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 © Friedrich-Wilhelm Schiller

Altlasten

Snack-Imperium Lorenz verklagt Bund

Eine ehemalige Munitionsfabrik nahe Hannover diente lange als Lager für den Kekskonzern Bahlsen. Der jetzige Eigentümer Lorenz Snack World (Crunchips, Saltlets, aus Bahlsen abgespalten) hat jetzt den Bund verklagt, weil das Gelände bei Burgdorf verseucht ist und das beim Verkauf nicht so deutlich gesagt worden wäre. Es geht um mehr als eine Million Euro.

HANNOVER.  Alles wegen Adamsit: Die 1999 aus dem Bahlsen-Konzern abgespaltene Lorenz Snack World (Crunchips, Salzletten) will vom Bund knapp über eine Million Euro, weil sie das 1990 vom Staat gekaufte Grundstück bei Burgdorf nicht nutzen kann: Es ist verseucht, müsste aufwendig saniert werden. Mit der entsprechende Klage befasst sich derzeit das Landgericht.

 Das so genannte „Waldlager“ in Hänigsen diente von 1936 an als Munitionsfabrik und -lager, nach Ende des Zweiten Weltkriegs nutzten die Briten das Areal, um Kampfmittel unschädlich zu machen. Der Boden ist unter anderem mit dem arsenhaltigen Kampfstoff Adamsit und mit Schwermetallen verseucht. Und da habe der Bund beim Verkauf des Geländes an Bahlsen nicht mit offenen Karten gespielt. Das Gelände ist nicht nutzbar, eine Sanierung würde mindestens 880 000 Euro kosten, dazu kämen 180 000 Euro für Entsorgung, Sicherung und Überwachung. Die Situation sei erst durch ein Gutachten von 1994 offenbar geworden. Allerdings: Bahlsen (damals noch ein Unternehmen) nutzte das Areal seit 1949 als gemietetes Lager.

Die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn bestreitet die Kontamination und lehnt Zahlungen ab – ein Argument lautet: In Hänigsen seien nie Kampfmittel gelagert worden. Ein weiteres Gutachten aus dem Jahr 2014 zog das Fazit: Das Risiko ist unkalkulierbar, da unklar, was im Boden steckt – und errechnete die Sanierungskosten.

Eine Lorenz-Sprecherin erklärt gegenüber der NP, es gehe dem in Neu-Isenburg (nahe Frankfurt am Main) sitzenden Unternehmen „vorrangig um die Sicherung des Geländes für die Zukunft“. Es seien Mitarbeiter beauftragt, sich vor Ort um den Zustand zu kümmern „damit nichts passiert“. Pläne für einer Nutzung gebe es nicht. Dass das „Waldlager“ belastet sei, „ist ja klar“.

Die Region Hannover war laut Sprecher Klaus Abelmann im Zuge einer ersten Sanierung durch Lorenz Snack World 2012/13 „als Abfallbehörde beratend tätig“. Das Adamsit etwa „kam massiv vor, das war sehr gut zu sehen, es ist kanariengelb-grün. Und es riecht“. Es gebe seither die Auflage, das Gelände per Zaun zu sichern und die Absperrungen intakt zu halten. Laut Tobias Gülich, Sprecher des Landgerichts Bonn, stützt Lorenz Snack World die Klage hauptsächlich auf eine Klausel im Kaufvertrag, die für Ansprüche, wie sie hier geltend gemacht werden, womöglich Haftungsgrundlage sein kann. Zudem werde beklagt, dass der Bund das Ausmaß der Altlast verschwiegen habe. Das Urteil werde am 29. September verkündet.

Von Ralph Hübner


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