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Meine Stadt Sollte das Land Hannovers Kulturschätze übernehmen?
Hannover Meine Stadt Sollte das Land Hannovers Kulturschätze übernehmen?
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22:26 24.05.2018
Die Herrenhäuser Gärten sollten nach einem Vorschlag von Kulturminister Thümler dem Land gehören. Quelle: Stratenschulte/dpa
Hannover

Das hört sich erst einmal bedrohlich an. Das Land Niedersachsen will der Stadt Hannover die Herrenhäuser Gärten wegnehmen. Dafür soll sich die Stadt finanziell an den Staatstheatern beteiligen. Und das Land hätte dann gerne auch noch das Sprengel Museum in alleiniger Trägerschaft. Wie eben auch die Herrenhäuser Gärten.

Der Plan stammt von Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler (CDU) und wurde Oberbürgermeister Stefan Schostok in einem Brief präsentiert. Genannter Grund: Dann lassen sich die Leuchttürme wie Großer Garten und Sprengel doch besser vermarkten. Mit dem Sprengel Mu­seum könnte man außerdem zusammen mit dem Landesmuseum eine „Museumsmeile“ aufmachen. Außerdem sei alles weitgehend kostenneu­tral, die zwölf Millionen Euro, die die Stadt für die Herrenhäuser Gärten ausgibt, würden dann eben in die Staatstheater fließen. Aber ist das wirklich der Grund für den ungewöhnlichen Vorstoß?

Weil pfeift seinen Minister zurück

Der Hintergrund dürfte eher das erneute Aufkochen der Debatte Stadt-Land sein: Viele Kommunen sehen sich kulturell benachteiligt, weil unangemessen viel Geld in die Landeshauptstadt fließe. Kunstfestspiele, große Oper, die im oberen Drittel der deutschen Musiktheaterliga spielt. Das Sprengel Mu­se­um von internationalem Rang mit „Made in Germany“-Ausstellungen. Da kommt dann offenbar bei kleineren Kommunen im Land schnell das Gefühl auf, dass man mit den eigenen Theatern und Ausstellungshäusern in Osnabrück, Oldenburg oder Göttingen zu kurz komme. Allerdings sollte man akzeptieren, dass die Landeshauptstadt nun einmal eine besondere Rolle in Niedersachsen einnimmt.

Das sieht wohl auch der Ministerpräsident ähnlich: Stephan Weil hat die aufkommende Debatte über die Thümler-Pläne kurzerhand beendet. Weil, Abgeordneter aus Hannover und ehemaliger Oberbürgermeister, ließ Donnerstag offiziell verkünden: „Der Ministerpräsident hält nichts von dem Vorschlag des Kulturministers Thümler. Damit dürfte die Diskussion beendet sein.“ Deutlicher kann ein Nein gegenüber einem Mitglied des eigenen Ka­binetts nicht mehr ausfallen.

Der Vorschlag Thümlers traf selbst bei den eigenen Leuten nicht auf volle Zustimmung. CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer aus Hannover erklärte, über das Sprengel Museum könne man diskutieren, „allerdings sehe ich die Übernahme der Herrenhäuser Gärten durch das Land als schwierig an“.

Alles nur heiße Luft?

Alles nur heiße Luft? Die hannoverschen Institutionen sind eher wenig beunruhigt über den möglichen Ringtausch. „Kein Kommentar“ (Oper und Staatsschauspiel), „keine Zeit, sich damit zu beschäftigen“ (Sprengel Museum) – so richtig will hier keiner in die Debatte einsteigen.

Die halten es genau so wie die Stadt, die nur auf den Ministerpräsidenten verweist. Und auch auf den Vertrag zwischen Stadt Hannover und Land Niedersachsen über das Sprengel Muse­um. Der ist nämlich nur kündbar, wenn sich „die Verhältnisse so gundlegend geändert haben, dass eine Fortführung nicht mehr zumutbar ist“. Und davon sind die Vertragsparteien nun noch sehr weit entfernt.

Kommentar: Der Kulturminister spielt Theater

Kulturminister müssen sich mit Theater auskennen. Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU) hat jetzt sogar Theater veranstaltet. Sein Vorschlag: Die Herrenhäuser Gärten sollen nicht mehr Hannover gehören, sondern dem Land Niedersachsen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) musste Thümler am Donnerstag zurückpfeifen.

Was sich Thümler aus dem schönen Brake an der Unterweser vom Griff nach den Herrenhäuser Gärten versprochen hat, bleibt im Dunkeln. Erstaunlich ist allerdings, dass erst Weil dazu deutlich Nein sagen musste. Es wäre Sache von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) gewesen, solche Gedankenspiele sofort zu beenden.

Das Ganze war nicht Thümlers erste ungewöhnliche Idee. Im Wahlkampf hatte er ein Heimatministerium gefordert, mit Dienstsitzen auch in Braunschweig und Oldenburg.

Es überrascht nicht mehr, dass ein CDU-Minister aus Weils Kabinett mit einer Idee nach vorne stürmt, die mit den Kollegen nicht abgesprochen ist. Mit SPD und CDU sitzen zwei fast gleich starke Partner am Tisch. Beide haben sich zur „Niedersachsen-Partei“ erklärt, es herrscht ein leichter Dauer-Wahlkampf. Für Weil ist das anstrengend. Tragisch sind die Polit-Raufereien aber noch nicht – jedenfalls solange die Koalition das echte Arbeiten nicht vergisst und mit ihrer Mehrheit etwas für die Bürger bewirkt.

Dirk Altwig

Henning Queren und Dirk Altwig

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