Navigation:
GESCHMACKSSACHE: Janet P. zeigt 
ihre künstlichen Fingernägel. 
Im Mai soll sie persönlich
 vor Gericht erscheinen.

GESCHMACKSSACHE: Janet P. zeigt
ihre künstlichen Fingernägel.
Im Mai soll sie persönlich
vor Gericht erscheinen.© Droese

|
Gericht

Sind diese Nägel unhygienisch?

Die Fingernägel von Orthopädie-Verkäuferin Janet P. (26) sind auf dem Weg, Rechtsgeschichte zu schreiben. Sie sind künstlich, lackiert, zu lang und unhygienisch, sagt ihr Arbeitgeber, die Firma Brandes & Diesing, und hat der Frau zum Jahresende gekündigt.

Hannover. Trotz Anweisung und Abmahnung habe sie sich geweigert, die Nägel zu entfernen oder Einweghandschuhe zu tragen, da diese wegen der Nägel reißen. Janet P. klagt gegen die Kündigung. Der Fall dürfte in Deutschland einmalig sein. Hygieneanforderungen müssen das Persönlichkeitsrecht achten, so Richterin Birgitta Kaufmann, „sie müssen erforderlich und verhältnismäßig sein“. Bisher gebe es nur eine Entscheidung zu dem Thema. Kölner Richter hätten bei einer Flughafenkontrolleurin beschlossen, ihre Nägel dürften nur 0,5 Zentimeter länger als die Fingerkuppen sein. Bunten Lack dürfe der Arbeitgeber nicht verbieten. Die Anwälte in diesem Fall haben bereits den Instanzenweg angekündigt. Firmenanwalt Martin Ludwizak kam mit der Qualitätsmanagementbeauftragten zum Gericht. Die erläuterte, ihr Arbeitgeber sei nach der Medizinprodukte-Norm zertifiziert. Man wolle die Zertifizierung, die zur Abrechnung mit Krankenkassen berechtige, nicht verlieren. Man folge deshalb Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, im Gesundheitsbereich auf lange, gegelte und lackierte Nägel zu verzichten. Auf Gel- oder Lackschichten würden Desinfektionsmittel nicht wirken. Eine Orthopädie-Verkäuferin habe es mit kranken Menschen und offenen Wunden bei Diabetikern zu tun. Sie müsse Kompressionsstrümpfe und -armbinden anpassen. Die Vorschriften dienten zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden, deshalb habe Brandes & Diesing (elf Filialen, neun in Hannover) im Oktober einen Hygieneplan aufgestellt. Nur Janet P., die kurz zuvor aus der Elternzeit zurückgekehrt sei, habe sich nicht daran gehalten.

P.s Anwalt Wolfgang Lustig erklärte, es gebe kein gesetzliches Verbot für künstliche oder lackierte Nägel. Kein anderes Orthopädie-Geschäft agiere so. P., die eine kleine Tochter hat und im Prozess nicht dabei war, sagte am Telefon, ihre echten Nägel seien beim Anziehen von Kompressionstrümpfen oft eingerissen: „Kunstnägel sind sechsmal stärker als natürliche.“


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Was ist Ihre Wunschkoalition für Niedersachsen?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok