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Meine Stadt Sind Roboter die Zukunft der Pflege?
Hannover Meine Stadt Sind Roboter die Zukunft der Pflege?
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00:22 03.03.2018
Hilft gern:Der 1,20 Meter große Roboter Pepper soll in Zukunft auch im Altenheim zum Einsatz kommen. Auf der Messe „Altenpflege“ wird gezeigt, was er alles kann. Quelle: Foto: dpa
Hannover

 Die Prognosen sind düster: Bis 2030 fehlen laut Sozialministerium in der Altenpflege bis zu 52 000 Mitarbeiter in Niedersachsen. Kann die Digitalisierung der Branche dabei helfen? Dieser Frage widmet sich die Messe „Altenpflege 2018“, die vom 6. bis 8. März auf dem Messegelände stattfindet.

Humanoide Roboter, die die Pflege alter Menschen komplett übernehmen – dieses Szenario gehört für Veranstalter Lukas Sander vom Vincentz-Verlag in den Bereich der Science-Fiction. „Ein Roboter kann nie einen Menschen im persönlichen Um­gang ersetzen“, glaubt er. Dennoch werden bereits jetzt Roboter entwickelt und vereinzelt eingesetzt, um älteren Menschen einfache Handgriffe abzunehmen. „Es ist auch nicht abwegig, dass im Keller von großen Einrichtungen Roboter umherflitzen und Wäsche waschen“, sagt er. Vor allem in Japan werden Roboter bereits für die Betreuung oder Unterhaltung genutzt. Die Vorbehalte in Deutschland seien groß, praktische Erfahrungen zeigten aber, dass Roboter in Altenheimen gut angenommen werden.

Auf der Messe vorgestellt wird etwa der Roboter „Pepper, der neue Kollege im Altenheim“. Er kann Pantomime spielen, High Five geben, tanzen und Witze reißen. Wenn man dem 1,20 Meter großen Roboter mit dem kindlichen Gesicht über den Kopf streichelt, fängt er an zu kichern und spricht: „Ich bin heute so kitzelig.“ Ein Team der Uni Siegen macht ihn derzeit fit für den Einsatz im Altenheim, Pepper soll dort unterhalten und Musik spielen, wenn die Pfleger mit anderen Aufgaben beschäftigt sind.

Die Digitalisierung der Pflegebranche fängt aber im viel Kleineren an: etwa bei Software, die den Pflegekräften bei der Organisation ihrer Arbeit hilft und so mehr Zeit für den Kontakt zum alten Menschen schafft. „Wenn das Smartphone hilft, noch im Bewohnerzimmer schnell neue Pflegemittel zu bestellen, oder bei der ambulanten Pflege die Navigation unterstützt“, nennt Sander Beispiele. Auch die mobile Krankenakte auf dem Handy sei so eine Erneuerung.

Auf der Leitmesse „Altenpflege 2018“ finden sich zahlreiche solcher Angebote wieder. 550 Aussteller präsentieren auf über 40 000 Quadratmetern neueste Produkte sowie Dienstleistungen für die stationäre und ambulante Pflegewirtschaft.

Den Schwerpunkt auf die Zukunft der Pflege legt vor allem der Bereich „Aveneo – Raum für Innovationen“ in der Halle 21. Dort präsentieren sich Start-ups wie „Healthcare consulting“. Die Software der Firma aus Ebersberg funktioniert auf Amazons Echo – ein sprachgesteuerter, internetbasierter persönlicher Assistent für den Hausgebrauch, auch als „Alexa“ bekannt. „Unsere Software kann einem älteren Menschen zu Hause helfen“, erklärt Geschäftsführer Joachim Mollin. Das Programm erinnert dann unter anderem mündlich an die Einnahme von Medikamenten oder an Termine, kann Vitalwerte erfassen und warnt Angehörige per E-Mail, wenn der Betreute etwas vergessen hat.

Ebenfalls auf der Messe vertreten ist das interaktive Therapiewerkzeug „ichó“. Dabei handelt es sich um einen multimedialen Ball, der auf äußere Einflüsse wie Druck, Streicheln oder Fangen mit leuchtenden Farben oder Klängen reagiert. „Wir haben den Ball damals in unserer Küche entwickelt, um meiner dementen Oma zu helfen, ihre Motorik und kognitiven Fähigkeiten zu fördern“, sagt Steffen Preuß, Geschäftsführer des gleichnamigen Start-ups. Inzwischen sei „ichó“ bereits extrem gefragt.

Aber können diese technischen Hilfsmittel am Ende den Pflegenotstand beseitigen? „Der Pflegeberuf hat ein Imagepro­blem – auch deswegen fehlt es am Nachwuchs“, sagt Sander, „die Digitalisierung kann helfen, die Pflege zu einem hippen, coolen Berufsfeld für junge Leute zu machen.“ Auch deshalb habe man auch Youtuber und Blogger aus der Pflege eingeladen, die im Internet über ihren Berufsalltag berichten. Doch nicht zuletzt spielt auch das Gehalt eine Rolle bei der Attraktivität des Berufs. Hier hofft auch Sander auf einen Flächentarif, der alle Träger vereint: „Examinierte Pflegekräfte werden schon jetzt nicht schlecht bezahlt. Das sollte einfach mehr in die Fläche getragen werden.“ Und da kann die Digitalisierung eben nicht helfen – sondern nur die Politik.

Von Simon Polreich

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