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GEDIEGEN: Mick Hucknall singt seine Lieder von gestern, die man auch morgen noch gern hört. Wer das von sich behaupten kann, hat es im Pop-Geschäft schon vor längerem geschafft.

GEDIEGEN: Mick Hucknall singt seine Lieder von gestern, die man auch morgen noch gern hört. Wer das von sich behaupten kann, hat es im Pop-Geschäft schon vor längerem geschafft.© Insa Cathérine Hagemann

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Konzert

Simply Red in Hannover: Alles beim Alten

10.000 Fans wollen Simply Reds Comeback in der Tui-Arena sehen. Die Briten spielen alle Hits - und wenig Neues.

Hannover. Natürlich, man kann gemein sein und sagen, den Bandmitgliedern ist wohl das Geld ausgegangen. Man kann aber auch sagen: Schön! Simply Red sind zurück! Gestern Abend empfanden genau das viele der beeindruckenden 10 000 angereisten Fans in der Tui-Arena. Fünf Jahre lang hatten sie in Ungewissheit gelebt: Ist es wirklich vorüber?

Denn die Band um Sänger Mick Hucknall hatte 2010 das Ende beschworen, sich getrennt, keine Zukunft, der Titel des damals letzten Albums somit auch gleichzeitig häufiger Ausruf bei den letzten Shows: „Stay.“

Geblieben sind sie nicht, aber zurückgekommen, vielleicht, weil es - im Zweifel für den Angeklagten - doch nicht ums Geld ging, sondern um die „Big Love“ zu den Fans. So heißt das neue Album, das ja eigentlich gar nicht mehr hätte existieren sollen - und es an diesem Abend auch irgendwie nicht so richtig tut. Genau ein Song repräsentiert das neue Werk, ansonsten begeben sich die Briten vor allem in eins: sehr sichere Gewässer. Anders formuliert: Auf der Bühne gibt es das Beste der 80er, 90er - dafür aber nichts von heute. Geschenkt. Bei Bands mit 30 Jahren Geschichte schwingt der Begriff Nostalgie-Act immer mit. Neue Fans gewinnt man in fünfjähriger Abstinenz meist sowieso nicht, da kann man den alten, Verzeihung, langjährigen wenigstens das bieten, was sie für den Eintrittspreis sehen wollen.

Zu Beginn gibt es dann sogleich ein theatralisches Intro. Die Galaxie ist zu sehen, das Universum, endlose Weiten, dann irgendwann ein Embryo - und schließlich Mick Hucknall, 30 Jahre Simply Red im Zeitraffer. Das Licht geht aus, als würde einmal zurückgespült, damit der dann auf die Bühne kommende Rotschopf die ganze Geschichte noch einmal in Ruhe darbieten kann.

50 Millionen verkaufte Alben, der Herr Frontmann ist Weingutbesitzer, sein Haus wird schon groß genug sein für all die Preise, die die Band sich in den vergangenen Jahrzehnten erspielt hat - Hucknall muss das wahrscheinlich wirklich nicht mehr tun, Abend für Abend das Best-of performen. Als er dann da ist, wird klar, wie schön es ist, dass er sich doch nicht mit dem eigenen Tropfen ins Rentnerleben verabschiedet hat.

Voller Esprit, mit einem Charme, der auch in der großen Halle nicht hinter den ersten drei Reihen verpufft. Und vor allem mit Musik. Liebevoll kündigt der 55-Jährige jeden Song an, so wie man das damals eben gemacht hat. Und singen kann er, als hätte er nie aufgehört (hat er auch nicht, aber - vorsichtig formuliert - große Erfolge waren seine zwei Soloalben nicht). „So Not over you“, „A New Flame“, „It’s Only Love“, „Come to Aid“, „Holding Back the Years“. Hit auf Hit.

Was man Hucknall und seinen Mannen ankreiden könnte, wenn man denn an diesem sehr beseelten, sehr gefühligen, sehr nostalgischen Abend etwas suchen wollte - es wäre der absolut fehlende Mut. Keine neuen Ideen, keine neuen Arrangements, man traut sich ja nicht einmal ans eigene neue Album. Die neue Single „Shine on“ darf in den Zugaben vor „Fairground“ ran, dann sind wenigstens alle schnell wieder beruhigt. Macht aber nichts. Für einen Death-Metal-Remix von „Thrill me“ oder eine Dubstep-Interpretation von „Sunrise“ hat hier sowieso niemand gezahlt. Und wer „If you Don’t Know me by Now“ als finalen Rausschmeißer im Angebot hat - der braucht sich auch gar nicht neu zu erfinden. Auch nach fünf Jahren Pause ist bei Simply Red immer noch alles beim Alten. Zum Glück.HHHH H


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