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Links Axl Rose, Rechts Slash und ab dafür!

Links Axl Rose, Rechts Slash und ab dafür!
 © Nancy Heusel

Konzert

So heiß waren Guns N’ Roses

Hannover rockt gegen das Unwetter. 75 000 Fans lassen Slash und Co nicht im Stich.

Hannover.  Guns N‘ Roses, Waffen und Rosen, Zuckerbrot und Peitsche – und eben auch drückende Hitze und ein Unwetter wie beim Weltuntergang (Text unten). 75 000 Menschen erlebten gestern auf dem Hermesplatz ein Open-Air der Extreme: das heißeste und zugleich auch das nasseste Konzert des Jahres. Nach nur drei Liedern wird unterbrochen, für lange eineinhalb Stunden.

Dabei hatte es doch so gut angefangen, wenn auch mit einer Viertelstunde Verspätung. Viel Bühnenzauber, Animationen mit Schädeln, Rosen, Pistolen und Geknall, eine Einleitung wie ein Cartoon. Und dann, endlich, um 20.30 Uhr kommen sie auf die Bühne: Axl Rose, Slash, Duff McKagan und der Rest der Bande, gealtert ja, Rose mit ein wenig Schwamm auf den einst so markanten Wangenknochen, Slash zerfurchter denn je, McFagan noch ein wenig schlaksiger. Aber: alle sofort wiederzuerkennen.

Dass sie überhaupt da sind, ist eine Sensation. „Not in this Lifetime“ – niemals im Leben – würde man noch mal gemeinsam touren, hatten jahrzehntelang die notorisch zerstrittenen Urmitglieder Axl Rose, Slash und Duff McKagan Comeback-Anfragen beantwortet. Nun sind sie da, alle drei auf „Not in this Lifetime“-Tour und grinsen sich einen. Und die Fans, darunter auch prominente wie die ganze Band Revolverheld oder Klaus Meine von den Scorpions, sind ausgehungert.

Riesenjubel, als es losgeht, mit „It’s so easy“ und „Mr. Brownstone“. Gut, „Chinese Democracy“ von Roses Solo-Versuchen will hier niemand so recht hören. Das T-Shirt unter der Lederjacke und der Cameo-Kutte spannt. Seine Stimme, dieser knödelig-kreischige Bastard aus Wut und Wehmut, war auch schon mal stärker, die höchsten Höhen schafft er nicht mehr. Aber markant ist sie immer noch. Und noch immer scharwenzelt er über die Bühne mit ihren Auslegern, Treppen und Laufstegen, und wenn er steht, wackelt er mindestens mit dem linken Bein und streichelt den Mikrofonständer, als wolle er mit ihm schlafen. Dieser Mann ist für die Bühne gemacht, ist für diese Band gemacht. Nur mit Slash an seiner Seite wirkt er vollkommen.

Und der feuert seine einzigartigen Soli ab, nur flitzende Finger, Zylinder und Sonnenbrille, ein Urvieh. Und vor allem die vielen Fans im Publikum, die sich wie er verkleidet haben, sind ganz außer sich. Zwei Lieblingsfeinde haben sich arrangiert. Ohne einander geht es sowieso nicht. Und die anderen Musiker bilden das gutgelaunte Fundament für die beiden Frontmänner – Schlagzeuger Frank Ferrer hatte sich ja schon am Tag vorher eine schöne Zeit gemacht . Die Bühne ist eher zweckmäßig als spektakulär: rechteckig, praktisch, gut, links, rechts, hinten LED-Wände. Dafür Pyro und Feuerbälle vom ersten Lied an. Insgesamt geht es hier aber tatsächlich um die Musik.

Die Fans ließen sich vom Regen nicht beeindrucken

Die Fans ließen sich vom Regen nicht beeindrucken.

Dann die Unterbrechung, ein Killer für die Stimmung. Es ist 20.45 Uhr, Slash hat gerade die ersten Akkorde von „Welcome to the Jungle“ angespielt, als die Show unterbrochen wird. Die Unwetterfront hat das Konzertgelände erreicht, erst dicke Tropfen, dann sturzartiger Regen, Donner.

75 000 Besucher müssen ihre Plätze verlassen, müssen in die für diesen Fall geräumten Hallen 24, 25 und 26. Die Enttäuschung ist groß, der Abmarsch diszipliniert. Nass geworden war man ja vorher schon, in den Bahnen, in der Asphaltwüste des Messegeländes, Über 30 Grad, extreme Luftfeuchtigkeit, nur der Wind, der ersten Regen ankündigte, brachte Abkühlung. Bei der Vorgruppe Killing Joke nahmen die Fans den ersten Schauer noch gelassen hin. Aber da schien das große Donnerwetter noch fern.

Als es um 22.25 Uhr endlich weiter geht, ist sie am Boden – und berappelt sich schnell. Wieder Slashs erste Akkorde von „Welcome to the Jungle“. Rose betritt strahlend die Bühne, singt „You‘re gonna die“, als sei es eine Verheißung, und trifft plötzlich auch die Höhen. In der Ferne, in tiefgrauen Wolken, gleißen die Blitze, und von der Bühne kommt ein Donnerwetter. Was Guns n‘ Roses nun abliefern (bis nach 1 Uhr und Redaktionsschluss, eine Sondererlaubnis des Oberbürgermeisters wegen höherer Gewalt) ist ein Jahrhundertkonzert.

Guns N’ Roses mögen nicht mehr die größte Band des Planeten sein wie in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, als sie mit ihrem Debüt „Appetite for Destruction“ und dem nachfolgenden Doppelalbum „Use your Illusion“ den pudelköpfigen Hardrock der Zeit zugleich ad absurdum führten und zur Perfektion brachten. Sie sind aber auch nicht mehr die Witzfiguren der Folgejahre, als sie bei der ständigen Gratwanderung zwischen Grandezza und Größenwahn strauchelten und tief fielen und in Hannovers Niedersachsenstadion ihr legendär mieses 1992er-Konzert gaben.

Jetzt machen sie es wett und mehr als das. Als Belohnung, weil die Fans so geduldig waren, kündigt Rose „einen guten Freund“ an, und dann kommt tatsächlich, „Whole lotta Rosie“ rausrotzend, Angus Young von AC/DC auf die Bühne, ohne Schuluniform, in Jeans und Shirt und bester Dinge.

Kampf gegen das Unwetter

Kampf gegen das Unwetter

Sie spielen bis nach 1 Uhr ein Best-of-Programm, mit „You could be mine“, „Sweet Child o‘ mine“, „Don’t cry“, „Paradise City“ und „November Rain“. Sie klopfen mit Bob Dylan an die Himmelstür („Knockin‘ on Heaven‘s Door“), lassen Paul McCartney hochleben und sterben („Live and let die“) und bringen schließlich sogar „Black Hole Sun“, die Hymne von Chris Cornells Soundgarden an das strahlende Gestirn, das frisst, was ihm zu nahe kommt. Es ist ein Fest für Nostalgiker, ein großes Feiern des „Als ob“ und der Vergänglichkeit des Ruhms. Es wird Legende werden, dieses Konzert wird man nicht vergessen. Niemals im Leben.

Nicht unterkriegen lassen

Nicht unterkriegen lassen.

Von Stefan Gohlisch


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