19. Jahrhundert war nach Einschätzung von Knoop das Theater maßgeblich beteiligt. „Wenn Theateraufführungen zum Beispiel mit einem Schauspieler aus Schwaben, einem aus Franken und einem aus Sachsen stattfanden, dann war das ein buntes Sprachgemisch und die Leute hörten gar nicht mehr dem Text zu, sondern amüsierten sich über die Aussprache der Schauspieler“, erklärte Knoop.

„Als erster hat Johann Wolfgang von Goethe Sprachregeln für sein Theater in Weimar entwickelt, damit sich niemand mehr über die Heimatdialekte der Darsteller lustig machen konnte“, sagte Knoop. Der Sprachwissenschaftler Theodor Siebs habe 1898 schließlich ein Aussprachewörterbuch erstellt, das auch maßgeblich für den Rundfunk und damit überhaupt für die Hochsprache geworden sei. „Siebs hat natürlich gemerkt, dass die Norddeutschen die Aussprache wesentlich einheitlicher und schriftnäher realisieren als die Süddeutschen.“ Am besten hätten der Großraum Hannover inklusive Lüneburg, Celle und Magdeburg die Schriftsprache gesprochen. Hamburg, Bremen und die anderen Nordniederdeutschen seien jedoch zunächst bei Plattdeutsch geblieben.

Doch auch in Hannover werde genaugenommen Dialekt gesprochen. Die Stadt liege nicht „an der Leine“, sondern „anner Laane“ und Hannoveraner seien nie in „Eile“, sondern nur in „Aale“. Das findet Knoop gar nicht schlimm. Erstens gebe es keinen Normenausschuss, der das Hochdeutsch definiere oder überwache. „Und außerdem ist jede sprachliche Varianz von Vorteil, weil sie das Sprachzentrum anregt. Wenn wir nur eine Normsprache hätten, wären wir viel ärmer.“ (dpa)

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