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Meine Stadt Königstraße: So läuft die Vollgas-Baustelle
Hannover Meine Stadt Königstraße: So läuft die Vollgas-Baustelle
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10:00 10.10.2018
Fast FertIg: Ein Bauarbeiter balanciert über eine der bereits installierten Hilfsbrücken.
Hannover

Rattern und Krachen, Funkenflug, Staubwolken und knarrende Gerüste – das Schauspiel an der Königstraße ist wahrlich beeindruckend. Nachts rückt der Kran an und setzt die fertigen Brückenteile auf massive Pfeiler. An denen schweißen, hobeln und hämmern parallel mehrere Arbeiter. Über ihren Köpfen schleppen weitere Männer lange Balken hin und her, tonnenschwere Loks überqueren die bereits fertigen Brückenelemente. Stillstand? Gibt es auf dieser Baustelle nicht.

Die Baustelle an der Königstraße

Einer arbeitet, der Rest steht nur rum – wer dieses Klischee von Baustellen pflegt, lernt hier dazu. Zu oft kam es in der Vergangenheit zu langen Verzögerungen von Bauprojekten, auch in Hannover. In der Königstraße darf das nicht passieren. Denn Montag ab fünf Uhr sollen hier wieder Züge rollen – beim Anblick der Baustelle eigentlich unvorstellbar. Drei von acht Brückenketten waren Dienstag Vormittag fertig, die restlichen fünf müssen noch folgen.

Dass das klappt, davon ist Andrej Lokschin überzeugt. Wenn der Bauüberwacher über seine Baustelle redet, lächelt er durchgehend. Er läuft über die Großbaustelle hin und her, hier im Herzen der Landeshauptstadt. „Wir sind voll im Plan“, stellt er direkt zu Beginn des Rundganges klar. Am 1. Oktober begannen die Bauarbeiten an der fast 140 Jahre alten Brücke, die Folgen für den Bahnverkehr sind immens (NP berichtete).

Die Baustelle in Zahlen

  • 40 Arbeiter sind in der Königstraße rund um die Uhr im Einsatz –darunter Gleisbauer, Zimmerleute und Schweißer.
  • 300 Tonnen Baustahl und 2500 Kubikmeter Beton werden für die neuen Überbauten verwendet.
  • 18 Millionen Euro kostet der Neubau der Brücke.
  • 8 Hilfsbrücken müssen innerhalb von 14 Tagen installiert werden.
  • 2 Schienenkräne mit einer Tragkraft von jeweils 150 Tonnen setzen die Hilfsbrücken ein.
  • 9 Bagger unterschiedlicher Größe sind im Dauereinsatz. Für den Gleisbau werden weitere vier Zweiwegebagger benötigt. Die Anzahl an Kleingeräten ist nicht definierbar.

Bis auf der Königstraße auch wieder Autos fahren werden, dauert es allerdings noch. „Die Verkehrsumleitung ist vorläufig bis zum 31. 12. 2019 genehmigt. Die Herstellung der Fahrbahnflächen erfolgt in Abstimmung mit der Landeshauptstadt“, sagt Projektleiter Matthias Michaelis.

Zwei Wochen. Mehr Zeit wurde Lokschin und seinem Team nicht gegeben. Angespannt ob des Zeitdrucks wirkt der kleine Mann mit dem roten Bauhelm aber keineswegs. „Beim Bau sind wir auch auf einige Fundamente aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Manche kriegt man auch mit schwerem Gerät kaum weg. Die wussten damals schon, was sie gebaut haben“, meint Lokschin und lacht.

Projektleiter Michaelis beschreibt solche Funde weniger enthusiastisch: „Schwierigkeiten bestehen darin, dass bei den Aushub- und Abbrucharbeiten unbekannte Bausubstanz angetroffen wurde, die in den Bestandsplänen nicht verzeichnet ist. In einem solchen Fall muss kurzfristig entschieden werden, wie darauf reagiert werden muss.“

So geht es weiter

Aktuell läuft alles nach Plan. Bleibt das so, rollen ab Montagmorgen um 5 Uhr Züge über die acht neuen Hilfsbrücken in der Königstraße. Die Baustelle aber bleibt bestehen. Bis April nächsten Jahres soll der erste Teil der neuen Brücke am Thielenplatz gebaut werden. Ende April 2019 kommt es dann er­neut zu einer achttätigen, zweiten Sperrpause. Denn dann wird die Brücke seitlich eingeschoben. Erneute Behinderungen im Bahnverkehr werden unumgänglich sein. Ist dieser Part abgeschlossen, folgt der Bau des zweiten Teils der neuen Brücke, welcher dann wiederum eingeschoben werden muss. Diese Sperrpause soll wiederum acht Tage dauern und ist zeitlich für Ende Juli 2019, also während der Sommerferien, geplant.

Wann genau die Fahrbahn für Autos auf der Königstraße neu gemacht werden soll, ist unklar.

Zusätzlich problematisch sei der geringe Platz. Die Geräte standen bei den Aushubarbeiten dicht an dicht. Da müsse man aufpassen, dass man seinen Nachbarn nicht behindere, so Projektleiter Michaelis.

Einen Puffer von 36 Stunden habe man Lokschin und seinen Männern gegeben: „Den werden wir wohl aber nicht brauchen.“ Trotzdem: „Man kann nie wissen, was noch kommt“, sagt er zum Abschluss des Rundgangs, ehe er schnellen Schrittes weiterzieht. Auf Hannovers Vollgas-Baustelle gilt es keine Zeit zu verlieren.

Von Timo Gilgen

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