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Meine Stadt So war die Premiere des Kleinen Fests im Großen Garten
Hannover Meine Stadt So war die Premiere des Kleinen Fests im Großen Garten
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00:16 15.07.2017
Sommerlich: Im Gartentheater gibt es dieses Jahr die Show „Sur Mesure“ von Fillage. Quelle: dpa
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Hannover

Manchmal be­steht Glück nur darin, nicht nass zu werden. In der Flaniermeile beim Kleinen Fest im Großen Garten hat sich ein dreifaches Manneken Pis aufgebaut. Nicht jeder beachtet das „Caution – Piss-Zone“-Schild und muss dann kräftig zur Seite springen, wenn es ihm plötzlich entgegenstrullert. Die Mannekens feixen, die Umstehenden tun es auch. Und irgendwann tut es auch der Gerade-noch-Davongekommene.
Ein großer Hort der Freude ist der Große Garten einmal mehr geworden. Im 32. Jahr ist er nun Schauplatz des Kleinen Festes geworden, das längst ein großer Imagefaktor für Hannover geworden ist. Die Kartennachfrage überstieg wieder einmal massiv das Angebot. Die ganze Welt der Kleinkunst präsentiert sich hier: 110 Künstler aus 16 Ländern auf 35 Bühnen, dazu noch 15 Walk-Acts.
Lange sah es am Mittwochabend witterungsbedingt nicht so aus, als könne die diesjährige Premiere stattfinden. Sie wird verregnet, nass und kalt. Akrobatiknummern fallen aus. Doch wo gespielt wird, ist die Stimmung gut. Da stromern menschengroße Katzen durch die Rabatten, eine Meerjungfrau kullert vorbei, und irgendwo pellt Kleines-Fest-Factotum Frans seine Gemüsegurke, als sei es eine Banane.
Glücksgefühle kommen in allen Dosen – zum Beispiel ganz leise und zart im Vorlesezimmer von Claudia Schnürer, die für jeden Besucher ein persönliches Ge­dicht parat hat. Oder laut und spektakulär bei der maritim-musikalischen Ar­tistik-Show „Sur Mesure“ im Gartentheater, mit Blasquartett und Trampolin. Organisator Harald Böhlmann – nur echt mit Zylinder – hat kräftig durchgeschüttelt: Die Hälfte der Künstler ist zum ersten Mal da.
Die greise Sängerin Mrs. Brownie, eine menschengroße Puppe, singt virtuos von ihrem langen Leben. Ein paar Meter weiter lockt das Duo Manducas mit so selbstironischer wie perfekter Retro-Akrobatik, aufgemalte Schnurrbärte und Pumphosen inklusive. Und Thomas Kreimeyer zieht in seinem „Steh-Greif-Kabarett“ ge­konnt und spontan seine Zuschauer durch den Kakao. Schöne Neuentdeckungen.

Das Kleine Fest hat sich inzwischen auch zu einer echten Künstlerbörse entwickelt, erzählt Böhlmann zwischendurch bei einer Erfrischung beim Moccamaker: Neben all den fröhlichen Besuchern amüsieren sich auch etliche Scouts in dem historischen Ambiente. Aber es gibt eben auch wieder die guten alten Bekannten: die Lokalmatadoren Desimo und Peter Shub zum Beispiel, die afrikanischen Jambo Brothers, die sich selbst mit einer smarten Lässigkeit durch die Luft schleudern, mit der sich ein durchschnittlicher Mitteleuropäer gerade mal ein Butterbrot fürs Kleine Fest schmiert. Die geplanten drei Auftritte dieser Publikumslieblinge fielen allerdings am Premierenabend leider dem Wetter zum Opfer.
Kabarettist und Jongleur Timo Wopp, der schneller spricht als sein Schatten, wirft mit fiesen Pointen um sich („Meine Kinder sind meine Flüchtlinge: an allem schuld“). Und Mirja Regensburg, einst die Helena in Hannovers „Sommernachtstraum“, ist als Comedian zwischen Frauenpower und Weight-Watching zurückgekehrt und zergelt an ihren „Muffin-Jeans“: „Oben kommt der Teig raus.“
Es wird wieder einmal ein großartiges Fest im nassen Garten. Glück gehabt. So ging alles fast störungsfrei vonstatten, auch das abschließende Feuerwerk. Glück ist eben auch, wenn es am Ende Funken regnet.

Von Stefan Gohlisch

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