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Meine Stadt So will die Stadt Hannovers Verkehr lenken
Hannover Meine Stadt So will die Stadt Hannovers Verkehr lenken
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00:21 08.12.2018
Nichts geht mehr: Stau am Leibnizufer. Mit dem neuen Verkehrsmanagement-System der Stadt soll das seltener vorkommen. Quelle: Dröse
Hannover

Die Bevölkerung ist spürbar angewachsen, die Zahl der Pendler hat zugenommen, die der Autos pro Einwohner auch. Die Verkehrssituation in Hannover wird sich deshalb nicht nur gefühlt verschlechtert haben. Mit digitaler Technik will die Stadt nun gegensteuern. Dem Bauausschuss hat sie am Mittwoch ein gut vier Millionen Euro schweres Paket vorgelegt, mit dem sie den Verkehr schon bis Ende 2020 flüssiger machen will.

Der Zeitrahmen für die Umsetzung des sogenannten Verkehrsmanagement-Systems ist auch deshalb so ehrgeizig gesetzt, weil rund die Hälfte des Geldes aus dem Fördertopf des Bundes für saubere Luft in Städten kommt, in denen wegen zu hoher Stickoxidwerte Fahrverbote drohen. Dauert es zulange, drohen die Mittel zu verfallen. Möglich geworden ist das Projekt, weil die Stadt einen neuen Verkehrsrechner angeschafft hat, der deutlich leistungsfähiger ist als sein Vorgänger.

Geplant sind verschiedene Module, die künftig noch ausgebaut werden können. Im Wesentlichen soll das System automatisiert erkennen, wo Staus entstehen und dann auch darauf reagieren, zum Beispiel, indem es die Ampeln anders schaltet und Umleitungen empfiehlt. Außerdem soll es schon die Basis sein, auf der später automatisiertes Fahren möglich wird. Es soll also auch in der Lage sein, mit den Autos zu kommunizieren. Einen „bedeutenden Schritt Richtung Smart City“ sieht die Stadt in dem Vorhaben.

Konkret will die Verwaltung dazu zwischen den Ampeln Messstrecken einrichten, in denen sowohl die Dichte des Verkehrs als auch deren Geschwindigkeit erfasst werden soll. Diese wiederum müssen mit dem Verkehrsrechner verbunden werden, damit die Daten erfasst und ausgewertet werden können. Doch nicht nur Ampeln, sondern auch ganze Fahrzeugflotten sollen mit dem Rechner kommunizieren. Dafür kommen zum Beispiel die Fahrzeuge der Stadt in Frage. Sie will aber auch Kontakt zu Firmen mit eigenem Fuhrpark oder mit vielen Pendlern suchen. Zunächst für einen Testversuch, der rund vier Wochen dauern soll.

Stadt will Verkehrsblockaden verhindern

Steuernd eingreifen will die Stadt in den Verkehr zunächst in vier Bereichen. Einer davon ist die nördliche Innenstadt, wo es in der Vergangenheit vor allem im Weihnachtsgeschäft zu chaotischen Zuständen kam. Auch die Stadt spricht von „deutlichen Überlastungssituationen“, die „zu einer gegenseitigen Blockade“ geführt hätten. Sie will deshalb „spezielle Signalprogramme“ entwickeln, mit denen sich der Bereich schneller leeren lässt.

Stärker den Verkehr lenken will die Stadt auch bei großen Veranstaltungen auf dem Schützenplatz, in der HDI-Arena und dem angrenzenden Sportpark mit der Parkbühne und der Swiss Life Hall. Bisher werden dafür Ampeln abgeschaltet, und die Polizei regelt den Verkehr. Künftig soll auch diese Aufgabe stärker durch das neue Steuerungssystem übernommen werden. Außerdem will die Stadt auch sechs neue Anzeigen mit LED-Technik aufstellen, die den Verkehr beeinflussen sollen.

Auch im Bereich der Göttinger Chaussee und der Friedrich-Ebert-Straße will die Stadt eingreifen, weil dort die Luftbelastung besonders hoch ist. Erneuert werden soll auch die Ampeltechnik rund um die Messe, die größtenteils aus den Jahren 1999 und 2000 stammt.

Bessern soll sich die Situation auch durch neue Programme für das Smartphone. Zum einen soll es einen Ampel-Assistenten geben, der Autofahrern Empfehlungen geben soll, wie sie möglichst flüssig über Kreuzungen kommen können. Außerdem soll es eine App geben, die die Autofahrer zu freien Parkflächen und Parkhäusern lotsen soll.

Chaos-Kurve: Stadt sieht Polizei in der Pflicht

Neue Beschilderung, neue Markierungen auf der Straße – alte Probleme: Die Zahl der Falschfahrer in der Kurve zwischen Ernst-August-Galerie und Hauptbahnhof ist immer noch groß. Sie war auch Thema im Bauausschuss am Mittwoch. „Es gibt große Irritationen“, kritisierte Jens Pielawa von der Initiative Pro-D-Tunnel. Es könne „keiner mehr erzählen, dass er es nicht erkennt“, entgegnete Andreas Bode, Chef des Tiefbauamtes. Viele würden sehr wohl die Markierungen und Schilder verstehen, und „halten sich trotzdem nicht dran“, sagte er. Das sei dann allerdings „keine kommunale Aufgabe“, sondern Sache der Polizei. Auch Stadtbaurat Uwe Bodemann findet, dass sich die Veränderungen „positiv ausgewirkt haben“. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Situation verbessert. boh

Kritik an den Plänen gibt es vom Bündnis „HannovAir“, das für saubere Luft in Hannover kämpft. Dieses bemängelt, dass vier Millionen Euro ausgegeben werden, um den Autoverkehr flüssiger zu machen. Für eine erste Fahrrad-Veloroute nach Isernhagen seien jedoch nur 0,5 Millionen Euro vorgesehen. Eine Befürchtung der Umweltaktivisten: Wird der Verkehr flüssiger, könnten noch weniger Bürger auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad umsteigen.

Elisabeth Clausen-Muradian, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, vermisst die Verknüpfung des Systems mit anderen Verkehrsmitteln. „Für mich hört sich das an, als ob es in Hannover nur Autos gibt“, kritisierte sie. Ein „zweifelhaftes Konzept“ sieht ihr Parteikollege Daniel Gardemin in dem System und kündigte „intensive Diskussionen“ darüber an. Es waren auch die Grünen, die die Abstimmung im Bauausschuss vertagten.

Tiefbauamtschef Andreas Bode dämpfte jedoch die Erwartungen an das neue System. Dieses werde „nicht dazu führen, dass die Strecken deutlich attraktiver werden“. Es gehe darum, die Probleme und damit verbundene Luftverschmutzung vor allem zu Spitzenzeiten zu senken.

Von Christian Bohnenkamp

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