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Meine Stadt So liest man eine Blutspur
Hannover Meine Stadt So liest man eine Blutspur
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09:01 21.06.2017
MIT BLUTSPrItZERN: Der fiktive Tatort im LKA zeigt, wie die Blutspurenanalyse Aufschluss über den Tatort gibt.   Quelle: Fotos: Petrow
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 An einem Tatort kann es bisweilen ganz schön kompliziert werden. Ein Fakt, der nicht erst seit dem ARD- Krimi-Dauerbrenner bekannt ist. Doch wie bringt man Licht ins Dunkel? Mit einer Blutmusteranalyse, wie gestern Ministerpräsident Stephan Weil und Innenminister Boris Pistorius (beide SPD) erfuhren.

Das Dezernat für molekulare Genetik des Landeskriminalamts (LKA) stellte den beiden Politikern die aktuellen Ermittlungsmöglichkeiten vor. „Die Auswertung von Blutspuren kann Klarheit verschaffen. Man kann ermitteln, ob das Opfer geschlagen wurde und wie oft“, so der stellvertretende Dezernatsleiter, Michael Gerhard, der seine Ausführungen anhand eines beispielhaft errichteten Tatorts erläuterte.

Weil scherzte angesichts des sich ihm bietenden Bildes: „Der Abend ist nicht gut ausgegangen.“ Auf dem Tisch eine leere Wodka-Flasche, der Raum mit Blutspritzern übersät. Die DNA-Sachverständige Annika Wiemann musste aufpassen, wo sie hintrat: „Oft werden dennoch viele Spuren zerstört, das gehört zu unserem Alltag.“ Trotzdem lasse sich aus Blutspuren viel lesen. Anhand eines Schlagspritzmusters erklärte Wiemann, wie genau die Spritzer an der Wand Licht ins Dunkel bringen: „Wenn man die Blutspritzer vermisst, lässt sich ein Austrittswinkel erkennen.“ In diesem Fall sind es mehrere Muster – es wurde mehrfach zugeschlagen. Die Lachen auf dem Boden weisen darauf hin, dass das Opfer Blut hustete.

Aber nicht nur das Blut am Tatort kann den Ermittlern helfen, auch auf der Kleidung finden sich viele Hinweise. Pro­blematisch wird es allerdings, wenn die Kleidung dunkel oder rot ist. „Blut ist dann nicht sichtbar und wir müssen zu anderen Mitteln greifen“, sagte Biologin Iris Ickert und deutete auf eine Infrarotkamera. Weil der Kontrast stärker ist, kann das menschliche Auge nur so die Spuren erkennen. Das Resultat wird dann fotografisch festgehalten.

Fotos vom Tatort anzufertigen, ist eine gängige Prozedur. Leichter wäre das mit einem 3-D-Scanner. „Wir könnten den Tatort dann dreidimensional aufnehmen und ihn maßstabsgetreu dokumentieren“, sagte Gerhard. Das Problem: Ein Gerät koste rund 150 000 Euro, und in ganz Niedersachsen gebe es nur ein Exemplar. Damit entfällt es für die Verbrechensaufklärung des LKA. „Momentan können wir den Scanner noch nicht für unsere Zwecke nutzen“, so Gerhard zu Weil und Pistorius, „mit dem Projekt wollen wir erreichen, dass wir den Scanner wenigstens anteilig gebrauchen können.“ Es wäre eine Erleichterung der komplizierten Ermittlungsarbeit – denn so einfach wie im ARD-Tatort ist die Wirklichkeit nicht.

Von mandy sarti

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