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Meine Stadt So entsteht der VW California in Limmer
Hannover Meine Stadt So entsteht der VW California in Limmer
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11:40 26.05.2018
Der VW-California ist ein Exportschlager. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Nico Brandes ist gelernter Schlosser. Beruflich steht der 29-Jährige aber am liebsten in der Küche – mit dem Akkuschrauber in der Hand. Brrrrrt. Schon sitzt die nächste Schraube im Ge­schränk. So nennen sie hier an der Südfeldstraße (Limmer) das Teilprodukt, das Brandes und seine Kollegen im Dreischichtbetrieb herstellen. In der Küchenvormontage der 13 000 Qua­dratmeter großen Halle von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN).

Dort wird seit 2004 das erfolgreichste Reiseautomobil seiner Klasse gefertigt – der VW California. 15 551 Stück des weltweiten Verkaufsschlagers, intern Cali (gesprochen: Kalli) genannt, rollten allein 2017 aus dem Komplex. Tendenz steigend. Denn VWN gibt Gas; 2018 soll erneut ein Cali-Rekordjahr werden.

Brrrrrt. Brrrrrt. Brrrrrt. In der Vormontage werden die nächsten Schrauben angezogen. Ein Kollege von Brandes passt derweil die Edelstahlspüle mit Zweiflammherd ein ins Geschränk aus Aluwabenmaterial in robuster Edelstahloptik.

Job mit viel Abwechslung

„Ein sehr stabiles, leichtes Material“, sagt Fertigungsleiter Sebastian Schneider. Früher seien die Cali-Küchen aus Holz gebaut worden, doch jetzt verwende man ein dünneres Material. Zudem würden 40 Kilo Gewicht eingespart, erklärt Schneider und lobt seine mehr als 300 Kollegen: „Hier findet eine ganz besondere Fertigung mit ganz besonderen Mitarbeitern statt. Alle sind handwerklich sehr ge­schickt.“

So wird der VW California in Limmer produziert

Das hören Brandes und Kollegen gern. „Das Produzieren der Küchen und die Zusammenarbeit mit den Kollegen machen großen Spaß“, sagt der Schlosser. Seit 2011 ist er bei VWN. 2015 stieg er ins Cali-Werk ein. Hier bereitet er das Geschränk vor für die kleine Hochzeit – so wird die Vereinigung von Küche und Karosse später im Bandabschnitt 2 genannt.

Doch zunächst liefert das Stöckener VWN-Werk die Bulli-Basismodelle. Jeweils zu dritt rollen sie auf regensicheren Lkw-Ladeflächen zur Südfeldstraße. Erst dort erhalten die „Rohlinge“ der aktuellen Transporter-Generation T6 ihr charakteristisches Ausstelldach.

Das wird in der Dachvormontage auf die große Hochzeit – so heißt der Einbau des bis zu zwei Meter hohen Zeltes – vorbereitet. Denny John setzt gerade eine meterlange schwarze Dichtung ein. Der 39-Jährige ist gelernter Bürokaufmann und Konstruktionsmechaniker, arbeitet seit 2014 im Cali-Werk: „Das Tolle an meinem Job ist die Abwechslung, die Tätigkeiten an unterschiedlichen Stationen.“

Stolz auf die Arbeit

Sein Kollege Zeki Sacli (41, gelernter Kaufmann im Gesundheitswesen) arbeitet im Bandabschnitt 1 – hier werden Dachrahmen und Markisenschienen gesetzt. Außerdem erfolgt die Installation der Heckklappenverkleidungen, in der je zwei Camping-Stühle Platz ha­ben. Für jeden Cali gilt: große Klappe, viel dahinter. Sacli ist seit 2011 im Werk. Er schwärmt: „Die Autos sind toll, die Kollegen sind toll – ein Super-Job.“

Im Bandabschnitt 2 sind Rollos und Innenverkleidung an der Reihe. Mit Tempo 0,56 Meter je Minute rollt der halbausgebaute California auf einem Förderband zur kleinen Hochzeit. Das Geschränk wird mit Hilfe eines Hydraulikhebers eingesetzt – ganz vorsichtig und immer an die linke Fahrzeugseite. Auch bei Rechtslenkern für den Linksverkehr ist das so.

Seit 2013 ist Clemens Wasserberg (25) dabei. Der gelernte Kfz-Mechatroniker sagt: „Es macht sehr viel Spaß, mit anderen Menschen ein schönes Auto zu bauen.“ Das sieht sein Kollege Nikita Lebedev (29) genauso: „Ich bin stolz, ein Fahrzeug bauen zu können, mit dem viele tausend Menschen in ihren wohlverdienten Urlaub fahren“, betont der gelernte Lagerlogistiker. Seit 2014 im Cali-Werk, ist er gerade „Trauzeuge“ bei einer großen Hochzeit im Bandabschnitt 4. Hier werden unter anderem Dächer und Sitzbänke eingesetzt.

Hobby zum Beruf gemacht

Ist der Lack top? Stimmen die Spaltmaße? Gibt es Produktionsfehler? Seit 2006 fühlt Qualitätskontrolleur Sven Schulze frisch „verheirateten“ California-Modellen optisch auf den Zahn. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt der gelernte Zahntechniker. Der 42-Jährige, der es beruflich immer ganz genau nehmen muss, mag die „abwechslungsreiche Arbeit an den unterschiedlichen Modellen“. Er klingt fast traurig, als er sagt: „Auffälligkeiten finde ich nur sehr selten.“

Kein Wunder, denn „der California wird in Handarbeit mit viel Liebe zum Detail produziert – das ist eines seiner Erfolgsgeheimnisse“, so ein VWN-Sprecher. Ein besonderes Merkmal hebt Cali-Projektleiter Dirk Struebe hervor: Mit seiner Höhe von knapp zwei Metern bleibe das Reisemobil „unter der magischen Grenze – und ist somit für Urlaub und Alltag gleichermaßen geeignet“.

Wenn der Transporter in Limmer zum California ge­worden ist, kommen die fa­brikneuen Camper zurück ins Stöckener Stammwerk. Nach einem letzten Qualitätscheck rollen die Bullis in die ganze Welt. Die Kunden, so VWN-Markenvorstand Eckhard Scholz, freuten sich dann schon auf „ein Reisemobil mit eingebauter Ferienfreude“.

Andreas Körlin

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