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Reduzierte Mimik: Die Pet Shop Boys Chris Lowe (links) und Neil Tennant in Hannover.

Reduzierte Mimik: Die Pet Shop Boys Chris Lowe (links) und Neil Tennant in Hannover.

Konzert

So war es bei den Pet Shop Boys

Das aktuelle Album heißt „Super“, das Konzert war es auch: Die Pet Shop Boys spielten in der Swiss-Life-Hall.

Hannover.  Am Anfang sind da nur zwei Kreise. Sie, erstrahlen, blinken, vermehren sich. Tiefe Bässe dazu. Dann ein Meer aus Kugeln, die gen Himmel streben, wie die Ballons aus „Oben“, Pixars Sehnsuchtsfilm über einen alten Mann, der noch einmal loszieht, ein Abenteuer zu erleben. Es sind aber zwei Männer, die unter Jubel die Bühne der Swiss-Life-Hall betreten: Neil Tennant und Chris Lowe, 62 und 57 Jahre alt, die Pet Shop Boys, und die sind auf „Super“-Tour.

Es wird: super. Mit einem Song vom gleichnamigen aktuellen Album geht es los: „Inner Sanctum“. Tennant und Lowe haben Diskokugeln als Helme aufgesetzt; die muss man erst einmal in Würde tragen können. Oder in heiligem Unernst.

Die Briten haben mit unwiderstehlichem Synthiepop und bissigen Worten die Musik der 80er Jahre auf den Punkt gebracht, als die noch liefen: „Opportunities“ (Let’s Make Lots of Money), das sie als zweites Lied des Abends liefern, und ihr Debüt „West End B

oys“, das später noch kommt, spielten ge­schickt mit dem geistig-moralischen Ende der Zeit, dem Schwanken zwischen Thatchers Neoliberalismus und ferner „Wall Street“-Verlockung, Hedonismus und Hundeelend, poppigstem Pop und subversiven Texten.

„Ich liebe dich, du zahlst meine Miete“, sang Tennant damals mit seiner melancholischen Nichtstimme. Heute tut er es nicht, stattdessen „Love Is a Bourgois Con­struct“ vom „Super“-Album: Die Liebe ist ein bürgerliches Konstrukt. Die Pet Shop Boys sind Pop-Noblesse und Arbeiterhelden, große Ironiker und Künstlerseelen. Der Flirt mit ihrer eindeutigen Zweideutigkeit machte sie immer auch zu Gay-Ikonen. Die Gemeinde feiert, auch wenn mit nur 2500 überraschend wenige Fans da sind.

Lowe steht fast regungslos hinter seinem spartanischen Keyboard-Pult. Tennant bewegt eigentlich auch nur die Lippen. Mehr braucht es auch nicht; die dreiköpfige Band, die enthüllt wird, als der Vorhang fällt, ist kaum mehr als eine Dreingabe.

Nicht aber das exquisite Lichtkonzept, mit Lasern, viel Rauch, unzähligen Scheinwerfern und vor allem immer wieder den projizierten Kreis-Strukturen – stilvoller kann man sich nicht in selbigem bewegen. Augen, Brüste, Zielscheiben, Sterne entstehen und vergehen.

Die Hits bleiben: Neben viel Neuem gibt es Gassenhauser „It’s a Sin“, „Go West“, „Domino Dancing“ und „Always on my Mind“. Besser geht es kaum – eine runde Sache.

Von Stefan Gohlisch


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